Han's Klaffl macht im Amtshof in Lemförde die Schule sympathisch

„Ich schreibe nur mit“

Han's Klaffl mischte sich im vollbesetzten Rittersaal des Amtshofes in Lemförde unter sein Publikum. - Foto: Brauns-Bömermann

Lemförde - Von Simone Brauns-Bömermann. Abitur in 3 Minuten 15? Das ist möglich mit dem „Abitur-Albtraumlied“. Zumindest wenn es um die Stoffdichte geht. In bester Eminem Rap-Qualität, Geschwindigkeit mit Song-Wortakrobatik eines Billy Joel à la „We didn´t start the fire“ und mit Sinn von Pink Floyds „Another brick in the wall“ trat Han´s Klaffl an.

Der Rittersaal in Lemförde platze am Sonntagabend aus allen Nähten. Sie kamen: Lehrer, die ihre Profession besser verstehen wollten, Schüler, Eltern und am Erziehungswesen Beteiligte. Han´s Klaffl gilt als Papst der Lehrerberuf-Erklärer. Mit seinem Programm: „Restlaufzeit – Unterrichten bis der Denkmalschutz kommt!“ gastierte der pensionierte Lehrer in Lemförde. „Ich komme aus Vechta. Wir aus Damme, wir aus Osnabrück“ hieß es aus dem Publikum. 140 Besucher zählte es, sie hatten den Auftritt nicht geschwänzt. Es folgte Realsatire mit Sprache, am Klavier und Kontrabass.

„Wie fallen ihnen diese absurden Geschichten über die Schule ein?“ fragten viele. „Mir fällt gar nichts ein. Ich schreibe nur mit“, die Antwort des Kabarettisten. Der Höhepunkt seiner Rollentauschaktionen vom Lehrerkollegium zu Schülern bis zu Hausmeister Grantinger, wird Klaffls „Abitur-Albtraumlied“.

Klaffl, der mit leidenschaftlicher Mentalität zu seinem Traumberuf Lehrer steht, die Grenzen der intellektuellen Kapazität der Schüler und die didaktischen Defizite der Lehrerkörper im Frontalunterricht „einpaukt“, ist selbst reflektierend und erntet von einem Kollegen in der Pause: „Das stimmt alles was er sagt, aufs Wort. Was ich nicht als Lehrer erlebt habe, habe ich als Schüler genau so erfahren.“

Am Ende seines Schulerklär-Kabaretts steht die Frage nicht nur für Schüler: „To be or not to be?“ Bis dahin, als sich tatsächlich ein Schüler von Klaffl gemimt, für den Beruf des Lehrers entscheidet, erklärt er die Methoden, wie an Schulen gearbeitet wird: Trial und Error, „gern auch in den Kultusministerien angewandt“, die kulturellen Veranstaltungen wie Wandertag, Personalausflüge, Feueralarme. Wenn Chemielehrer und Hausmeister überschäumen und den Feueralarm authentischer gestalten, die Zeugnislyrikphase ansteht und Eltern ohne Nachhilfe lernen, die Kopfnoten zu interpretieren.

Liebevoll nimmt er die Grundschulkollegen aufs Korn: „Woran erkennt man sie?“ „Am Einlaminieren.“ Die Schüler schätzt er: „Sie sind intellektuelle Messies, es ist alles da, nur wo?“ Seine Kollegen am fiktiven Lukas-Podolski-Gymnasium rangieren vom Lehrer „Gütlich“ bis zu Kollegen mit Restlaufzeit und Rucksack, den schon Luis Trenker getragen haben muss und der Cicero persönlich kannte.

Gerne erinnert Klaffl an den unvorbereiteten Unterricht: „Schau mal, ob der TV-Raum frei ist und leg den Weißen Hai rein“, in Biologie. Er kennt die Medienlandschaft von der aphrodisierenden Matrize, über Overheadfolie bis zur süchtig machenden Power-Point-Präsentation. „Wenn Punkte powervoll über den Bildschirm reinrasen, um das Wort ,Einleitung' zu präsentieren“. Er erlebte in den 1970er Jahren die allgemeine Kopierpflicht bis ins Heute, wenn die überforderten Lehrer von den Schülern ein: „Read the fucking manual“ ernten..

Zum Thema „Quereinsteiger“ hat er seine eigene Theorie: „Wenn Bänker Ethik, katholische Pfarrer Religion und Metzger Bio unterrichten… Hm?“. Er sieht die Chance für Deutschland, im PISA-Ranking besser abzuschneiden: „Platz 19 im Lesen, 12 in den Naturwissenschaften. Stellen Sie sich mal vor, wo wir lägen, wenn wir die Aufgaben in den MINT-Fächern noch lesen könnten?“ Zu Reinhard Mey singt er: „Ich bin Lehrer von Beruf“ und hofft auf Wertschätzung. „Stühle zu zehnt stapeln“, Ansage vom Hausmeister gegen Ende. Das latente Lach-Stören interpretiert er so: „Was ist der Unterschied zwischen Schülern und Kabarett-Publikum?“. Die Antwort offen, eigentlich untypisch für einen Lehrer.

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