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Hüde: Zum 125. Geburtstag des Malers E. A. Klauck - Erinnerungen an ein Genie und einen Trunkenbold

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Von: Simone Brauns-Bömermann

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Mit Zigarette zwischen den Lippen sitzt Erich Adolf Klauck vor einem seiner Bilder.
Mit Zigarette zwischen den Lippen sitzt Erich Adolf Klauck vor einem seiner Bilder (li.). Das Haus des Malers in Hüde war als Zeichen seines Könnens kunstvoll gestaltet. © Privat

Er war ein Könner, keine Frage. Werke des Malers Erich Adolf Klauck schafften es bis zu einem Bundeskanzler und in ein Ministerium, sie landeten aber auch in Saunaöfen. Einige Jahre seines Lebens verbrachte der Mann, der nicht nur Genie, sondern auch Trunkenbold war, in Hüde am Dümmer. Zu seinem 125. Geburtstag erinnern sich Menschen, die seinen Weg kreuzten, an einen außergewöhnlichen Mann.

Hüde – Die Skizze ist handgezeichnet, sie zeigt ein Segelboot vor einer untergehenden Sonne. Ein Dümmer-Motiv. Und Erich Adolf Klauck hat es mit einer Nachricht garniert. „Bist Du müde, geht´s nach Hüde“, schreibt er an eine alte Freundin in Bielefeld zu deren 90. Geburtstag. Omi Menze ist die Adressatin, der Klauck noch viele erholsame Spaziergänge am See empfiehlt. Er selbst hat viele davon unternommen, einen Teil seines Lebens hat der Maler mit den vielen Facetten in Hüde verbracht. Am vergangenen Mittwoch wäre er 125 Jahre alt geworden. Einige seiner Werke sind immer noch in Häusern am Dümmer zu bewundern.

Am Rohrdommelweg in Hüde hatte Klauck ab 1950 gelebt. Sein Haus hatte er kunstvoll bemalt – als weithin sichtbares Zeichen seines Könnens. Es stand Gästen immer offen, viele Feiern waren Ausdruck seiner Lebensfreude.

Dabei ist die Lebensgeschichte des späten Expressionisten eigentlich sehr traurig und gleicht derer anderer großer bekannter Malerpersönlichkeiten. Die, die Kriege aktiv miterlebten und überlebten, vertrieben wurden, den Mut dennoch nicht verloren. Klauck war bekannt als der, der das Lachen liebte und allen Freunden genau dies empfahl. Seine Bilder wurden im Nationalsozialismus als entartet stilisiert und 1945 von sowjetischen Soldaten als Saunaholz verbrannt. Einige seiner Werke befinden sich heute im Besitz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Berlin. Auch der ehemalige Bundeskanzler Ludwig Erhard erwarb einst Klauck-Bilder. Vier Menschen aus der Region am Dümmer, die Klauck in unterschiedlichen Zusammenhängen kennenlernten, erinnern sich an einen – nennen wir ihn mal – außergewöhnlichen Mann.

Mittellos in Freistatt gestorben

Am 24. März 1897 wurde Erich Adolf Klauck in Danzig geboren. Gestorben ist er am 30. Juni 1979 in Freistatt – mittellos. Dazwischen lagen 82 Jahre mit zwei Weltkriegen, aber auch mit viel künstlerischer Energie. 1997, zum 100. Geburtstag, wurden Klaucks Werke im Dümmer-Museum ausgestellt. Das Projekt „Retrospektive über Erich A. Klauck“ von Kim Oliver Lange trägt zum Verständnis des Malers und seines außergewöhnlichen Charakters und Lebensentwurfs bei. Museumsleiterin Sabine Hacke und Kim Oliver Lange organisierten die Ausstellung „Erich A. Klauck - Von Danzig an den Dümmer“ 2011 im Dümmer-Museum. 

Kim Oliver Lange (Osnabrück): „Ich habe rund fünf Jahre in Hüde gewohnt und mich mit dem Künstler im Rahmen meiner Fortbildung zum Fachreferenten für Kulturtourismus und -marketing beschäftigt.“ Lange besitzt vier Werke von Klauck. „Selbst wenn ich keinen Platz gehabt hätte, wollte ich das Erbe dieses auf den ersten Eindruck verkannten Genies bewahren. In seinem Hüder Umfeld wurde der Maler als Raubein, Trunkenbold und Unikum wahrgenommen“, schreibt Lange im Katalog.

Ein Frau mit zwei Kindern betrachtet die Fassadenmalerei am Haus von E. A. Klauck
Die Malerei an der Fassade seines Hauses in Hüde deutet das Können des Malers E. A. Klauck an © Privat

Axel Lustig (Hüde): „Mich hat der Maler Klauck als kleiner Junge gemalt. Da war ich 13 Jahre“, erinnert sich Axel Lustig. „Klauck haben wir über die Tankstelle meines Vaters Manfred kennengelernt. Dort betankte er seinen VW-Variant oder mein Vater fuhr ihn nach Bonn zum Bilderverkauf.“ Im Gespräch sitzt Axel Lustig in seinem Wohnzimmer und schaut auf ein Pferdebild, das der Maler für seine Mutter malte und auf ein berühmtes Werk aus dem Katalog mit dem Titel „Herbstliche Schleppjagd“ von 1961 aus dem Familienbesitz. Lustig archiviert derzeit den Briefwechselnachlass der Familie Menze aus Bielefeld und Hüde mit dem Maler. „Die Briefe sind am Ende traurig, als Klauck im Altenheim in Affinghausen und dann in Freistatt lebte und dort verarmt verstarb.“

Sabine Hacke (Lembruch): Sabine Hacke hütet das Allerheiligste: den Dachboden des Dümmer-Museums, das Archiv. Hier finden sich Bilder der Sammlung von Klauck. Aber auch drei kleine Werke von Erika Klauck, der Ehefrau. Es sind colorierte Holzschnitte großer Qualität: Reethaus, Segelboote und Pferd in Feuchtwiese. „Erika Klauck hielt ihrem Mann den Rücken frei“, beschreibt Hacke die Künstler-Liaison. „So weit ich weiß, liegt Erika Klauck auf dem Friedhof in Burlage begraben, er in Freistatt auf dem Moorfriedhof“. Klaucks Grabstelle dort wurde nie wiederbelegt.

Bruno Matzke (Hüde): Bruno Matzke hält gerade ein Werk von Klauck (Katen auf dem Darß, 1954) in seinem Wohnzimmer an die Wand. Dort soll das Werk einen Platz finden. „Alle kannten ab den frühen 1960er Jahren den Maler Klauck in Hüde“, erinnert er sich. Matzke lernte ihn in seiner Lehrzeit bei Malermeister Ohlendiek in Hüde kennen. „Klauck kaufte dort regelmäßig seine Farben und torkelte auch schon mal nach Hause. Einmal hörte ich, wie sie riefen: ,Der Klauck ist tot’. Aber er schlief nur seinen Rausch aus.“ Matzke betont: „Er blieb nie jemandem etwas schuldig, auch wenn er in Naturalien, sprich Bildern bezahlte.“

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