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Landwirte fordern von Otte-Kinast: „Wir brauchen Planungssicherheit!“

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Von: Melanie Russ

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Jan-Philipp Kortenbruck (2.v.l.) erläuterte Barbara Otte-Kinast und den Landfrauen den neuen Maststall.
Jan-Philipp Kortenbruck (2.v.l.) erläuterte Barbara Otte-Kinast und den Landfrauen den neuen Maststall. © Russ

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast sprach auf dem Hof Kortenbruck in Brockum mit Landfrauen über Tierhaltung, Höfesterben und zu langsame politische Entscheidungswege.

Brockum – Nächste Woche ist endlich Einzug. Dann werden die ersten Schweine in den gerade fertiggestellten Maststall der Familie Kortenbruck eingestallt. Sechs Jahre hatte es laut Juniorchef Jan-Philipp Kortenbruck von den ersten Überlegungen über Planung und Baugenehmigung bis zur Umsetzung gedauert.

Die Familie hatte sich gleich für den großen Schritt entschieden – trotz etwa doppelter Kosten im Vergleich zu einem Standardstall: Wenn Neubau, dann sollte er den Anforderungen der höchsten Haltungsstufe vier genügen, um langfristige Sicherheit zu haben. „Man investiert viel Geld in die Zukunft und will dann auch in die richtige Richtung investieren. Schließlich muss man 20 Jahre damit arbeiten“, begründet Seniorchef Ulrich Kortenbruck die Entscheidung am Rande eines Ortstermins mit einem hohen Gast.

Denn Barbara Otte-Kinast, Niedersachsens Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, stattete dem Hof am Mittwochnachmittag auf Einladung des Landfrauen-Kreisverbands Grafschaft Diepholz einen Besuch ab. Zwei Stunden nahmen sich die Ministerin und der CDU-Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann Zeit, um mit Kortenbrucks und einer Abordnung der Landfrauen über Tierhaltung, Höfesterben und die Wünsche und Sorgen der Landwirte in der Region zu sprechen.

Im neuen Maststall stehen 845 Plätze zur Verfügung, eine Box inklusive überdachter Außenterrasse sollen sich 48 Tiere teilen. Jedem Tier stünden 1,5 Quadratmeter Platz zur Verfügung, erläuterte Jan-Philipp Kortenbruck bei der Besichtigung. Beschäftigungsmaterial und eine Strohdusche gehören zur Ausstattung. Die Tiere sollen zunächst gemäß der geringeren Anforderungen der Haltungsstufe drei gehalten werden.

Die deutlich teurere Fleischproduktion bedingt auch einen entsprechend hohen Abnahmepreis. Aktuell sind Kortenbrucks in vielversprechenden Verhandlungen mit einem Schlachtbetrieb aus Niedersachsen. Einen entsprechenden Betrieb zu finden, ist in diesen unsicheren Zeiten mit allgemein hohen Preisen und dadurch geringerer Nachfrage nicht ganz leicht. Sie hätten auch bei Supermarkt-Ketten und den mit ihnen kooperierenden Schlachtereien angefragt. „So riesig war das Interesse nicht“, sagt Jan-Philipp Kortenbruck.

Der alte Maststall wird laut Ulrich Kortenbruck zunächst mit Haltungsstufe zwei weiterbetrieben – mit geringerer Tierzahl als früher. Insgesamt hält der Betrieb etwa 2000 Mastschweine, alle Ferkel stammen aus eigener Zucht mit 230 Muttersauen.

Die Ministerin zeigte sich von der neuen Investition beeindruckt. „Nicht jeder ist so mutig“, sagte Otte-Kinast. Sie wisse von vielen Betrieben, die abbezahlte Ställe stilllegten, weil sie allein mit Schweine- oder Rindermast nicht mehr zurechtkämen. Kortenbrucks haben sich mit eigener Windenergieanlage und Photovoltaikanlage weitere Standbeine geschaffen, das Futter für ihre Tiere produzieren sie im Wesentlichen auf eigenen Ackerflächen. Trotzdem ist auch für sie die Investition mit einigen Unsicherheiten verbunden. „Wir wissen noch nicht, ob wir das Geld wieder reinkriegen“, sagt Mechthild Kortenbruck. „Wir machen das, weil es der Verbraucher verlangt.“

Der Ministerin gaben sie und die übrigen Landfrauen die Forderung nach mehr Verlässlichkeit und klaren Entscheidungen der Politik zur Tierhaltung mit auf den Weg. „Wir brauchen Planungssicherheit in der Landwirtschaft!“, forderte Mechthild Kortenbruck. Denn ohne sichere Rahmenbedingungen würden noch mehr Landwirte aufgeben. „Wir haben die große Sorge, dass wir irgendwann keine Selbstversorgung mehr haben und alles aus dem Ausland kommt.“

Otte-Kinast sieht die Lebensmittelversorgung zwar nicht gefährdet, sagt aber auch: „Wir müssen alles dafür tun, damit wir die Landwirtschaft hier halten.“ Nach ihrer Erfahrung gibt es auch durchaus Landwirte, die den Weg zu mehr Tierwohl mitgehen wollen. „Wir haben Betriebe, die wollen ihre Ställe öffnen, aber das Immissionsschutzgesetz gibt es nicht her.“ Hier sieht sie den Bund in der Verantwortung, das zu ändern.

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