Jacques Brel ist den Besuchern im Lemförder Rittersaal ganz nah

Stimmgewaltig, dynamisch

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Gewohnt stimmgewaltig, dynamisch, zeitweise voller Pathos und mit seinem französischen Timbre wurde Jean-Claude Séférian zu Jacques Brel.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Für zwei Stunden war der unvergessene Jacques Brel den Besuchern im Lemförder Rittersaal am Mittwochabend ganz nah. Jean-Claude Séférian war auf Einladung des KulturBunts nach Lemförde gekommen und zeichnete dort das Leben eines der populärsten und viel beachteten französischen Chansoniers seiner Zeit nach. Mit seiner markanten und typisch rauen Stimme sang der Wahl-Münsteraner etliche Chansons, die Brel so berühmt machten.

„Ich freue mich, dass trotz des Wetters und trotz der leichten Kultur-Müdigkeit im Januar so viele hier erschienen sind“, zeigte sich Juliane Theinert vom KulturBunt während ihrer Begrüßung über die rund 60 Besucher begeistert. Weiter sagte sie verheißungsvoll: „Christiane und Jean-Claude Séférian werden uns heute durch eine Jacques Brel-Revue führen. Wenn man dabei die Augen zumacht, meint man wirklich Jacques Brel zu hören.“

„Vor einigen Jahren habe ich ein Konzert beim Schleswig Holsteiner Musikfestival gegeben. Danach kam eine Frau auf mich zu und sagte mir: Monsieur Jacques Brel, Sie waren ja so fantastisch“, erzählte Jean-Claude Séférian zum Programmauftakt. Er habe darauf geantwortet: „Madame, es ist eine Ehre für mich, dass Sie mich für Jacques Brel halten.“ Er sei jedoch viel zu jung für Jacques Brel, der schon lange tot sei. Aber: „Heute Abend werde ich für Sie Jacques Brel sein – oder ‚Jacky‘“, kündigte der Chansonnier den ersten Song an, der kongenial von seiner Ehefrau Christiane am Flügel begleitet wurde.

„Ich wurde 1929 in Brüssel geboren. Ich weiß nicht, ob Sie wissen was es heißt, ein Belgier zu sein? Man fühlt sich wie niemand – wie nichts. Es gibt ja sogar Leute, die nicht mal wissen, wo Belgien liegt. Einige sagen sogar, Belgien würde in der Schweiz liegen. Ich jedenfalls liebe dieses flache Land, wo die Kathedralen die einzigen Berge sind, wo der Himmel so tief hängt, dass die Kanäle darin eintauchen“, erzählte Brel alias Séférian. Mit „Bruxelles“ besang er an dieser Stelle Brüssel, das im Traum liegt und wo auf dem Pflaster des Place Sainte-Catherine die Männer mit Frau’n in Spitzen tanzen.

Im Verlauf des Abends nahm Séférian das Publikum mit durch das Leben des exzentrischen Flamen, zeichnete die Stationen einer turbulenten und außergewöhnlichen Karriere eindrucksvoll nach. Biographisches sowie Übersetzungen von Liedpassagen wurden von ihm als Monologe eines imaginären Brels inszeniert, der sozialkritische, melancholische Chansons für Gleichheit und Aufrichtigkeit sang. Zu seinen bekanntesten Stücken, in denen er auch die Melancholie, die Liebe und die Freundschaft besang, zählen „Les Bourgeois“ (Spießer), „Amsterdam“ und „Ne me quitte pas“ (Nein, verlass mich nicht), die natürlich nicht im Programm fehlten. Christiane Séférian, die eine exzellente Pianistin ist, begleitete ihren Ehemann mal verhalten, mal mit perlendem Anschlag oder voller Leidenschaft, sodass man annehmen konnte, dass über die schwarz-weißen Tasten mehr als zehn Finger ‚flogen‘

Gewohnt stimmgewaltig, dynamisch, zeitweise voller Pathos und mit seinem französischen Timbre gelang es Jean-Claude Séférian sowohl die tragischen, als auch humoristischen Seiten jenes Mannes zu beleuchten, der immer noch als unerreichbarer Stern des französischen Chansons gilt. Jacques Brel starb am 9. Oktober 1978 an Lungenkrebs in Bobigny bei Paris. Beigesetzt wurde er auf der Insel Hiva Oa in Französisch-Polynesien. „Askoy Blues“ war der Name des Schiffes, mit dem Brel zum Schluss unterwegs war. Séférian, den das begeisterte Auditorium ohne zwei Zugaben nicht gehen ließ, hat unter dem gleichnamigen Titel seine ganz persönliche Hommage an den großen Chansoniers kreiert.

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