„Kein Standort für das Raubtier“

Weidetierhalter treffen sich zu einem Mahnfeuer gegen den Wolf

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Die Tierhalter tauschen sich aus – und nebenbei bleibt Zeit, um die Schafe zu begutachten.

Stemshorn - Die Lämmer von Michael Seel mussten sich am Freitagabend in ihrem Pferch keine Sorgen machen, Futter für den Wolf zu werden. Der Schäfer hatte zur Beteiligung an der landesweiten Aktion „Mahnfeuer zum Schutz der Weidetiere“ auf den Schäferhof an der Hunte eingeladen.

Es trafen sich Weidetierhalter vom Vollerwerbsschäfer über Hobbyschäfer bis hin zu Züchtern von Galloways, Rindern und Pferden. Um einen Eindruck von der Stimmung unter den Weidetierhaltern zu bekommen, kamen Kommunalpolitiker zur leisen Demonstration. „Lasst uns kontrovers diskutieren, aber immer sachlich“, forderte der Vorsitzende des Landvolk-Kreisverbands Grafschaft Diepholz, Theo Runge, auf. Er verstand das Mahnfeuer nicht nur gegen den Wolf, sondern eher gegen die verfehlte Wolfspolitik gerichtet.

Landesregierung in der Zwickmühle

An Feuerstellen auf dem Traditionsschäferhof diskutierten die Teilnehmer das Thema „Rückkehr des Wolfes als Raubtier in eine gewachsene Kulturlandschaft“. Die Weidetierhalter sahen sich mit der Situation konfrontiert, dass „Wölfe kein Gras fressen“ und dass Landesregierung sowie EU das Tier schützen wollen.

In den Gesprächen wurde klar, dass der Wolf das ebenso gewünschte Halten von Weidetieren im Freien, da artgerecht, laut den Anwesenden konterkariert. Die Landesregierung sei mit diesen zwei Zielen in der Zwickmühle. „Wir sind eingesetzte Landschaftspfleger mit unseren Tieren in der Diepholzer Moorniederung, züchten eine Archerasse wie die Diepholzer Moorschnucke und sehen uns nicht in der Lage, die gesamte Landschaft, die teils Naturschutzgebiet ist, wolfssicher einzuzäunen“, konstatierten Schäfer Michael Seel, Mathias Dreyer (Schäferei Ulenhof, Rehden) und Michael Buck (Schäfer im Oppenweher Moor). „Ich mag das Tier Wolf an sich, bewundere es als lernfähige Kreatur, respektiere es“, so Schäferin Karin Meyer aus Stemshorn. „Doch hier ist kein Standort für das Raubtier. Die Diskrepanzen zwischen Weidehaltung, Natur- und Landschaftsschutz sind zu groß.“

Langfristig drohe der Verlust der Kulturlandschaft

Nachts schlafen derzeit vermutlich alle Schäfer in der Diepholzer Moorniederung schlecht, egal ob sie klassische Hüte-Haltung oder wandernde Pferch-Haltung betreiben. Die Angst, der Wolf findet den Weg zu ihren Tieren als Beute, ist groß. „Auf dem Spiel steht, dass immer mehr Halter resignieren und es keine Weidetiere mehr geben wird“, so Runge. Das sei dann ein Problem für die Landschaftspflege und ein immenser Verlust für die Kulturlandschaft.

Politiker Ingo Estermann sprach sich für eine kontrollierte Bejagung des Wolfes aus. Rinderhalter Mathias Finster aus Marl/Fladder machte sich Sorgen um seine Weidekälber, die er nicht schützen könne, denn es gebe faktisch keinen „wolfssicheren Zaun“. Udo Effertz von der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD) sorgte sich um die Erfolge des Vogelschutzgebiets „Ochsenmoor“.

Das Mahn- und Solidarfeuer.

Der Schäfer und Biotoppfleger im Rehdener Geestmoor, Mathias Dreyer, sah sich mit den Sicherungssystemen überfordert: „Wir bauen unsere Zäune jetzt schon nach dem Burggrabenprinzip“. Im äußeren Ring laufen die Herdenschutzhunde, nach dem inneren Zaun weiden die Schafe. „Wir sind im Konsens mit der Landesregierung einmal angetreten, die Moore, Deiche, Feuchtwiesen zu pflegen“ – und jetzt würde man bewusst mit dem Wolf konfrontiert. Es fehle ein logisches Konzept, wie die Kosten, die das Raubtier verursache, ausgeglichen werden. „Wir haben es beim Wolf mit einem sehr intelligenten Tier zu tun, das schnell lernt“, so Dreyer. Umso wichtiger sei es, dem Wolf zu zeigen, dass der Mensch für ihn eine Gefahr darstelle, um ihn auf Abstand zu halten.

Forderungskatalog liegt vor

Auch Corina Marko aus Wagenfeld war zum Mahnfeuer gekommen: „Wir sind vor einem Jahr extra aus Bayern nach Niedersachsen gezogen, um unsere Stuten auf der Weide fohlen lassen zu können.“ Das sieht die Gestütsinhaberin nun bedroht.

Auf den Tischen lag die dreiseitige Forderung des neuen „Aktionsbündnisses aktives Wolfsmanagement“. Im Kern fordert der Zusammenschluss von Landvolk und diversen Weidetierverbänden die Einführung eines echten Wolfsmanagements mit Bestandsregulierung auf Landes- und Bundesebene, die Entbürokratisierung des Verfahrens über Ausgleichszahlungen und Schäden an Nutztieren und hierzu einen Rechtsanspruch. Hinzu kommt die Forderung nach Verbesserung der Förderbedingungen für Schutzmaßnahmen. Im Klartext: „Lasst uns nicht im Regen stehen!“

sbb

Zum Thema: Auch in Bierde wurde ein Mahnfeuer abgehalten.

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