Tochter steigt in Gemeinschaftspraxis ein

Lemförder Hausarzt Dr. Axel Hespe geht in den Ruhestand

„Familiäre Nachfolgeregelung“ in der Gemeinschaftspraxis Am Burggraben in Lemförde: Tochter Maren Fischer übernimmt zukünftig den Part ihres Vaters Dr. med. Axel Hespe, der in den Ruhestand geht.
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„Familiäre Nachfolgeregelung“ in der Gemeinschaftspraxis Am Burggraben in Lemförde: Tochter Maren Fischer übernimmt zukünftig den Part ihres Vaters Dr. med. Axel Hespe, der in den Ruhestand geht.

Lemförde – Der Allgemeinmediziner Dr. Axel Hespe, der seit 37 Jahren als niedergelassener Arzt in Lemförde tätig ist, geht zum Jahresende in den Ruhestand. Das tut er, obwohl sein Beruf für ihn Berufung ist, mit 72 Jahren.

Die Praxis, die Hespe 1986 in Lemförde Am Burggraben neu eröffnete, wird in der Praxisgemeinschaft der niedergelassenen Ärzte Maren Fischer (Tochter von Dr. Hespe), Dirk Wehrbein und Dr. Lars Kläning und mit der angestellten Ärztin Dr. Silja Weinreich-Hambach fortgeführt.

Für den Arzt heißt es derzeit, sich von langjährigen und Jahrzehnte treuen Patienten zu verabschieden. „Ich möchte Danke sagen für das Vertrauen und die Treue, die sie mir entgegenbrachten“, betont er. Das sei ihm wichtig. Die Entscheidung, den Staffelstab jetzt zu übergeben, zu einer Zeit, in der für ihn und seine Frau, die Chance auf mehr Freiheit in Sicht ist, reifte lange. „Das ist natürlich eine hoch emotionale Entscheidung“, benennt es der als nüchtern, sachlich und gut zuhörend geltende Arzt. „Manche Patienten haben mit mir gemeinsam manche Krankheit durchlebt.“

Beim Blick über die eigene Schulter sagt der Mediziner, der aus Oldenburg in die Region Diepholz kam, ohne Kompromiss: „Ich habe immer Glück gehabt, aber ich bekam nichts geschenkt.“ Damit meint er Schule, Studium, die erste Stelle im Diepholzer Krankenhaus, das Treffen seiner Ehefrau, die drei Kinder Thomas, Maren und Henrike und sein Berufsleben in Lemförde.

Geboren wurde Axel Hespe 1949 in Oldenburg. Die Familie siedelte nach Diepholz, weil der Vater bei der Bundeswehr tätig war. Sein Abitur absolvierte Axel Hespe an der Graf-Friedrich-Schule, als Berufswunsch gibt er an: „Ich wollte etwas mit Maschinenbau machen.“ Der Berufsberater empfahl die Ausbildung zum Apotheker und so legte er sein pharmazeutisches Vorexamen in Osnabrück ab. Im Wehrdienst orientierte er sich zu den „Sanis“, besuchte Sanitätslehrgänge, arbeitete im Krankenhaus in Glückstadt an der Elbe. „Eigentlich war ich beim Heer eingezogen, dann plötzlich fand ich mich bei der Marine und als die Zusage zum Medizinstudium in Göttingen ins Haus flatterte, durfte ich sogar zwei Monate früher auf Antrag gehen“, erinnert sich der Mediziner gut. Hals über Kopf suchte er sich eine Wohnung und kam in Friedland, 30 Kilometer von Göttingen entfernt, unter. Das Studium absolvierte er in der Regelstudienzeit, promovierte bereits ab dem siebten Semester parallel. Sein Thema: „Stammzellen aus Nabelschnurblut-Isolation und Züchtung von menschlichem Knochenmark.“

„Damals lernte ich, was das Wort ,Frustrationstoleranz‘ bedeutet.“ 1979 beendete er das Studium und schloss seine Promotion mit der Auszeichnung „Cum Laude“ ab. „Jetzt mal zwei Monate ausspannen“, war danach sein Ziel. Daraus wurde leider nichts, denn er besuchte seinen alten Schulfreund, einen Apotheker in Diepholz, beim Sonntagsdienst. „Plötzlich stand der Oberarzt Dr. Becker in der Tür und fragte, ob ich schon eine Stelle hätte.“ So kam Dr. Hespe ohne Pause ins Diepholzer Krankenhaus, arbeitete als Assistenzarzt in der Gynäkologie und der Inneren/Chirurgie.

Als er im Dienst bei dem damaligen Hausarzt aus Lemförde Dr. Oskar Kreutzer auf der Bettkante im Krankenhaus saß, war das wieder Glück. „Dr. Kreutzer fragte mich wohl fünfmal, ob ich einen Doktortitel hätte.“ Dann wusste er warum. Er bot ihm seine Praxis an der Doktorstraße im Doktorhaus an. Der Arzt sagte Ja und zog als angestellter Mediziner Anfang 1983 ins Doktorhaus ein. Schließlich übernahm er die Praxis vom Kollegen Kreutzer, als dieser unerwartet starb.

„Ein großes Glück war, dass ich meine Frau Friede-Lore im Krankenhaus kennengelernt habe und wir 1982 heiraten konnten“, ergänzt er. Seine Frau stammt aus Diepholz, ist Krankenschwester und unterstützte ihren Mann jahrzehntelang in der Praxis.

Das Doktorhaus, als historisches Fachwerkgebäude, ließ keine Erweiterung der Praxis zu. Also griff das Ehepaar zu, als ihm zwischen Rinderweide und Wiese „Am Burggraben“ das 3 000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem heute Praxis und Wohnhaus stehen, angeboten wurde.

Seit dem Jahr 2000 ist die Praxis Weiterbildungspraxis für Ärzte im Fach Allgemeinmedizin, und zehn Jahre später wurde sie als akademische Lehrpraxis für Studierende der Medizinischen Hochschule Hannover anerkannt. 2006 teilt der Allgemeinmediziner die Verantwortung und Arbeit durch die Idee zur Gemeinschaftspraxis mit Dirk Wehrbein. 2011 kommt Dr. Silja Weinreich-Hambach als angestellte Ärztin hinzu. 2014 steigt Dr. Lars Kläning in die Gemeinschaft ein. „Mich freut, dass meine Nachfolge so gut gesichert ist. Das bedeutet Sicherheit für die Patienten.“ Stolz ist er auf seine Tochter Maren, die ihren Wunsch, Ärztin zu werden, umsetzte. „Maren war zuletzt als Oberärztin in der zentralen Notaufnahme im Krankenhaus Vechta tätig.“ Nun steigt sie in die Praxis mit ein.

Für Lemförde und die Region bleibt also das gute Angebot der Gemeinschaftspraxis, nur Axel Hespe gönnt sich jetzt einen Tapetenwechsel: „Ich bin dann mal weg“.

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