Landvolk informiert Mitglieder im Rahmen der ersten Winterveranstaltung über die neuesten Agrarsektor-Entwicklungen

„Kopf in den Sand stecken geht nicht“

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Claus Reinert informierte die Besucher.

Brockum - Die Landwirte und Mitglieder des Landvolkverbandes Diepholz aus dem Ortsverband „Altes Amt Lemförde“ mussten sich zur Informations- und Austauschveranstaltung in Brockum von Vorsitzendem Theo Runge und Claus Reinert einige negative Entwicklungen in der Landwirtschaft im LandkreisDiepholz anhören.

Die Psychologie lehrt, dass jedoch die guten Nachrichten die schlechten wesentlich abpuffern, werden sie vorab berichtet. So konnte Theo Runge berichten, dass es in den Gerichtsverfahren gegen die entlassenen Führungspersonen im Landvolk insgesamt voran ginge, um wesentliche Teile der veruntreuten Gelder gerichtlich geltend zu machen. Mit einem nächsten Gerichtsurteil wird am 15. Februar in Verden gerechnet, weitere Klagen laufen aktuell. „Wir werden dazu zeitnah informieren, wenn die Fakten vorliegen“, versprach der Vorsitzende.

In den Geschäftsstellen feierten zahlreiche Mitarbeiter Dienstjubiläen, es kam zu Neueinstellungen und Fortbildungen. Allerdings verließen auch einige Mitarbeiter das Landvolk. Unter anderen hatte Birte Brackmann, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet, als Bildungsträger den Lehrgang Bauernhofpädagogik erfolgreich abgeschlossen.

Das Gebäude des Landvolkes in Diepholz wurde verkauft, aber die Büros wieder angemietet. Dem Baubeginn der Gebäudeerweiterung in Sulingen stehe in Kürze nichts mehr im Wege. „Gute Arbeit für den Kreisverband bei Betriebsanträgen machen in Sulingen Claus Reinert, Stefan Lieberodt und in Diepholz Monika Brüggemann“, lobte Runge.

Im Bericht des Kreisverbandsgeschäftsführers Dr. Jochen Thiering, durch Claus Reinert vertreten, empfahl der Landesverband im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, die gute fachliche Praxis des integrierten Pflanzenschutzes und den Schutz des Grundwassers einzuhalten, bestimmte Mittel nicht als Regelbehandlung einzusetzen und öfter einmal über Verzicht einschlägiger Mittel nachzudenken. „Die Novelle für die Düngeverordnung ist in diesem Jahr zu erwarten“. Zu zwei Faktencheck-Veranstaltungen (Themen: Glyphosat und Nitrat) am 2. und 9. Februar im Grünen Zentrum in Sulingen konnte Reinert einladen.

Zum Thema Leitungsbau und Entschädigungen des Landwirtes zeigte sich das Landvolk kämpferisch: Es fordert eine jährlich wiederkehrende Nutzungsvergütung. „Wir geben uns mit den Einmal-Entschädigungen für Grundeigentümer nicht mehr zufrieden. Uns sitzen renditeorientierte Netzbetreiber gegenüber“. Derzeit bestehe ein Verhandlungs-Stopp von Seiten des Landvolkes, solange sich die Netzbetreiber nicht bewegten.

Niedersachsen ist seit Dezember 2015 frei von der BHV1-Infektion des Rindes, angrenzende Bundesländer nicht, hier sei auf die strengen Regeln der Einfuhr von Tieren zu achten. Reinert informierte über Neuregelungen ab 2016 bei der Hofabgabe (höherer Rückbehalt, Einbringung des Unternehmens in eine Gesellschaft, Rentenzuschlag), und das eine spürbare Entlastung bei den Berufsgenossenschaftsbeiträgen aufgrund eines höheren Bundeszuschusses zu erwarten sei.

Die Termine der Agrarförderungen und monetäre Höhe der Prämienkomponenten für 2015 teilte er den Mitgliedern mit. Aus der Grafik, wie in den Landkreisen Diepholz und Nienburg die ökologischen Vorrangflächen umgesetzt wurden, stachen Zwischenfruchtanbau, Untersaaten und Brache hervor. Theo Runge musste sich mit den unschönen Entwicklungen beschäftigen: „Insgesamt ist die Stimmung auf den Höfen mies. Die vielfältige Arbeit in der Landwirtschaft wird nicht genügend wertgeschätzt“.

Mit ihm schnürten Mitglieder gedanklich ein Bündel an Maßnahmen, das vor der Kulisse, die sich um Tierwohl, Nachhaltigkeit, Flächendruck, medialen Einfluss und dem Stehen der Landwirte am kollektiven Pranger, sinnvoll zeigte. „Landwirtschaft ist Leidenschaft und Sachverstand. Jeder einzelne muss aktiv in die Öffentlichkeit gehen, die Landwirtschaft zeigen, Kritiker zum Gespräch einladen und auch mal einen Kompromiss eingehen.“ Denn die Landwirte müssten sich zwangsläufig mit viel mehr Interessengruppen als früher auseinandersetzen.

Runge informierte erneut, dass das Landvolk sowohl im Landesraumordnungsprogramm (LROP, Ausweisung von Vorranggebieten mit den Zielen Torferhalt und Moorentwicklung), als auch im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP, Vorranggebiete Natur, Landschaft und Erholung) dem Landkreis die klare Botschaft mit konkreten Gegenforderungen der Landwirte übermittelt hat: „Schließlich ist Boden unsere Existenzgrundlage mit allen Konsequenzen“.

Eine lange Liste mit Ideen für eine bessere Öffentlichkeitarbeit folgte, positive Beispiele wie „Tag der Regionen“, „Demo: Wir machen Euch satt“, „Das Jahr auf dem Schäferhof“, „Tag des offenen Hofes“, „Grünes Klassenzimmer“, zahlreiche Veranstaltungen der Landfrauen und das Trainings-Camp „Landwirtschaftliche Fahrzeuge im Straßenverkehr“, überzeugten.

Die Märkte zeigten insgesamt gute Ernte, aber Preiseinbrüche bei Fleisch und Milch. In Summe gab es stark gesunkene Erzeugerpreise und größer werdende Lücken zum Verbraucherpreis. „Hier müssen wir kreative Lösungen finden, den Kopf in den Sand stecken geht ja nicht“, gab sich Runge zuversichtlich.

sbb

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