Im „Haus am See“ weht frischer Wind

„Alternatives Wohnen“ für Senioren

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Anita und Detlef Röbke sind das neue Pächterpaar der Wohn-Residenz Haus am See.

Hüde - Von Simone Brauns-Bömermann. Die Idee ist so einfach wie gut: Das gewohnte Landleben so lange wie möglich (fast) wie gewohnt zu genießen. Mit diesem und einem weiteren Leitspruch tritt das Ehepaar Anita und Detlef Röbke aus Rehburg-Loccum an. Der lautet: „Das Arbeitsleben leben“ und beinhaltet das Wohnen mit Senioren in einer WG unter einem Dach im „Haus am See“ in Hüde.

Einiges hat sich in der Wohn-Residenz verändert: In der als Senioren-Wohngemeinschaft mit einem selbstbestimmten Leben konzipierten Projekt der Altenpflegerin Röbke aus Loccum leben derzeit drei Senioren in Einraum-Appartements mit Bad und privatem Pflegedienst. „Wir können in dem Teil des Ensembles, das wir gemietet haben, insgesamt zwölf Senioren aufnehmen“, berichtet Röbke.

Die Senioren können die gemeinsamen Mehrzweckräume nutzen, außerdem besitzt jedes Zimmer einen Zugang zu Terrasse oder Balkon. Ein gemeinsamer Garten mit Teich, Brücke und Wandelgängen runden das Angebot ab. „Tiere sind erwünscht“, sagt Anita Röbke, die selbst sehr tierlieb ist.

Wenn es die Gesundheit der Senioren zulasse, gehe man gemeinsam durch den Ort, an den See, zur Eisdiele, zum Friseur oder zum Hofladen. Anita Röbke sieht sich mehr als Gesellschafterin, weniger als Pflegekraft. „Ich habe lange in großen Pflegeeinrichtungen, zuletzt in Wunstorf, gearbeitet“, berichtet sie. Dort betreute sie eine Wohngruppe mit 90 Senioren. Sie weiß daher um die fehlende Zeit in der Pflege. „Nie hatten wir Zeit, mit den Senioren außerhalb der körperlichen Bedürfnisse wie Essen und Pflege auf ihre seelischen Bedürfnisse einzugehen, das macht krank.“

Entscheidung, neu anzufangen, nicht leicht gemacht

Das Ehepaar Röbke hat es sich mit der Entscheidung, neu anzufangen, nicht leicht gemacht. Detlef Röbke ist gelernter Zimmermann und Bautechniker und war selbstständig. „Ich habe für unser gemeinsames Projekt am Dümmer mein Gewerbe abgemeldet und werde hier alles renovieren, als Hausmeister fungieren und mit den Senioren kochen.“

Von dem Objekt hatten Röbkes über eine Bekannte erfahren. Zum Verkauf stand seit längerem das Gesamtensemble aus Gaststätte „Zum Storch“, Seniorenresidenz und ein weiteres Gebäude. Röbkes mieten aktuell die Seniorenresidenz. Sie tauschten die Nähe zum Steinhuder Meer mit der zum Dümmer und ziehen aktuell in die Wohnung über den Senioren-Appartements ein.

Hüde sei ein optimaler Standort für die Wohnform der Senioren-WG, sagt das Paar. „Ich sah das Fachwerk, und mein Herz schlug schneller“, erläutert der Zimmermann die Entscheidung, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

„Soweit uns mitgeteilt wurde, ist das Gesamtensemble an einen Investor verkauft. Wir haben das Gebäude ,Haus am See‘ gemietet“, erklärt Anita Röbke. Der Investor, der derzeit noch nicht genannt werden möchte, habe ihnen angeboten, nach der Sanierung bei Bedarf Wohnraum im Nebengebäude (parallel zum Dorfhaus) anmieten zu können. „Das ist aber sicher Zukunftsmusik. Erst erweitern wir jetzt unsere Küche, weil wir mit den Senioren kochen möchten“, so Röbke. Zuvor wurde das Essen in der Küche der Gaststätte „Zum Storch“ zubereitet oder angeliefert.

„Eine echte WG auf dem Lande“

Der vordere Teil des Grundstück-Karres Im Dorfe / Hafenstraße / Molenstraße / Twassweg“, auf dem die Gaststätte steht, soll separat saniert und am liebsten wieder an einen Gastronomen vermietet werden. Der in der Mitte liegende Garten mit gewundenen Wegen fasziniert das Paar: „Ich plane eine kleine Feuerstelle mit Schale für die Senioren. Bestimmt lieben die auch Würstchen am Spieß im Sommer“, so Detlef Röbke, der bereits begonnen hat, den Garten in Schwung zu bringen.

„Wir wollen Bring- und Holdienste anbieten, damit es eine echte WG auf dem Lande wird“, sagt das Betreiberpaar. Die Präsenzkraft in der Nacht wird Anita Röbke sein, an einem hausinternen Notrufsystem arbeite man. Neben den Arzt-, Apotheken- und Amtsbesuchen sei die Begleitung zu Orten der Freizeitgestaltung für Senioren wichtig.

Selbstbestimmt wohnen, heißt im Gegensatz zum Wohnen im Seniorenheim, dass die Senioren einen selbst gewählten Pflegedienst beauftragen. Eigene Möbel, Bücher und Erinnerungsstücke finden Platz im Appartement. Wer mag, kann mitkochen, den Garten pflegen oder „auf 'nen Swutsch“ ins Café am See gehen.

Das Ehepaar plant bereits die Vorstellung des Projektes im Gemeinderat: „Wir sehen uns als Teil des Ortes“, sagt Anita Röbke. Und dann geht das Telefon und ein Senior fragt an: „Aber ich habe einen Hund, darf ich den mitbringen?“ Natürlich darf er.

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