Humor und Trost in trüber Zeit

Horst Evers’ neues Buch „Wer alles weiß, hat keine Ahnung“ stürmt die Bestsellerliste

Autor und Kabarettist Horst Evers.
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Autor und Kabarettist Horst Evers nimmt in seinem neuen Buch „Wer alles weiß, hat keine Ahnung“ wieder die Absurditäten des Alltags aufs Korn.

Mit scharfem Blick und Humor nimmt der Autor Horst Evers in seinem Buch „Wer alles weiß, hat keine Ahnung“ die Absurditäten des Alltags aufs Korn ‒ und gibt etwas Halt in einer trüben Zeit.

  • 47 aus dem wahren Leben gegriffene Geschichten
  • Humorvolle Fragmente aus dem Corona-Alltag
  • Horst Evers schwelgt in Erinnerungen und zeigt: Früher war die Welt nicht weniger verrückt.

Berlin/Hüde – Trübe Stimmung, genervte Menschen überall – die Auswirkungen der Corona-Pandemie fordern ihren Tribut. Da kommt das neue Buch „Wer alles weiß, hat keine Ahnung“ des aus Hüde stammenden und in Berlin lebenden Autors und Kabarettisten Horst Evers genau richtig, um ein bisschen Freude und Ablenkung zu schenken. Am 26. Januar erschienen, startet der Band direkt auf Platz drei der Spiegel-Bestsellerliste durch.

In 47 Kapiteln nimmt Horst Evers humorvoll, manchmal ein bisschen böse die Absurditäten des Alltags aufs Korn. Ganz ohne Corona kommt er natürlich nicht aus, aber er fasst sich kurz – etwas, das er bei vielen seiner Kollegen gerade zu Beginn der Pandemie vermisst hat. „Alle dachten: Ich muss jetzt was machen“, sagt er in einem Online-Interview. Das Problem: Das Thema war denkbar eng gefasst. Aus ihren Wohnzimmern sendeten die „Humorfacharbeiter“ ihre einander ähnelnden Beiträge in das weltweite Netz – leider zum Teil unpointiert und unreflektiert, findet Evers.

Er ging einen anderen Weg, hat sich bewusst gegen Streams und langes Gerede entschieden. Stattdessen begann er einen Briefwechsel mit einer guten Freundin. Nicht mehr als 2.500 Zeichen pro Brief war die Vorgabe. Das zwang zum Nachdenken und zu Prägnanz.

Corona: Fragmente aus hundert Tagen im Quark

Einige dieser Gedanken haben ihren Weg in den neuen Erzählband gefunden. Den Bruch, den Corona in der Gesellschaft verursachte, spiegelt Evers im Buch. Das Kapitel „Hundert Tage im Quark – als die Welt coronastill stand“ besteht aus kurzen Fragmenten, manchmal nur einer Handvoll Sätzen, die humorvolle Schlaglichter auf die Herausforderungen des Corona-Alltags werfen, die inzwischen wohl jeder kennt: leere Drogeriemarkt-Regale, Homeoffice-Stress, Gewichtsprobleme, Kontaktbeschränkungen.

„Auf welchem Weg sind wir als Gesellschaft? Womit tun wir uns eigentlich einen Gefallen und womit nicht?“ Diese Fragen sind es, die Horst Evers nach eigener Aussage antreiben. Er schaut genau hin, findet die Absurditäten des Alltags und treibt sie auf die Spitze, ohne dabei zu übertreiben.

Oft basieren seine Geschichten auf realen Begebenheiten, die er beobachtet und – künstlerisch verdichtet – aufschreibt. „Irgendwie ist das auch Bequemlichkeit“, gibt er zu. Aber es funktioniert. Manchmal, so verrät der Autor, müsse er reale Begebenheiten sogar entschärfen, weil sie so absurd seien, dass ihm die Geschichten niemand abnehmen würde.

Horst Evers schwelgt in Erinnerungen

Dass das Leben früher nicht weniger verrückt war, zeigen Episoden aus Evers’ Vergangenheit. Nach einer „vorsichtigen Erhebung“ habe er 31 verschiedene professionelle Tätigkeiten ausgeübt, schreibt er in seinem Buch – vom Landmaschinenmechaniker-Assistenten bis zum Rockstar. Über 13 davon berichtet er im aktuellen Buch.

Da kommen dann auch Erfahrungen aus seiner alten Heimat am Dümmer in Erinnerung, etwa die Arbeit am Band eines namhaften Chemieunternehmens, in einer Hähnchenschlachterei, in der er Eingeweide mit dem Staubsauger entfernte, oder als „Edelfeder des Burlager Gemeindebriefes“. Ein kurzes Intermezzo beim Diepholzer Kreisblatt mit tiefgründigen Einblicken in die Berichterstattung über 100. Geburtstage und einem unerwarteten Todesfall gab es ebenfalls.

Am Ende der unterhaltsamen 240 Seiten bleibt die tröstliche Erkenntnis, dass man nicht allein ist, dass auch die Anderen gelegentlich überfordert sind in dieser schnelllebigen, von Informationsüberfluss, Fakenews und Corona geprägten Zeit. Genau das, den Menschen ein bisschen Halt geben, war Evers nach eigener Aussage in seinem aktuellen Buch besonders wichtig.

Bibliographischen Angaben: Horst Evers: Wer alles weiß, hat keine Ahnung, Rowohlt Berlin Verlag, 240 Seiten, ISBN: 978-3-7371-0099-1

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