Infoveranstaltung des Landvolks

„Diskussionen müssen sachlich geführt werden“

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Landvolkvorsitzender Theo Runge (hinten am Rednerpult) fordert zu sachlicher Diskussion bezüglich der Probleme in und mit der Landwirtschaft auf.

Sulingen/Brockum - Von Simone Brauns-Bömermann. Das Landvolk Diepholz geht mit dem Start der Reihe der Informationsnachmittage eindeutig auf Erneuerung und Mediationskurs. Das zeigte die Auftaktveranstaltung in Brockum am Mittwoch. Schon der Blick in die Agenda verriet, wie viel derzeit in der Landwirtschaft im Umbruch, in der Neuregelung und Diskussion ist und die Landwirte massiv im Fokus der Gesellschaft sind.

„Das ich einmal hier stehe und die Mitglieder darum bitte, in den Dialog mit den Naturschützern zu treten, hätte ich nie geglaubt“, so Vorsitzender Theo Runge nach seiner Jahreseinschätzung zur Situation der hiesigen Landwirtschaft.

Was er damit meinte, war der Kern der neuen Kampagne „Echt Grün – Eure Landwirte“, die darum wirbt, die Landwirte endlich als bewusste Bauern mit Blick auf die Ressource Boden, mit fachlich guter Praxis und Ausbildung und Verantwortung für die Familie und nächste Generation Landwirte zu sehen. Die Kampagne sei wichtig, die Menschen und Lebensmodelle, die dahinterstehen, zu verstehen. Sie basiert auf dem Kern: Gemeinsam Lösungen finden und umsetzen. Die Diskussion über die Landwirtschaft, die Versorgung und Ernährung in Deutschland müsse dringend auf eine sachliche und auf Zahlen fundierte Füße gestellt werden. „Die Kampagne sucht den Dialog zwischen uns als Erzeugern und den Konsumenten“, Runges Fazit.

In ihr fordern die Bauern eine sachliche Diskussion und würden ihre Verantwortung tragen. Theo Runge appellierte an die Berufskollegen die Themen Randstreifen und Düngung ernst zu nehmen: „Wir können mit gutem Beispiel vorangehen und vom Graben mehr Abstand halten beim Düngen, unabhängig wie die jeweilige Landesregierung das gerade regelt.“ Er rief zu Selbstkritik und Weitsicht auf. „Dann bieten wir nach außen nicht so viel Angriffsfläche“.

Er befürwortete den Runden Tisch „Nährstoffe und Grundwasserschutz“ unter der Federführung der Landwirtschaftskammer mit dem Landkreis. Zur neuen Düngeverordnung sprach der Vorsitzende aus eigener Erfahrung: „Ich war für meinen Betrieb bei der Beratung. Es ging flott und ich glaube, es ist nicht negativ für den Betrieb.“ Er gab der bedarfsgerechten Düngung mit einer vorgeschalteten und frühzeitigen rechtssicheren Beratung sein Votum. Hierzu hatte das Landvolk als Berater Volker Cordes eingestellt.

Für und Wider abgewogen

Runge versuchte in allen von ihm angesprochenen Punkten das Für und Wider abzuwägen. Wie bei der Schweinepestgefahr, die der gesamten Schweinebranche den Hals kosten kann, gekoppelt mit Dank an die Jägerschaft. Oder beim Thema Glyphosat, das wenig Anlass für Optimismus bereite. „Ja, es ist ein Totalherbizid, das alle Pflanzen absterben lässt. Das aber benutzt wird, um den Boden zu schonen vor zu vielem Pflügen.“ Er bat Nichtlandwirte weniger Spritzmittel im heimischen Garten zu benutzen und dem Rasenmäher mal eine Pause zu gönnen. Er kritisierte: „Die Botschaft der Angst lässt sich tausendmal besser transportieren als komplexe Fakten.“

Mit ihm kamen die Probleme der Landwirte auf ein gesamtgesellschaftliches Tablett. Sein Beispiel des geachteten Arztes und Bauern griff: „Der Bauer und der Arzt sind grundsätzlich geachtet. Aber wehe, dem Arzt passiert ein Fehler oder der Bauer fährt mit der Spritze oder dem Güllefass durchs Dorf.“ Mit der Kampagne „Echt Grün“ werben acht Landvolkverbände mit 28 000 Mitgliedern um Akzeptanz und wollen raus aus dem medialen Spießrutenlauf, der sie als Brunnenvergifter und Umweltsünder einordnet.

Er informierte über das Projekt Mediate, das sich mit der Akzeptanz von ökologischen Maßnahmen beschäftigt. Ein weiteres heißt F.R.A.N.Z., ein Dialog- und Demonstrationsprojekt, das in Kooperation von Naturschützern und Landwirten effiziente Naturschutzmaßnahmen und Bewirtschaftungskonzepte entwickele. Runges Empfehlung: „Springt über Euren Schatten, sprecht mit dem naturaffinen Nachbarn, denn Umweltschutz ist die Sache aller. Wir können das.“

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