Frauen aller Konfessionen laden ein / Vortrag, gemeinsames surinamisches Essen und Gottesdienst im Gemeindehaus in Sandbrink

Kunterbunter Weltgebetstag: „Wir sind alle moksi“

Bunter Weltgebetstag im Gemeindehaus in Sandbrink. - Foto: Brauns-Bömermann

Hüde - „Surinam ist bunt!“ Das erlebten rund 60 Frauen und einige Männer zum Weltgebetstag am Freitag im Gemeindehaus in Sandbrink für alle Kirchengemeinden der Dümmerregion. „Was Surinam mit dem Weltgebetstag zu tun hat?“, das beantwortete Ingrid Rüter-Pfeil (Kreisfrauenbeauftragte im Kirchenkreis Diepholz) im ausführlichen Vortrag vor dem gemeinsamen surinamischen Essen und anschließendem Gottesdienst.

Sie leitete die Werkstatt mit rund 20 Teilnehmerinnen, die die Veranstaltung zum Weltgebetstag vorbereitete (wir berichteten). Zwar stand der diesjährige Weltgebetstag unter dem Motto „Gottes Schöpfung ist sehr gut!“, hatte jedoch schnell den erweiterten Titel: „Wir sind alle moksi!“ Erstaunte Gesichter im Auditorium, was das nun wieder sei in dem weit entfernten Land in Südamerikas Norden. „Die Surinamerinnen bezeichnen sich selbst als moksi, als einen Mischmasch aus vielen verschiedenen Ethnien, die aus vier Kontinenten zusammengewürfelt wurden“, erläutert Rüter-Pfeil. „Moksi heißt aber auch gemeinsam, denn mit der Vielfalt haben sie ein buntes Miteinander.“

Die Frauen hatten das Gemeindehaus in Sandbrink genau in so ein buntes Miteinander durch landestypische Dekorationen und Farbenmeer einer Regenwaldregion, Speisen, Bühne und Altar verwandelt. Sie hatten zudem viel Glück, denn mit Shila Thakoerdien war eine echte Shanti aus Surinam als Beraterin unter ihnen.

Im Vortrag von Rüter-Pfeil über Land und Leute, Probleme, Besonderheiten und Schönheiten des Landes repräsentierten in bunten Gewändern Ute Grambart, Jutta Pomplun, Bettina Kloster, Edith Dettmer, Erika Klös, Claudia Zboron und Sheila Thakoerdien stellvertretend sieben Frauen aus Surinam die ethnische Vielfalt.

„Die hat eine lange und schmerzhafte Geschichte aus der Zeit der Sklaverei und Kolonisation durch die Buren“, erklärt Rüter-Pfeil die Bivalenz in einem Land einem Paradies gleich mit sehr hoher Biodiversität, Bodenschätzen, Regenwald und Artenvielfalt. Somit hätte der Weltgebetstag sehr viel mit Surinam zu tun. Dabei sei das Land, von dem in diesem Jahr der Weltgebetstag ausging, kein einfaches Terrain. Die Siebenzahl im Wort sei zugleich Symbol für die sieben Tage der Schöpfung, wie die sieben Repräsentantinnen des Landes in Amazonien. Jedem Buchstaben im Landesnamen stünde theoretisch ein Wortpaar mit negativer und positiver Bedeutung gegenüber: S für Südamerika und Sextourismus, U für Urwald und Umweltzerstörung, R für Reggae und Raubbau bei Gold und Bauxit, I für indigene Völker und illegal, N für Naturwunder und Niedergang von Industrie und Wirtschaft, A für Artenvielfalt und Armut und M für Meeresschildkröten und Müll und Minen.

In Ergänzung zu dem Wortbild, Bilder der Landschaften, Architektur, Natur, Politik und der wirtschaftlichen Kennzahlen zum Land, wurde schnell klar: „Frauenrechte haben hier (noch) keinen Platz.“ Dennoch zeigten die Bilder der sieben Frauen Alima (Indigene), Muyinga (Maroons, Nachfahre von Versklavten), Mei Ling (Nachfahre chinesischer Vertragsarbeiter nach dem Ende der Sklaverei), Carolina (Kreolin, Surinamerin mit europäischen und afrikanischen Wurzeln), Willemien (Burin, Nachfahrin holländischer Siedler bis zur Unabhängigkeit), Shanti (Hindustani, Nachfahrin der Inder) und Kartini (Javanesin aus Indonesien, teils muslimisch) stets ein Lächeln auf den Gesichtern, stolz und stark.

Für die Besucherinnen der Kirchengemeinden zeichnete sich ein zwiegespaltenes Bild des Landes, der Frauen und ihrer Zukunft: Mit den Problemen, die das Land besitzt, gerät auch das gesellschaftliche Gleichgewicht in Schieflage. Das trifft fast immer Frauen und Kinder stärker als Männer überall auf der Welt. Einige Frauen resümierten: „Wie gut es uns hier doch geht und wir können uns sogar ein nachhaltiges Bewusstsein leisten.“ Schön war der kleine Gedanke am Rande eines Bildes von Rüter-Pfeil: Moschee und Kirche stehen nebeneinander. „Die zwei Gotteshäuser haben sogar denselben Hausmeister“, wusste die Koordinatorin zu berichten. Im Gottesdienst wurde gesungen, gebetet und Fürbitten gehalten. Insgesamt ging es in diesem Weltgebets-Gottesdienst um Solidarität – im weitesten um „moksi“. J sbb

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