„Heroes for one day“

Lemförder Oberschüler begeistern mit ihrem Engagement

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Die Achtklässler Alexander (r.) und Valerian legten die Steinwege bei Ernst und Eva Völkening wieder frei.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Gähnende Leere herrschte jetzt in vielen Klassenräumen sowie auf dem Schulhof der Von-Sanden-Oberschule (VSO) Lemförde. Doch da - ein Schild: Helden hier lang! Folgt man diesen Schildern, so kommt man zur Tür des Schulsekretariats, wo sich wiederum ein Schild befindet mit der Aufforderung „Helden bitte eintreten!“

Die Acht- und Neuntklässler Samra (v.l.), Annika, Jannike, Claas und Lars brachten in fünf Stunden den Garten von Stephanie Budke-Stambusch auf Vordermann.

Helden? Im Schulsekretariat erfahre ich, dass es um das Projekt „Heroes for one day“ geht. Helden für einen Tag? „Es gab eine Fahrt nach Hamburg, bei der Schüler der neunten Klassen touristisch unterwegs waren. Auf dem Rückweg hat sich unsere Schulsozialpädagogin Marion Graf (Fuchs Konzepte) mit einem Schüler und einer Schülerin unterhalten, die letztendlich die Idee entwickelten: Man müsste doch etwas tun, um Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht“, verdeutlicht Schulleiter Marc Greve den Beginn. Die Neuntklässler Theresa und Jannik hätten ihm ihre Idee dann vorgestellt, „die ich klasse fand“, betont Greve. Daraufhin informierte er den Schulvorstand und das Kollegium. „Die waren einhellig der Meinung: Das sollten wir machen!“ Nachdem alles genehmigt war, „ist heute der Tag, wo 70 Prozent aller Schüler aktiv sind und Geld verdienen“, so der Pädagoge.

Im ersten Schritt habe man allen Schülern das Projekt vorgestellt mit der Vorgabe: „Sie müssen selbst losgehen und sich einen Platz suchen, wo sie arbeiten. Es können sowohl Privatpersonen, als auch Betriebe sein“, erklärt Greve, der weiter ergänzt: „So gibt es Schüler, die mähen Rasen beim Nachbarn. Es gibt aber auch welche, die wirklich in einem Betrieb in der Produktion tätig sind. Und der Betrieb oder die Privatperson spendet dann einen kleinen Betrag.“ Das Spektrum sei sehr groß, wie man sich etwas Geld verdienen könne, beispielsweise Babysitten oder Hunde ausführen. Insgesamt seien 152 Schülerinnen und Schüler der fünften bis neunten Klassen im Einsatz.

„Wir haben aber mehr Betriebe, weil es Kinder gibt, die teilweise bis zu vier Stellen anlaufen mit der Begründung: Rasenmähen dauert nur eine Stunde und ich soll ja länger arbeiten; dann geben die Gas“, zeigt sich Marion Graf begeistert von dem Engagement der Schüler. Besonders freute sie sich jedoch: „Dass unser Projekt sogar im Radio bei Antenne Niedersachsen vorgestellt wurde.“

Sage und schreibe 5500 Euro erarbeiten die „Helden“ an diesem Tag! Die Spenden gaben sie nach und nach stolz im Schulsekretariat ab und bekamen dafür ein kleines Präsent überreicht. Dort konnten sie sogar noch einen Tipp abgeben, wie viel Geld wohl zusammen kommen würde. Wer die Summe genau traf oder am nächsten dran lag, darf sich über ein Überraschungspaket freuen, das der Förderverein stiftete.

„Das so erarbeitete Geld geht an drei Waisenhäuser nach Sierra Leone, zu denen unser Musiklehrer Stephan Flore Kontakt hat, der seit 2009 jährlich den unitaristischen Staat in Westafrika besucht“, veranschaulicht Marc Greve. Hintergrund sei, dass Ebola eine Rolle spiele und es deshalb sehr viele Waisen gebe. Hinzu komme, „dass die Lebensmittelpreise explodiert sind. Das heißt, diese Waisenhäuser haben große Probleme den täglichen Bedarf zu decken“, klärt der Schulleiter auf. Dass das Geld direkt dort ankommt, wo es dringend benötig wird, dafür sorgt Isaac Kamara, der sich seit Januar 2014 in Deutschland aufhielt und kürzlich die Schule besuchte. Seit Ende Juni ist er wieder in Sierra Leone und wird für die 5500 Euro den Waisenhäusern in Waterloo, Adonkia und Freetown Lebensmittel und Bekleidung überbringen. Kamera zeigte sich tief bewegt, dass die Schüler durch das Projekt „Heroes for one day“ bedürftigen Kindern seines Heimatlandes helfen. Denn: „Mit diesem Betrag können knapp ein Jahr lang die drei Waisenhäuser versorgt werden“, sagt Marion Graf euphorisch. So sind die VSO-Schüler zu wahren Helden geworden!

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