Flüchtlinge und „OLE“-Mitarbeiter in Aktion

Trio-Sonntag in Brockum: Integration trägt Früchte

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Auf gelben Plakaten zeigen die Jugendlichen, was sie besonders mit Deutschland in Verbindung bringen. Die Flaggen auf dem Altar stehen für deren Herkunftsländer.

Brockum - Vorab: Das Thema „Quernheimer- und Lemförder Hoffnungsgeschichten in Brockum hätte mehr Interessierte verdient gehabt. Und auch vorab: Die Inklusion der fünf jungen Männer und einem Mädchen, um die es am Sonntagvormittag in Brockum zum Trio-Sonntag ging, ist gelungen.

„Wir sind aus Überzeugung für die jungen Menschen aus fremden Ländern“, stieg Dirk Feldkötter vom Verein „OLE“ (Orientierung Leben Entwicklung) in seine Berichterstattung von den ersten Schritten auf dem Weg der Inklusion bis jetzt ein. „Unsere Erfahrungen decken sich nicht mit denen von Kollegen aus anderen Jugendhilfeangeboten.“

Tatsächlich wies die konkrete Berichterstattung von Feldkötter und seiner Kollegin Elsa Prinz-Wiese den Schwerpunkt „Hoffnung“ für die Jugendlichen aus. Am Sonntag waren in der Brockumer Kirche sechs Jugendliche bis 18 Jahre, die unter die Gesetzgebung in der Jugendhilfe fallen: Alberto, Amen, Sefora, Abdulrahman, Aldon und Mahmoud. Sie kommen aus Syrien, Albanien, Afghanistan, dem Sudan und Eritrea. Viele Länderflaggen schmückten den Altarraum in Brockum und Pastor Eckhart Schätzel fragt in die Runde: „Gab es das schon einmal, so eine Farbigkeit in der Kirche?“ Die Farbigkeit, definiert als akzeptierte Andersartigkeit, zieht sich durch die Erläuterungen von Feldkötter, Prinz-Wiese und die gemalten Plakate der unbegleiteten minderjährigen Ausländer („Umas“).

„Mit den gelben Plakaten sind wir ein riesiges Stück weiter“

Diese hatten sich mit Prinz-Wiese in der Vorbereitung überlegt, dass sie bei Punkt Null mit schwarzen Plakaten und Stichworten wie „Allein“, „Angst“, „Tod“, „Gewalt“ anfangen und den Trio-Sonntag-Gästen entgegengehalten. Das war plakativer und einfacher als in der Fremdsprache Deutsch zu erläutern, obwohl die jungen Menschen schon gut Deutsch sprechen.

„Mit den gelben Plakaten sind wir ein riesiges Stück weiter“, erklärt Prinz-Wiese die positive Stimmung. Der Reigen startet mit dem Wort „Hoffnung“, gefolgt von „Deutsch lernen“, „Wohnen“, „Zuhören“, „Ruhe“, „Regeln verstehen“, „Freunde finden“ bis „Lemförde gleich Sicherheit gleich ,Geht klar‘“. „In der Jugendsprache bedeutet das „,super, super gut‘“, übersetzte Prinz-Wiese.

„Viele wollen Arzt und Pilot werden. Diese Wünsche werden im Prozess der Inklusion begradigt“, erklärt Fachmann Feldkötter. Er erläuterte, mit welchen Herausforderungen die Jugendhilfe mit dem Run der „Umas“ seit 2015 konfrontiert war, stellte den Fragenkatalog vor, den die Einrichtung „OLE“ erarbeitete: Wollen und können wir das leisten? Was bedeutet das für die Samtgemeinde? Wie gehen wir mit Traumata um? Wie sieht der praktische Alltag für die „Umas“ aus?, waren nur einige der Fragen.

Unterricht vom ersten Tag an

„Wir entschlossen uns im Team für das Tun. Die Jugendlichen, die bis auf 60 anstiegen und sich bei 20 bis 30 einpendelten, erhielten keine Schonfrist.“ Dass bedeutet, dass sie vom ersten Tag an Deutsch lernten, in die Schule gingen oder ein Praktikum machten. Was Feldkötter aus Sicht der Jugendhilfe wichtig war: „Die jungen Menschen sollten uns nicht mit Dankbarkeit gegenübertreten, denn sie haben Rechte.“

Trotz aller Definition stand in großen schwarzen Lettern „Danke“ auf einem der Plakate. „Unser Kontakt zu den Schulen wurde immer besser, der Landkreis Diepholz wurde mit den Fachbehörden zur Börse der Ideen.“ Er lobte die Offenheit aller beteiligten Behörden, auch wenn derzeit ein Rückzug vonseiten des Landkreises zu sehen sei. „Die Jugendlichen fordern sogar Nachschläge in Deutsch und Mathematik, sie wollen lernen, damit ein Leben mit Beruf, Wohnung und Familie für sie in Deutschland möglich wird“, sagt Prinz-Wiese. Wie die Integration Früchte trägt, beschrieb die Referentin: „Eigentlich wollten noch zehn weitere junge Leute kommen, aber sie spielen Fußball, sind eingeladen oder im Gottesdienst in Osnabrück.“

Drei „Garanten für Stabilität“

Aldon aus Albanien macht ein Praktikum bei der Firma Poly Plast in Marl, Alberto ein Praktikum bei Edeka und Sefora eins beim Bäcker. „Beruf, Freunde und Wohnung sind die Garanten für Stabilität“, erklärt Prinz-Wiese. „Und denken sie daran, die Jugendlichen brauchen ihr Handy, das ist das wichtigste Band nach Hause, wenn noch eins da ist“, so Feldkötter.

Quernheims Bürgermeister Diethelm Schmidt berichtete zur Wohngruppe der „Umas“ in seiner Gemeinde. „Anfangs vernahm ich Skepsis aus der Bevölkerung, dieser folgte Ruhe, und das ist gut, dann ist alles in Ordnung, wenn man nichts hört.“ Lemfördes Fleckensbürgermeisterin Stephanie Budke-Stambusch resümierte in Doppelfunktion auch als Deutschlehrerin: „Ihr habt Lemförde bunter gemacht.“ Kritische Punkte sahen die Jugendhelfer ab der Altersgrenze von 18 Jahren: „Dann sind sie auf sich gestellt.“ Und zum Thema Kultur-Missverständnisse: „Da hilft nur miteinander reden und einander verstehen.“

Die Besucher nahmen am Sonntag nicht nur interessante Lebensgeschichten mit nach Hause, sie bekamen auch blaue Freundschaftsbänder geschenkt. Darauf war ein Mut machendes Wort zu lesen: „Hoffnung“.

sbb

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