Lembrucher Dümmer-Museum

Sonderausstellung gibt interessanten Einblick in Lebenswelt der Häuslinge

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Bis zum 6. Mai präsentiert Museumsleiterin Sabine Hacke mit ihrem Team die Sonderausstellung „Häuslingswesen im heutigen Landkreis Diepholz vom 17. Jahrhundert bis in die 1960er-Jahre“ im Dümmer-Museum.  

Lembruch - Von Christa Bechtel. Der Kreisheimatbund Diepholz hatte mit seinen Partnervereinen ein zweijähriges Forschungsprojekt zum Thema Häuslingswesen ins Leben gerufen und dafür das Kreismuseum Syke gewonnen. Als Ergebnis daraus entstand die Wanderausstellung „Häuslingswesen im heutigen Landkreis Diepholz vom 17. Jahrhundert bis in die 1960er-Jahre“. Derzeit macht sie Station im Dümmer-Museum in Lembruch.

„Die Sonderausstellung ist zweigeteilt, da sich sowohl im Obergeschoss, als auch im Anbau Exponate befinden. In der ersten Etage findet man zudem Texte, Forschungsergebnisse und Schlagthemen, die zum Häuslingswesen gehören“, erläuterte Museumsleiterin Sabine Hacke, sobald die Ausstellung mit 45 Exemplaren, überwiegend aus dem Südkreis, stand.

Der Häusling war ein Landarbeiter, der weder Haus noch Ackerland besaß. Er bekam beides gegen Abgaben und eine Arbeitsleistung vom Bauern zur Verfügung gestellt. Diese Form des Landarbeiters wurde in den hannoverschen Grafschaften Hoya und Diepholz Häusling, plattdeutsch Hüsling genannt. In den Regionen um Osnabrück und Oldenburg war der Begriff Heuerling, plattdeutsch Hürling, gebräuchlich. Das Häuslingswesen, das es in allen Regionen des heutigen Landkreises Diepholz gab, entstand, weil im ausgehenden 16. Jahrhundert im norddeutschen Raum das Kulturland weitestgehend unter den Bauern verteilt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Häuslingswesen mit dem Einsetzen des Wirtschaftswunders seinem Ende entgegen. Spätestens seit den 1960er-Jahren gab es keine Häuslinge mehr.

Gleich im Eingangsbereich des Dümmer-Museums finden Besucher eine alte Ansicht von Lembruch – ein Häuslingshaus von 1631. „Weil es die auch sehr viel bei uns in der Gegend gegeben hat“, betont Sabine Hacke. Weitere Beispiele sind Häuser aus Twistringen, Barnstorf oder Lemförde. Aus den einzelnen Orten werden auch Geschichten von Menschen erzählt. „Die Betroffenen kommen selbst zu Wort, sodass man sich in diese Lebenswelten einfühlen kann“, erläutert die Museumsleiterin.

Ein Häuslingshaus aus dem Jahr 1631 in Lembruch, fotografiert 1943/44.

Detailliert werden im Obergeschoss des Museums einzelne Themen beleuchtet, wie die Entwicklung des Häuslingswesens im heutigen Landkreis Diepholz, das Verhältnis zwischen Bauern und Häuslingen, Zwietracht in der Dorfgemeinschaft, Pflichtarbeit bis Wertschätzung oder die Häuslinge und ihr Nebenerwerb. Hier wird eine Vielfalt von Tätigkeiten – auch für die Frauen – vorgestellt von Tagelohn bis Heimgewerbe.

Aber auch Flüchtlinge und Vertriebene kamen in Häuslingshäusern unter. In den Sommermonaten gingen die Menschen nach Holland, um dort Gras zu mähen oder Torf zu stechen. Daher lautet eine Überschrift „Von Torfgräbern und Grasmähern“. „Die Diepholzer haben, wenn sie im Sommer nach Holland gingen, um Gras zu mähen, die Federn von der Diepholzer Gans mitgenommen und sie dort verkauft, weil sie da gute Preise erzielten“, geht Sabine Hacke auf die Wanderarbeiter ein. „Die Häuslingshäuser haben immer auch für Armut gestanden; viele sind verschwunden. Doch seit den 1970er-Jahren hat es eine Renaissance gegeben, sodass es heute wunderschön restaurierte Häuslingshäuser gibt. Die sind in der Regel nicht so groß wie ein Bauernhaus.“

Bis zum 6. Mai kann diese interessante Ausstellung dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr im Dümmer-Museum besucht werden. Sie ist auch am Karfreitag, Karsamstag sowie Ostersonntag und -montag zu sehen. Zu der Ausstellung ist ein umfangreiches, reich bebildertes Buch von Ralf Weber erhältlich, das im Dümmer-Museum für 26 Euro erworben werden kann.

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