Evangelische Jugend geht auf der „MS Tropica“ mit 130 Passagieren auf turbulente Kreuzfahrt

Humor und ernste Themen vereint

JJ Kaiser (Eric Schliebe) entschärft die Bombe, die der Bordarzt (Mathis Marten) gelegt hat. Foto: Brauns-Bömermann

Lemförde - Von Simone Brauns-bömermann. Eine Kreuzfahrt mit Greta und Schwerölantrieb, blinde Passagiere, eine Bombe als Antwort auf den Egotripp des Bordarztes und ein drohender Burnout des Animateurs: Das alles packten die 17 Mitglieder der Theatergruppe der Evangelischen Jugend in der Dümmerregion in ihr neues Stück „MS Tropica – Auf zu neuen Ufern“. 130 Passagiere nahmen sie am Samstagabend mit auf ihre fiktive und turbulente Reise. Der Anker wurde im Lemförder Rittersaal gelichtet, das Ziel war der Kongo.

Auf den Stühlen liegen für die Gäste Logbücher mit Informationen über die Reise und die „Crew“ sowie Papiertaschentücher für den Abschiedsgruß bereit. „Die Idee, die Kreuzfahrtthematik als Rahmen zu nehmen, kam beim Brainstorming“, erläutert Kapitän Hansen (Ingo Jaeger) in der Pause. „Erst dachten wir an eine Agentenstory, aber wir haben das Stück dann noch mal umgeschrieben“, ergänzt Regisseurin und Spielerin Jana Reitmeyer. Sie ist an Bord die skrupellose Businessfrau Mrs. Johnson. Ihr Lebensmotto: „Geld ist Macht“. Zum weiteren Kernteam gehören Ira Wirth-Miller, Hauke Henseleit, Mathis Marten und Anne Weghöft. Das Besondere an dem Stück ist, dass jeder Schauspieler seine Rolle und seinen Text zu großen Teile selbst ausgestaltet hat.

Die Bühne im Rittersaal hatten die Techniker Mirco Schön und Dominik Fuchs zu einer schwarzen Guckkastenbühne umgebaut. Auf einer Leinwand daneben werden die Szenen gezeigt, die sich außerhalb des Schiffs abspielten und die das Team zuvor in Osnabrück gefilmt hatte. Die Aufnahmen entstanden unter anderem im Botanischen Garten, der in der Filmsequenz zum kongolesischen Dschungel mutierte.

Um die Kreuzfahrt so authentisch wie möglich zu gestalten, war das Ensemble tief in die Recherche eingestiegen. Von der Ankunft im Hafen über das Kapitäns-Dinner und Krisenmanagement bis zum Abschied – alles schien real.

Das Stück lebt von der Aktualität: Klimadebatte, menschliche Untiefen, Glaubensfragen, Ängste, Stärken- und Schwächen-Analyse. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Für Kapitän Hansen ist es eine besondere Fahrt, seine letzte. Darum soll alles stimmen. Doch die siebentägige Fahrt über Sankt Helena im südlichen Atlantik zum Kongo und zurück, auf der ihn seine Enkelin Greta (Greta Sellig) begleitet, hält einiges an Überraschungen parat. Da ist zum einen der unzuverlässige Bordarzt Herr Frida – ein Prince Charming und Quartalssäufer, Sohn reicher Eltern mit Studium in Ungarn und Menschen-Verachter. Gespielt wird er von Mathis Marten, der in seiner Rolle über sich hinaus wächst. Oder Chefköchin Svetlana Puschkin (Ira Wirth-Miller), deren Wirkungskreis die Kombüse mit allerlei Fischgerichten ist. „Das ist guter Fisch aus dem Dümmer, man kann noch Blaualgen riechen“, lautete einer der unzähligen Zoten des Stückes.

„Hilly“ Kaiser (Nele Raitzig), Witwe eines Marineoffiziers, nimmt mit Enkel JJ (Eric Schliebe) an der Reise teil, um mehr Zeit miteinander zu verbringen. Doch JJ interessiert sich mehr für seine Computerspiele. Ein bisschen Traumschiff-Flair verbreiten Tanja (Anne Weghöft) und Thomas Müller (Johannes Schult). Sie sind an Bord gekommen, um ihre kriselnde Ehe zu retten. Reiseleiter DJ (Hauke Henseleit), Mädchen für alles, hat jede Menge Stress und befürchtet einen Burnout, während Oberkellner Bobby (Leon Schliebe) und Barkeeper Mike (Johann Miller) alles im Griff zu haben scheinen. Gustav Glück (Niklas Diekmeier) ist als Gewinner eines Kreuzworträtsels dabei, und Laura Hage ist als abendliche Sängerin am Piano für die Zerstreuung der Kreuzfahrtgäste zuständig.

Im Kongo gehen zwei weitere Gäste illegal an Bord: Lara XY (Lara Hoppe) und Maryam YX (Maryam Ghadirian). Die beiden Umweltaktivistinnen durchkreuzen das Projekt von Mrs. Johnson, den Regenwald des Kongos abzuholzen, indem sie sie mit Abführmitteln aus dem Verkehr ziehen. „Alle reden von Inklusion, wir leben sie“, sagt Jaeger über Maryam, die erst vor einigen Monaten aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist.

Die Situation auf der „MS Tropica“ spitzt sich zu, als der Bordarzt nach seiner Kündigung durch Kapitän Hansen auf Rache sinnt: Er versteckt eine Bombe an Bord, macht seine Rechnung aber ohne die Passagiere: „Hilly“ sorgt für Ordnung, ihr Enkel entschärft die Bombe dank seines Zocker-Gens.

Nach knapp drei Stunden nimmt die unterhaltsame und spannende Kreuzfahrt viel zu schnell ein Ende. Es war die einzige geplante Aufführung des Theaterstücks, doch es wäre zu wünschen, dass es doch noch einen Nachschlag gibt.

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