Größte Herausforderung Blindheit

Konfirmanden der Dümmer-Region beschäftigen sich mit dem Thema Behinderungen

Pauline musste feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, mit einem Rollstuhl rückwärts durch eine schmale Tür zu kommen.
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Pauline musste feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, mit einem Rollstuhl rückwärts durch eine schmale Tür zu kommen.

Konfirmanden aus Brockum, Burlage und Lemförde beschäftigten sich während ihres Ferien-Seminars mit den Themen Behinderung und Ausgrenzung.

Brockum/Lemförde – Kaela geht langsam und mit etwas unsicherem Schritt über den Rasen. Ihre Hände streckt sie weit nach vorne, um nicht gegen den Baum zu laufen, der irgendwo in der Nähe steht, denn sehen kann sie ihn nicht. Ihre „Blindheit“ ist nur vorübergehend, denn Kaela trägt wie die Hälfte ihrer Konfirmandengruppe eine Schlafmaske. Ziel der Übung ist es, den Jugendlichen einen kleinen Eindruck davon zu vermitteln, wie es ist, nicht sehen zu können.

Sie ist Teil des Thementages „All inclusive – Leben mit Behinderungen“ im Rahmen des fünftägigen Ferienseminars der Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinden Brockum, Burlage und Lemförde.

Kaela läuft nicht gegen den Baum – weil sie vorsichtig geht und weil ihre Partnerin Mara gut auf sie aufpasst und sie bei Bedarf auf Hindernisse hinweist. „Das ist ein komisches Gefühl“, beschreibt Kaela die Erfahrung. „Aber ich kenne Mara ziemlich gut, darum vertraue ich ihr.“

Henri leitet den „blinden“ Max über das Gelände neben dem evangelischen Gemeindehaus in Brockum.

In einer zweiten Übung bewegen sich die Konfirmanden mit einem Rollstuhl durch einen Slalom-Parcours und versuchen, die Schwelle einer schmalen Eingangstür zu überwinden. Für einen erfahrenen Rollstuhlfahrer wären diese kleinen Hürden kein Problem, aber für die Konfirmanden, die zum ersten Mal in einem Rollstuhl sitzen, ist es nicht ganz einfach. Am schwierigsten sei, „dass man nicht weiß, in welche Richtung man lenken soll“, sagt Pauline nach ihrem erfolgreichen Versuch, die Türschwelle rückwärts zu überqueren. Und die kleine Steigung hinaufzurollen, sei auch nicht ganz einfach, wenn die Muskeln in den Armen nicht trainiert seien.

Nach den drei Übungen – mit Pantomime mussten sie stumm Begriffe beschreiben – sind sich die Konfirmanden einig: Blind zu sein und sich nicht orientieren zu können, war für sie die größte Herausforderung.

Die Teamerinnen Clara Templin, Sina Dannhus und Lea-Marie Franz leiten die Arbeitsgruppe, erklären den Jugendlichen die Hintergründe der Übungen und sprechen mit ihnen über deren eigene Erfahrungen sowohl im Zusammenhang mit Behinderungen als auch mit Ausgrenzungen aufgrund von Nationalität, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung oder einfach, weil jemand etwas nicht gut kann. Eine Konfirmandin hat einen Neffen, der im Rollstuhl sitzt. „Doof geguckt wird immer“, berichtet sie. „Und bemitleidet.“

Die Teamerinnen wollen die Jugendlichen auch dafür sensibilisieren, nicht gedankenlos Dinge wie „Bist du behindert?“ oder „Spasti“ zu sagen, die diejenigen kränken, die tatsächlich eine Behinderung oder eine spastische Erkrankung haben. Abschließend vertiefen die Konfirmanden die praktischen Erfahrungen mit Videos, die verschiedene Aspekte von Behinderung, Ausgrenzung und einem respektvollen Umgang miteinander aufgreifen.

Clara Templin, Sina Dannhus und Lea-Marie Franz sind mit ihren Schützlingen zufrieden. „Sie machen das sehr gut“, loben sie und meinen nicht nur, wie sich die Konfirmanden gegenseitig helfen, sondern auch, dass sie zuerst fragen und ihrem Gegenüber ihre Hilfe nicht aufdrängen. Auch das ist eine Botschaft an diesem Vormittag: Menschen mit Behinderungen sind nicht automatisch hilflos.

Ferien-Seminar: Jugendliche bechäftigen sich fünf Tage intensiv mit Glaubensfragen

Fünf besondere Tage erleben aktuell Jugendliche aus den evangelischen Kirchengemeinden der Dümmer-Region: das Konfirmanden-Ferien-Seminar@home. Statt einer Freizeit in Tecklenburg erstellten die 14 Teamerinnen und Teamer ein Alternativprogramm mit Andachten im Open-Air-Kino Quernheim, interaktiven Arbeitsgruppen zu den Themen „Schöpfung“, „Zehn Gebote“, „Leben mit Behinderungen“, „Gebet“ und „Auferstehung“ im Brockumer Landgasthaus Koch und in den Gemeindehäusern Brockum und Lemförde sowie einem bunten Spiel- und Spaß-Programm in der gesamten Dümmer-Region. Unter anderem wird ein Geländespiel im Espohl beziehungsweiseim Stemweder Berg angeboten. Hobbygruppen, eine Spielshow und eine Fahrradrallye mit verschiedenen Stationen rund um den Brockumer Marktplatz runden das Programm ab. Pastor Eckhart Schätzel betont: „Diese fünf Tage stellen einen markanten Höhepunkt in der Konfirmandenzeit der 40 Jugendlichen aus den evangelischen Kirchengemeinden Brockum, Burlage und Lemförde dar. Die Begegnungen erfolgen auf der Grundlage eines sorgfältigen Hygienekonzeptes und nach intensiven pädagogischen und reflektierten Vorbereitungen. Wir sind dankbar, dass zusätzlich zur inhaltlichen Arbeit auch das intensive soziale Lernen in einer großen Gemeinschaft möglich ist.“

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