Kirchengemeinden laden zum „Trio Sonntag“ nach Brockum

„Wenn jeder von uns etwas tut, dann wird es rund“

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Zum „Trio Sonntag“ begrüßte Pastor Eckhart Schätzel die Referentinnen Marlis Winkler (l.) und Sarah Lübker, die zum Thema „Gastfreundschaft leben!“ sprachen.

Brockum - Von Christa Bechtel. „Es geht heute um Hoffnungsgeschichten. Wir wollen Sie informieren und Ihnen Geschichten erzählen“, erklärte Marlis Winkler, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes der Kirchenkreise Syke-Hoya und Grafschaft Diepholz, im rappelvollen Brockumer Gemeindehaus. Im Zuge der Reihe „Trio Sonntag“ referierte sie dort mit Sarah Lübker, Flüchtlingssozialarbeiterin in Syke, zum Thema „Gastfreundschaft leben!“

Zuvor hatte Pastor Eckhart Schätzel etliche Flüchtlinge, Ehrenamtliche verschiedenster Initiativen sowie Gemeindeglieder aus Brockum, Burlage und Lemförde und natürlich die beiden Referentinnen willkommen geheißen. „Kirche und Diakonie gehören zusammen“, betonte Winkler, die weiter herausstellte: „Es gibt seit über 20 Jahren eine Zusammenarbeit dieser beiden Kirchenkreise, dieser Diakonischen Werke.“ Ende 2014 sei die große neue Flüchtlingsbewegung auf Deutschland zugekommen. „1,1 Millionen Menschen sind in unser Land gekommen. Für Kirchenkreise war relativ schnell klar, dass wir uns um dieses Thema kümmern wollen“, hob die Diplom-Sozialpädagogin und –Sozialarbeiterin hervor. Für Diepholz sei es verhältnismäßig überraschend gewesen: „Dass die Stadt Ende 2014 auf uns zukam und sagte: Wir möchten gerne, dass Sie die Flüchtlingssozialarbeit für uns übernehmen. Da sie wussten, dass Diakonie Erfahrung hat.“ Deshalb habe man zum 1. Januar 2015 die erste Sozialarbeiterin eingestellt; heute sind es fünf.

Inzwischen seien in allen Orten – auch in ganz kleinen – Flüchtlinge angekommen. Sie würden merken: „Es funktioniert, je kleinteiliger man es betrachtet und unterwegs ist“, so Winkler. Eine große Herausforderung sei jedoch, dass man gedanklich das, was auf politischer Ebene an Streitigkeiten laufe, in der praktischen Arbeit möglichst außen vor lasse. „Je konkreter wir vor Ort in der Arbeit sind, je konkreter wir mit Menschen in Kontakt sind, ihnen begegnen, desto positiver, hoffnungsvoller und besser wird das Ganze“, akzentuierte die Referentin.

Zwischendurch stellte Sarah Lübker, die seit September im Kirchenkreis Syke-Hoya tätig ist und dort in der Berufsbildenden Schule in Syke die Sprachlernklassen begleitet, Fallbeispiele von Flüchtlingen vor. Wie beispielsweise Johannes aus Eritrea, der seit anderthalb Jahren in Deutschland ist, inzwischen sehr gut Deutsch spricht und gerne Mechatroniker werden möchte. Oder Mohamed aus Afghanistan, der nach anderthalb Jahren in Deutschland immer noch schwer traumatisiert ist.

„Parallel dazu“, so Winkler weiter, „sind natürlich die Kommunen, Verbände, die professionellen Strukturen alle dabei um zu schauen, wie sie die Arbeit ergänzen können.“ Erste Fragen seien immer: Wie geht es vor Ort? In der Nachbarschaft? Wie reagiert die Kirchengemeinde? Wer wohnt nebenan? „Das sind die Dinge, wo wir in erster Linie die Ehrenamtlichen brauchen. Es gibt ganz viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, die sich in Netzwerken zusammentun“, freute sich die Diakonie-Geschäftsführerin. Im Landkreis Diepholz, wo man momentan 2600 Flüchtlinge habe, „1800 werden noch bis Ende April kommen“, gebe es an vielen Stellen Kooperationspartner wie die Malteser, das DRK, Caritas oder VHS. Wichtigste Themen seien die Sprache lernen und Arbeit finden.

„Es gibt aber auch Stolpersteine, so Sarah Lübker, die unter anderem Kultur und Religion, die Erwartungen an Deutschland oder zu wenig Plätze in Schulen und Kitas aufzählte. Die gebürtige Brockumerin war es auch, die anschließend mit einigen Flüchtlingen Interviews führte. Aus diesen wurde die große Dankbarkeit gegenüber denjenigen spürbar, die ihnen helfen.

Da ist zum Beispiel das Lemförder Familienzentrum, das mit der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ die Flüchtlingshilfe koordiniert. Verschiedene Kurse wie Deutsch mit Baby, die Rechtsberatung oder der Männertreff jeden Donnerstagabend seien inzwischen von Ehrenamtlichen ins Leben gerufen worden, verdeutlichte Geschäftsführerin Ivonne Hafer. Aber: „Wir freuen uns über jede helfende Hand und jeden Euro.“ Jutta Münster gab Einblick in das Café International im Schäperhaus, das alle 14 Tage samstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet ist. Nächste Termine: 12. und 26. März. Gisela Brune stellte die Lebensmittelausgabe der drei Dümmer-Kirchengemeinden in Lemförde näher vor, wo auch ehrenamtliche Mithelfende gesucht werden. „Wenn jeder von uns etwas tut, dann wird es rund“, unterstrich abschließend Marlis Winkler.

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