„Heroes for one day“ an der Von-Sanden-Oberschule

Junge Helden wieder unterwegs

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Sergio Kelinski (l.) und Nick Warkentin arbeiteten als „Helden“ in der Küche der ATV-Seniorenresidenz in Lemförde.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Gespenstisch still und verlassen wirkten kurz vor den Sommerferien das Schulgebäude und der Schulhof der Lemförder Von-Sanden-Oberschule. Nur wenige Schüler hatten Unterricht oder räumten die Kunst-, Werk-, Musik- und Geräteräume sowie diverse Schränke auf. Dafür waren 134 Kinder und Jugendliche als „Heroes for one day“ unterwegs.

Die Idee für dieses „Helden-Projekt“ hatten im vorletzten Schuljahr die Neuntklässler Theresa und Jannik, die bei Schulleiter Marc Greve sofort auf offene Ohren stießen. Schulsozialpädagogin Marion Graf von Fuchs Konzepte setzte es auch in diesem Jahr wieder organisatorisch um. Dafür suchten sich die Fünft- bis Neuntklässler Arbeitsplätze in Betrieben oder bei Privatpersonen wie in Stemwede, Brockum, Diepholz, Lemförde, Lembruch, Hüde, Bad Essen, Wagenfeld, Rehden, Ostercappeln, Bohmte und Osnabrück. Der Betrieb oder die Privatperson spendete dann einen kleinen Betrag.

Das Spektrum für die Schülerinnen und Schüler war auch diesmal wieder riesengroß. Einige von ihnen haben wir besucht. In der Küche der ATV Seniorenresidenz Lemförde agiert die Genuss & Harmonie Gastronomie. Mit viel Liebe hatte hier Sergio Kelinski Pfannkuchenteig zubereitet; die Pfannkuchen durfte er später auch braten. Nick Warkentin hatte bereits Pudding vorbereitet und war nun dabei, Kuchen zu backen. Emsig fettete er gerade die Backformen ein. Beide Jungs können sich durchaus vorstellen, später in diesem Bereich zu arbeiten.

„Letztes Jahr habe ich auch schon die Bücher sortiert, was ich jetzt fortsetze“, erklärte Leonie Goetz, die erneut beim Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lemförde im Einsatz war. „Leonie soll den Autor, den Titel und das Erscheinungsjahr erfassen und die Bücher anschließend alphabetisch sortieren“, erläuterte Koordinatorin Silke Hülsmann die Aufgabe der Schülerin. „Dafür haben wir leider keine Zeit, da wir immer im Dienst sind; trotzdem braucht man viel Literatur“, betonte Hülsmann, die zugleich signalisierte, dass man diese Literatur zu Themen wie Tod, Sterben, Trauer ausleihen kann.

In der Lemförder Gärtnerei Barthel widmete sich der Fünftklässler Ahmad Alqadi an diesem Morgen intensiv dem Unkraut, kratzte Fugen aus, schnitt aber auch Sträucher zurück. „Mohammet (Alqadi) unterstützt unsere Mitarbeiter bei Routinearbeiten. Das heißt, er sortierte Ware mit ein, die gekommen war. Gerade macht er etwas Regalpflege und schaut sich verschiedene Produkte an“, veranschaulichte Dietmar Emshoff bei der Firma Grotemeier in Lemförde die Tätigkeiten des Schülers aus der Sprachlernklasse. Von denen engagierten sich einige mehr mit Feuereifer für das Projekt, denn gerade sie kennen Not.

Isabell Mesloh war schon des Öfteren im Brockumer Kindergarten, dem Spielkreis „Lütke Lüe“ im Einsatz. Hier absolvierte die Neuntklässlerin auch ihr zweiwöchiges Praktikum. Was lag da näher, sich als „Heldin“ dort zu engagieren, um mit den Kleinen zu spielen und zu basteln. Bislang favorisiert Isabell auch den Beruf der Erzieherin. Bei der Brockumerin Cornelia Witte widmete sich Luis Spilver mit viel Herzblut der Gartenarbeit, wie harken oder Rosen schneiden. „Wir werden für das Spalierobst noch ein Gerüst bauen“, sagte Cornelia Witte mit leuchtenden Augen. Da Arbeiten bekanntlich hungrig macht, durfte sich Luis ein tolles Mittagessen wünschen: Schnitzel, Gemüse und Kartoffeltaschen.

Alles in allem kam auch in diesem Jahr die stolze Summe von 4047,49 Euro zusammen. Jeder gab im Schulsekretariat die erarbeitete Spende ab und bekam dafür ein kleines Präsent überreicht. Dort konnten die Schüler zudem einen Tipp abgeben, wie viel Geld wohl zusammen kommen würde. Wer die Summe genau traf oder am nächsten dran lag durfte sich inzwischen über ein Überraschungspaket freuen, das der Förderverein stiftete.

„Mit diesem Betrag können wieder etwa ein Jahr lang drei Waisenhäuser in Sierra Leone mit dem Nötigsten versorgt werden“, stellte Marion Graf heraus, die begeistert ergänzte: „Schon im vergangenen Schuljahr haben die Schüler mit großer Freude gesehen, was aus ihrem erarbeiteten Geld geworden ist.“

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