Störend oder bereichernd?

Kitesurf-Befürworter und -Skeptiker argumentieren vor Umweltausschuss

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An der Ostsee (Bild) ist Kitesurfen kein Problem. Ob der Dümmer allerdings dafür geeignet ist, dem Sport ein Zuhause zu sein, das ist morgen zum wiederholten Male Thema im niedersächsischen Landtag.

Lembruch/Hüde - Von Melanie Russ. Der Spagat zwischen Naturschutz und Tourismus ist am Dümmer oftmals eine Herausforderung. Das gilt nicht zuletzt bei der Frage, ob das Kitesurf-Verbot aufgehoben werden sollte.

Einen entsprechenden Antrag hatte die FDP-Landtagsfraktion im Sommer gestellt. Anhänger des Trendsports argumentieren mit Tourismusförderung und berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen. Naturschützer sind überzeugt, dass das Kitesurfen erhebliche Beeinträchtigungen für das Naturschutzgebiet bedeuten würde. Mit den unterschiedlichen Argumenten wird sich der Umweltausschuss des niedersächsischen Landtags Mittwoch befassen.

Im Rahmen einer Anhörung haben Befürworter und Gegner die Möglichkeit, ihre Ansichten vorzubringen. Einer von ihnen ist Jens Dannhus, erster Vorsitzender der Wettfahrgemeinschaft Dümmer. Er wird sich im Namen aller Segelclubs und kommerziellen Segelhäfen für eine Pilotphase einsetzen. Zwar sei knapp die Hälfte der Segler skeptisch, ob Kiten auf dem Dümmer, insbesondere mit Blick auf Anfänger, gefahrlos möglich ist, einer Pilotphase hätten aber alle zugestimmt – wenn zum Teil auch zähneknirschend.

Auch Landrat Cord Bockhop will sich für eine Pilotphase einsetzen, wie er im Vorfeld erklärt hatte. Es gebe neben dem Naturschutz weitere Interessen am Dümmer, die berücksichtigt werden müssten, argumentierte er. Ingo Estermann, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Diepholz, hat sich in einem Schreiben an die SPD-Landtagsfraktion ebenfalls für einen Probebetrieb unter Achtung des Naturschutzes und der Sicherheitsvorschriften stark gemacht. Der müsse mit einem Monitoring begleitet werden, um später auf Basis von Fakten über eine endgültige Lösung entscheiden zu können.

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann hat in seiner Fraktion für eine Pilotphase geworben. Er hat auch die privaten Investitionen im Bereich Tourismus im Blick, die auf ein attraktives Angebot angewiesen seien.

Dümmerregion eine Naturerlebnisregion

Dieses attraktive Angebot besteht aus Sicht des Naturschutzbundes (Nabu) bereits. Die Dümmerregion werde als Naturerlebnisregion beworben, heißt es in einer Pressemitteilung. Die zunehmenden Möglichkeiten für Naturbeobachtungen hätten Attraktivität und Bekanntheit der Dümmerniederung erhöht. „Wir sind überzeugt davon, dass der Dümmer für das gefahrlose und zugleich naturverträgliche Kitesurfen einfach zu klein ist“, erklärt Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Nabu Niedersachsen, laut Mitteilung.

Wie schwierig die Abwägung der Vor- und Nachteile ist, zeigt das Ergebnis der jüngsten Sitzung des Dümmer-Beirats, in dem Vereine, Institution und Behörden der Dümmerregion vertreten sind. Laut Protokoll konnten sich die Teilnehmer nicht auf eine gemeinsame Position einigen. Sieben Mitglieder stimmten für eine Pilotphase, eines votierte dagegen, neun enthielten sich.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat dagegen eine klare Position. Es lägen genügend Studien über den Einfluss von Kitesurfern auf Wasser- und Watvögel vor, um allgemeine Rückschlüsse zu ziehen, teilt der NLWKN auf Nachfrage mit. Die Stärke der Vogelreaktionen hänge aber auch von den Gegebenheiten vor Ort ab.

Störpotenzial höher als beim Windsurfen bewertet

Das Störpotenzial des Kitesurfens bewertet der NLWKN höher als das von Windsurfen, Segeln oder Ruderbootfahren. Hohe Geschwindigkeit, nicht prognostizierbare Bewegungsrichtung, Segel in grellen Farben und Knallgeräusche beim Aufprall des Segels auf dem Wasser nennt er als Aspekte, die Vögel als Bedrohung wahrnehmen. Die Alarm- und Fluchtdistanz beziffert er je nach Art mit 300 bis 1 000 Meter. Der Abstand, in dem sich die Vögel bereits gestört fühlten und zum Beispiel die Nahrungsaufnahme einstellten, sei noch höher. Bereits ein einzelner Kitesurfer reiche aus, um die Wasservögel im entsprechenden Bereich zu verscheuchen, so der NLWKN. Werde in einem Gebiet regelmäßig Kitesurfen betrieben, könne es dauerhaft zur Vertreibung von Wasservögeln kommen.

Deren Gewöhnung an die Sportart mitsamt ihrer verschiedenen Aspekte habe bislang nicht nachgewiesen werden können und sei verhaltensbiologisch auch nicht zu erwarten. Die Einrichtung einer 80 bis 100 Hektar großen Kitesurfzone auf dem Dümmer wäre eine erhebliche Beeinträchtigung für ein EU-Vogelschutzgebiet und „aus naturschutzrechtlicher Sicht inakzeptabel“, bezieht der NLWKN klar Stellung.

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