WOCHE DER DIAKONIE Soziale Schuldnerberatung hilft nicht nur in Notlagen

„Hilfe ohne Wenn und Aber“

Stefan Gövert ist Schuldnerberater und Präventionsfachkraft bei der Sozialen Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Diepholz-Syke-Hoya.
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Stefan Gövert ist Schuldnerberater und Präventionsfachkraft bei der Sozialen Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Diepholz-Syke-Hoya.

Rehden – Eine Mutter zweier kleiner Kinder ist verzweifelt: Ihr Lebensgefährte hat die Familie verlassen, zahlt keinen Unterhalt und kommt gemeinsamen Verpflichtungen (mehrere Kredite) nicht mehr nach. Aufgrund ihres geringen Budgets kommt es zu Zahlungsrückständen. Weil die junge Frau die Abschläge nicht gezahlt hat, droht ihr der Energieversorger die Stromsperre an.

„Dieser Fall ist typisch“, sagt Stefan Gövert, Schuldnerberater und Präventionsfachkraft bei der Sozialen Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Diepholz-Syke-Hoya. Jährlich haben seine Kollegen Stefan Bruns, Ute Strathmann, Susan Behnken und er an den Standorten Syke, Sulingen, Diepholz und Stuhr Kontakt zu rund 1000 Ratsuchenden; auch in die Samtgemeinde Rehden.

Die Gründe dafür, dass Menschen in finanzielle Notlagen geraten, sind vielfältig. Gövert nennt Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennungsschicksale oder Suchtprobleme als Beispiel, oft spielten gleich mehrere Faktoren eine Rolle. Die Klienten, Alter: Mitte 20 bis Mitte 50, einige aber auch „deutlich älter oder jünger“, kommen aus unterschiedlichsten Lebenssituationen und nehmen kurz- oder mittelfristig die Soziale Schuldnerberatung in Anspruch.

Personen und ihre Angehörigen, die sich in einer wirtschaftlichen, sozialen oder seelischen Krise befinden, erhalten bei der Sozialen Schuldnerberatung qualifizierte Unterstützung – von der Hilfe bei der Haushaltsplanung und bei der Stellung von Anträgen bei Behörden, Vollstreckungs- oder Insolvenzgerichten über die Verhandlung mit Gläubigern bis zur Begleitung im Privatinsolvenz- und Restschuldbefreiungsverfahren, das ab dem 1. Oktober nur noch drei Jahre umfasst. Das Credo der Schuldnerberatung: „Jeder, egal wer und in welcher Situation, erhält Hilfe ohne Wenn und Aber.“

„Sich und anderen eine wirtschaftliche Notlage einzugestehen, ist ein schwerer Schritt“, sagt Gövert.

Oftmals seien nicht einmal die Familien involviert. Einfacher sei die Problemlösung, wenn die Klienten kommen, bevor der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht oder der Strom abgestellt ist.

Wege aus der Krise findet man dennoch – individuell und vertraulich. Im oben genannten Beispiel konnten sie eine Einigung mit dem Energieversorger erreichen: Der Rückstand wird per Ratenzahlung ausgeglichen.

Die Frau richtet sich ein Pfändungsschutzkonto ein und verschafft sich mit Hilfe eines Haushaltsbuches einen Überblick über ihre Ausgaben. Miete und Strom kann sie verlässlich zahlen, neue Schulden entstehen nicht mehr. Aufgrund des geringen Budgets liegen ihre Einnahmen unterhalb der Pfändungsfreigrenze. Dieses Wissen nimmt ihr den großen Teil ihrer Ängste.

Neben Empathie und der Freude am Umgang mit Menschen erfordere sein Beruf Fachwissen und den „Spaß an Zahlen, Gesetzen und strukturiertem Arbeiten“, erklärt Stefan Gövert. Dass Klienten dank seiner Hilfe wieder „ruhig schlafen“ können, ist für ihn ein wichtiger Motivationsfaktor.

Ein zweiter zentraler Aufgabenbereich der Schuldnerberatung ist die Präventionsarbeit. An Schulen oder im Rahmen von Maßnahmen der Jugendberufshilfe klären die Mitarbeiter jährlich etwa 1000 Jugendliche und junge Erwachsene über Risiken und Folgen der Verschuldung auf. Diese Aktionen werden auch vom Landkreis Diepholz beziehungsweise von der Fernsehlotterie finanziell gefördert.

Von Martina Kurth-schumacher

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