Die Holzbändiger vom Dümmer

Firma Fricke & Dannhus restauriert und repariert Yachten

Bootsbaumeister Jens Dannhus präsentiert in der Werft ein Boot, dessen Rumpf mithilfe von Spanten versteift wurde. Dies ist unter anderem an den kleinen Punkten auf der Oberfläche (rechts im Bild) zu erkennen. Foto: Schmidt
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Bootsbaumeister Jens Dannhus präsentiert in der Werft ein Boot, dessen Rumpf mithilfe von Spanten versteift wurde. Dies ist unter anderem an den kleinen Punkten auf der Oberfläche (rechts im Bild) zu erkennen.

Hüde - von Katharina Schmidt. Jetzt, im Winter, sind die meisten Anlegeplätze am Dümmer verwaist. Die Boote warten im Trockenen auf die nächste Saison. Es ist eine Zeit, die viele Besitzer dafür nutzen, ihre Yachten reparieren oder umbauen zu lassen. Ein Unternehmen, das solche Arbeiten übernimmt, ist Fricke & Dannhus. Seit fast 100 Jahren fertigen und restaurieren die Mitarbeiter Boote.

Die Werft liegt ungefähr anderthalb Kilometer vom Ufer des Dümmers entfernt in Hüde, am südlichsten Zipfel des Landkreises. In den Hallen stehen Yachten auf Autoanhängern oder Gerüstböcken. Mitarbeiter sitzen auf oder unter den Booten, bearbeiten Holz, lackieren, tüfteln und reparieren. Es ist ruhig für eine Firmenhalle. Kein Fließband, kein Maschinensurren in Dauerschleife.

Bootsbaumeister Jens Dannhus ist als Geschäftsführer für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich. Mit der Handinnenfläche streicht er über den Rumpf eines Bootes. Es ist eine Bewegung, die viele machen, wenn sie neben einer Yacht stehen. Das glänzende Holz fordert regelrecht dazu auf. „Unsere Besonderheit ist, dass wir unsere Boote aus Holz bauen, nicht aus Kunststoff“, berichtet er.

Viele Kunden haben ihren Heimathafen am Dümmer oder dem Steinhuder Meer. Letztlich kommen sie aber aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

In den 60er- und 70er-Jahren hat Fricke & Dannhus um die 2 500 Boote gebaut. Die Bootsbauer könnten nach wie vor Yachten in Serie bauen. 2018 verließ aber mangels Nachfrage kein Neubau die Werft. Flaute? Nein. Denn dafür kommen viele Modelle, die einst am Dümmer gefertigt wurden, zurück. „Neue Schiffe sind schnell sehr teuer“, sagt Dannhus. Die meisten würden lieber ein altes restaurieren. Oft seien Boote auch Erbstücke. Schiffe, an denen Geschichten hängen.

Die Geschichte des Unternehmens Fricke & Dannhus beginnt Ende des 19. Jahrhunderts. Der Tischler Heinrich Fricke fertigte damals aus Holz alles, was so im Dorf gebraucht wurde, von Särgen bis hin zu Türen. „Wie das früher so war, mit der Kuh auf der Diele“, erzählt Dannhus. Anfang der 1920er-Jahre setzte sich Heinrich Frickes Sohn Georg in den Kopf, ein Holzboot zu bauen, um damit auf dem Dümmer zu schippern. Sein Vater hielt nicht viel von der Idee. „Vergiss es, du kriegst das Boot sowieso nicht dicht“, soll er gesagt haben. Doch Georg Fricke hat es dicht gekriegt. Und nicht nur das: Er legte mit seiner Konstruktion den Grundstein für Fricke & Dannhus.

Inzwischen betreibt Jens Dannhus das Unternehmen in der fünften Generation. Er und seine Mitarbeiter bauen und restaurieren überwiegend Freizeityachten, haben aber auch schon an Rettungs- und Polizeibooten gewerkelt.

Früher haben Bootsbauer Rümpfe gebaut, indem sie eine Außenhülle aus Planken mit sogenannten Spanten versteift haben. Heute gelingt es mittels Sperrholz, das Boot dicht zu bekommen. Speerholz – bei dem Begriff denken die meisten wohl an die lieblos zusammengepressten Platten aus dem Baumarkt. Damit haben die Rümpfe moderner Yachten wenig gemeinsam. Im Bootsbau werden Holzfurniere über einer Form aneinanderfügt und unter Vakuum verleimt. Dadurch, dass einzelne Schichten aus Furnieren kreuz und quer übereinandergelegt werden, kann sich das Holz nicht nachträglich verformen – Sperrholz eben. Oder, wie es auf der Internetseite von Fricke & Dannhus heißt: „Wir haben das Holz gebändigt. Das heißt, wir haben ihm das Quellen und Schrumpfen abgewöhnt.“

Wie lang es dauert, ein Schiff zu bauen oder zu restaurieren, lässt sich laut Dannhus schwer verallgemeinern. Es könnten drei bis vier Monate sein, „wir haben auch ein Schiff, wofür wir zwei Jahre gebraucht haben.“ Dieses Schiff sei komplett nach den Vorstellungen des Kunden gefertigt worden – und entsprechend teurer als ein Serienboot. Manche Yachten sind mit einem Flachbildschirm, einer Dusche oder sogar einem Ofen ausgestattet. „Am Ende sind es ganze Häuser“, sagt Dannhus. „Das ist es, was den Job so anspruchsvoll macht.“ Bootsbauer müssten schweißen und Holz bearbeiten können, sich aber auch mit sanitären Anlagen und Elektrik auskennen.

In dem Unternehmen arbeiten sieben Gesellen und fünf Lehrlinge. „Bis vor drei Jahren haben wir den Fachkräftemangel nicht gemerkt“, so Dannhus. Langsam werde es schwieriger, Azubis zu finden. Das Interesse an dem Beruf sei aber nach wie vor da. In den vergangenen zehn Jahren habe es bei den Mitarbeitern null Fluktuation gegeben. „Wir machen jeden Tag etwas anders“, erklärt der Geschäftsführer den Reiz des Jobs. Es gebe stets andere Schiffe und Problemstellungen. Kürzlich hat die Firma zum Beispiel das Wissen um den Bau von wasserdichten Rümpfen genutzt, um eine Holzbadewanne zu entwerfen – mit der man rein theoretisch auf den Dümmer schippern könnte.

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