Bereits viel erreicht

Naturschutzring Dümmer: Mit viel Idealismus im Einsatz

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Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Naturschutzrings (v.l.) Nina Maurer, Frank Körner, Dorothee Wibbing, Frank Apffelstaedt und Ulrike Marxmeier feiern in diesen Tagen das 25-jährige Bestehen des Vereins.

Hüde - Von Melanie Russ. Ulrike Marxmeier und Frank Körner können sich noch gut an die Anfänge des Naturschutzrings Dümmer und der Naturschutzstation im Ochsenmoor in Hüde vor 25 Jahren erinnern. Es war alles ein bisschen spartanischer als heute, aber auch überschaubarer.

Der Ausgangspunkt für die Installation der Naturschutzstation durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) liegt in den 1980er-Jahren. Angesichts der dramatischen Verschlechterung der Wasserqualität im Dümmer und dem damit verbundenen Verlust vieler Tier- und Pflanzenarten drängten die Naturschutzvereine der Region, allen voran der Nabu, die Landesregierung zum Handeln.

Mitte der 1980er-Jahre brachte die Politik ein Konzept zur Dümmersanierung auf den Weg. Um die Zusammenarbeit mit dem Land zu erleichtern, schlossen sich die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems, der Mellumrat und der Naturschutzbund zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Das war die Geburtsstunde des Naturschutzrings.

Im Frühjahr 1993 bezogen die Naturschützer den vom Land gekauften alten Bauernhof im Ochsenmoor in Hüde und brachten ihn in Schuss. Im September folgte die Unterzeichnung des ersten Kooperationsvertrags. Weil nicht viel Geld da war, war anfangs alles etwas provisorisch. Die Möbel seien aus den Beständen des Landes zusammengesammelt worden, die Heizung habe nicht immer so funktioniert, wie sie sollte, erinnert sich Marxmeier. Aktuell ergänzen Frank Apffelstaedt, Nina Maurer und Dorothee Wibbing das Team, das von einem FÖJler und zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt wird.

Am Anfang war viel Idealismus gefragt

In den ersten Jahren sei viel Idealismus gefragt gewesen, denn die Mitarbeiter der Station seien zunächst ehrenamtlich tätig gewesen. Später stellte das Land hauptamtliche Mitarbeiter ein, die mit zunehmender Erfahrung und besserer Ausrüstung immer professioneller arbeiten konnten. Doch ohne Idealismus geht es auch heute nicht. Denn neben der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen, Tierzählungen und anderen Aufgaben für den NLWKN verfolgt der Naturschutzring eigene Projekte. „Wir versuchen, die Arbeit der drei Mitgliedsverbände fortzuführen“, so Marxmeier. So habe der Mellumrat als erster Verein bereits in den 1950er-Jahren am Dümmer Vögel erfasst. „Das machen wir in seinem Sinne weiter.“

Außerdem bieten die Naturschützer regelmäßig Führungen an, um den Menschen die Vielfalt der Dümmerregion näherzubringen. „Die Umweltbildung ist ein Zuschussgeschäft, aber sie ist uns sehr wichtig“, betont Marxmeier.

Zahlen belegen Besserung am Dümmer

Seit den Anfängen des Naturschutzrings hat sich in der Dümmerregion einiges verändert – vielfach zum Besseren, wie die Zahlen belegen. Der Verein erfasst das ganze Jahr hindurch die Bestände der Rast- und Brutvögel, Amphibien und weiterer gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Planung von Naturschutzmaßnahmen. Im Laufe der Jahre hat der Naturschutzring immer mehr Aufgaben übernommen. Seit etwa zehn Jahren ist die Wiedervernässung in den Hochmooren der Region ein weiterer Schwerpunkt.

Auf organisatorischer Ebene bewerten die Naturschützer zum einen die Gründung des Dümmerbeirats 2011 als großen Schritt. Denn dort kommen Touristiker, Landwirte, Verwaltungen und Naturschützer zusammen, um gemeinsam etwas für die Dümmerregion zu bewirken. Ein weiterer wichtiger Schritt sei 2018 die Einrichtung Ökologischer Stationen in Niedersachsen gewesen, so Apffelstaedt. Eine davon betreut der Naturschutzring. Die Stationen bündeln das Fachwissen verschiedener Akteure vor Ort und dienen als Netzwerk in dem sich die Beteiligten landesweit austauschen und unterstützen.

„Die Wiedervernässung war für das Grünland das A und O“, sagt Marxmeier, befragt nach den wichtigsten Maßnahmen der vergangenen 25 Jahre. Sie habe zu einer größeren Artenvielfalt und einem Anstieg der Tierbestände geführt. Die Zahl der Kiebitze im Ochsenmoor etwa sei von 20 auf mehr als 400 Paare gestiegen, ergänzt Körner. Auch Amphibien und Insekten profitieren von den neuen Feuchtgebieten.

Nährstoffe konnten verringert werden

Auch der Zustand des Dümmers selbst hat sich laut den Naturschützern erheblich verbessert. Als der Naturschutzring seine Arbeit aufgenommen habe, sei der See durch übermäßigen Nährstoffeintrag bereits in einen hypereutrophen Zustand gekippt, erläutert Marxmeier. Der Boden sei mit Faulschlamm bedeckt gewesen, Lebewesen habe es dort nicht mehr gegeben. Dank einer Verringerung der Nährstoffe im Wasser und weiterer Maßnahmen stehe der Dümmer heute wieder an der Grenze zurück zum Klarwassersee.

„Ohne den Schilfpolder wird es aber nicht gehen“, betont Apffelstaedt. „Selbst wenn die Landwirte ordnungsgemäß arbeiten und alle Grenzwerte einhalten, gelangen zu viele Nährstoffe ins Wasser.“ Für die Naturschützer ist darum klar, dass die ökologische Landwirtschaft noch stärker gefördert werden muss. „Wir stecken in Niedersachsen nicht mal in den Kinderschuhen“, bedauert Marxmeier mit Blick auf andere Bundesländer.

Neben vielen Erfolgen gibt es aber auch immer wieder Rückschläge. So ist die Zahl der flügge gewordenen Trauerseeschwalben in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Auch die Blaualgen machen immer wieder Probleme.

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