„Interessanter und spannender als fernsehen“

Gisela und Wolfgang Egbert verfolgen Brut und Aufzucht von Jungstörchen am Bildschirm 

Spannender als fernsehen: Gisela und Wolfgang Egbert genießen es, den Störchen zuzuschauen und die Entwicklung der Jungtiere zu verfolgen. Fritz und Frieda haben fünf Küken ausgebrütet und versorgen ihren Nachwuchs liebevoll. - Foto: Benker

Lembruch - Von Horst Benker. Jetzt heißt es Daumen drücken für den Nachwuchs von Fritz und Frieda. Fritz und Frieda sind das Storchenpaar, das zum zweiten Mal den Horst auf dem Grundstück der Familie Egbert in Lembruch bezogen hat und seit etwa zwölf Tagen stolze Eltern von fünf Jungstörchen sind.

Inzwischen sind aus den ursprünglich nackten Küken kleine graue „Daunenbälle“ geworden, bei den drei Erstgeborenen bilden sich die ersten Federn an den Flügelspitzen.

Das alles beobachten Gisela und Wolfgang Egbert auf einem Bildschirm in ihrem Gartenhäuschen. Sie haben eine Kamera an dem Horst installiert, über die sie am Geschehen im Nest teilhaben.

„Das ist interessanter und spannender als fernsehen“, schmunzelt Gisela Egbert. Sorgen bereitet ihr und ihrem Mann das kleinste Küken im Nest. Es ist etwa vier Tage jünger als die größeren und droht bei der Fütterung durch die Alttiere „untergebuttert“ zu werden.

Vor vier Jahren haben die Egberts den Horst auf ihrem Grundstück aufgestellt, unweit ihres Wohnhauses. „Gleich im ersten Jahr war ein Storch da“, erinnert sich Hausherr Wolfgang. Im zweiten Jahr brütete ein Paar drei Junge aus. Diese fielen seinerzeit allerdings einem Unwetter zum Opfer. Wolfgang Egbert beschloss in dem Jahr, eine Kamera zu installieren. So konnten er und seine Frau beobachten, wie ein neues Storchenpaar im Jahr darauf vier Eier ausbrütete. Von den vier Jungen wurden drei groß. Das Ehepaar nannte die beringten Altstörche von nun an Fritz und Frieda.

Paar wechselt sich beim Beschützen ab

Die Freude über deren Rückkehr am 10. und 11. März dieses Jahres war groß. Wolfgang Egbert, passionierter Jäger, macht sich regelmäßig Notizen auf einem Kalender. Am 29. März legte Frieda ihr erstes Ei, vier weitere folgten. Ein Gelege der Weißstörche besteht aus drei bis fünf Eiern. Dass auch fünf Küken schlüpfen und zudem flügge werden, ist eher die Ausnahme.

„Unsere beiden müssen nach dem dritten Ei mit dem Brutgeschäft begonnen haben, denn die ersten Küken sind gleichzeitig geschlüpft und somit gleich groß“, zeigt Wolfgang Egbert auf die Kleinen im Nest. Diese werden derweil gerade von einem Altvogel gefüttert.

Beim Beschützen der Jungvögel wechselt sich das Paar ab. „Gegen 9 Uhr morgens kommt ein Altvogel von der Futtersuche zurück. Ein weiterer Wechsel erfolgt gegen Mittag und dann noch einer am Nachmittag“, weiß Egbert von seinen Beobachtungen. Die Altvögel sind zugleich Schattenspender und Beschützer vor Nässe und Raubvögeln.

Schlüpfen dauert 24 Stunden 

Im Normalfall dauert das Schlüpfen circa 24 Stunden. Nach dem Schlüpfen sind die Küken höchstens 80 Gramm schwer. Beide Elternstörche tragen das Futter im Kropf, zum Horst und würgen es dort wieder aus. Das Auftauchen der Altstörche bewirkt bei den Jungen ein Betteln nach Futter.

Bis etwa zur fünften Woche ist immer ein Erwachsener am Nest und hält Wache. Ab dem 14. Tag wird Kot selbstständig von den Küken aus dem Nest gespritzt, um es sauber zu halten. „Das sieht immer interessant aus, wenn sie es noch nicht ganz schaffen“, lacht Gisela Egbert. Im Alter von gut drei Wochen können die Jungstörche kurzzeitig stehen. „Davor hocken oder kauern sie nur im Nest“, erläutert Wolfgang Egbert. Ausdauernd stehen können sie erst mit sechs, sieben Wochen. Dann haben sie in etwa die Größe ihrer Eltern erreicht. Mit circa neun Wochen werden die Jungen flügge, im Alter von drei Monaten sind sie unabhängig.

Wenn die Störche im Herbst den Horst verlassen haben, macht sich Wolfgang Egbert daran, das Nest wieder zu säubern. Aus dem Kot habe sich eine richtig feste Schicht gebildet. „Die ist irgendwann so hart und wasserundurchlässig, dass die Jungen im Nest ertrinken können“, weiß der passionierte Jäger.

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