Seltene Auszeichnung

Bootsbauermeister und früherer Obermeister Hermann Dannhus aus Lembruch erhält goldenen Meisterbrief

Hermann Dannhus erhielt aus den Händen seines Sohnes Jens, der seit Kurzem stellvertretender Obermeister in der Kreishandwerkerschaft Wesermarsch ist, den goldenen Meisterbrief. Ehefrau Margret freute sich mit ihm.
+
Hermann Dannhus erhielt aus den Händen seines Sohnes Jens, der seit Kurzem stellvertretender Obermeister in der Kreishandwerkerschaft Wesermarsch ist, den goldenen Meisterbrief. Ehefrau Margret freute sich mit ihm.

Seltene Auszeichnung für den Bootsbauermeister Hermann Dannhus aus Lembruch. Der Mitgeschäftsführer der Werft Fricke und Dannhus erhielt den goldenen Meisterbrief.

Lembruch/Hüde – Die meisten Menschen genießen mit 75 Jahren ihren wohlverdienten Ruhestand, doch für Hermann Dannhus ist das nichts. Der Bootsbauermeister aus Lembruch ist noch immer fast täglich im Familienbetrieb, der Werft Fricke und Dannhus in Hüde, deren Geschäftsführer er gemeinsam mit seinem Sohn Jens ist. Der ist ebenfalls Bootsbauermeister und seit drei Wochen frischgebackener stellvertretender Obermeister der Kreishandwerkerschaft Wesermarsch. Als erste Amtshandlung überreichte Jens Dannhus seinem Vater gestern im Namen der Handwerkskammer Oldenburg einen goldenen Meisterbrief.

Das sei eine seltene Auszeichnung, betont Jens Dannhus. Denn man müsse nicht nur 50 Jahre Meister sein, sondern sich auch lange ehrenamtlich engagiert haben. Sein Vater tat das fast 15 Jahre lang als Obermeister der damaligen Bootsbauer-Innung Bremen/Niedersachsen, deren Zusammenschluss mit den Bootsbauern in Oldenburg er noch begleitete, bevor er das Amt aufgab.

Obwohl Hermann Dannhus mit dem Bootsbau aufwuchs, war für ihn nicht von vornherein klar, dass er den elterlichen Betrieb übernehmen würde. „Als ich in der Schule war, wollte ich kein Handwerk lernen“, erinnert er sich. Ihm schwebte damals eher etwas in der Kreisverwaltung vor, „wo man nicht so viel arbeiten musste“, erinnert er sich schmunzelnd an seine damaligen Vorstellungen. Letztendlich zog es ihn dann aber doch zum Bootsbau.

Ausbildung bei der Werft Abeking und Rasmussen in Lemwerder

Nach dem Schulabschluss ging Hermann Dannhus zwei Jahre auf die Handelsschule und absolvierte eine dreijährige Ausbildung zum Bootsbauer bei der Werft Abeking und Rasmussen in Lemwerder. „Danach wollte ich eigentlich ein Jahr zur See fahren.“ Aber sein Vater machte ihm einen Strich durch die Rechnung, denn in der Werft war zu der Zeit viel zu tun. Also stieg Dannhus mit 19 Jahren in den elterlichen Betrieb ein. 1972 absolvierte er mit 25 Jahren die Meisterprüfung und legte damit den Grundstein dafür, die Firma später in vierter Generation übernehmen zu können.

„Als ich angefangen habe, haben wir noch Vollholzboote gebaut“, erinnert sich Hermann Dannhus. 40 bis 50 pro Jahr. Damals boomte das Segeln. Vor 30 Jahren seien noch 2000 Boote auf dem Dümmer gefahren, erinnern sich Hermann und Jens Dannhus. Vor vier bis fünf Jahren seien es nur noch gut 500 gewesen.

Die Delle kam für das Unternehmen, als immer mehr Polyesterboote auf den Markt kamen, die gegenüber Booten mit Holzrumpf den Vorteil hatten, dass sie nicht undicht wurden. Sein Vater und sein Onkel, die damaligen Geschäftsführer, wollten davon allerdings nichts wissen und blieben beim Holz, berichtet Hermann Dannhus. „Aber die Ansprüche der Leute wurden immer höher. Sie wollten keine Boote, die nicht dicht sind.“

Schwerpunkt sind heute Reparaturen und Wartung

Heute baut Fricke und Dannhus im Schnitt nur noch vier bis fünf Boote im Jahr – inzwischen mit Kunststoffrumpf, aber immer noch mit Aufbauten aus Holz. Das heißt allerdings nicht, dass nicht viel zu tun wäre. Der Schwerpunkt der Werft liegt mittlerweile auf Reparaturen und Wartung. Aktuell machen die Mitarbeiter laut Jens Dannhus wieder jede Menge Überstunden, um Boote für den Saisonstart fit zu machen. Das ist in jedem Jahr so, in diesem Jahr aber noch ein bisschen mehr. Der Bootsbauer hat den Eindruck, dass sich seit dem Beginn der Corona-Pandemie mehr Menschen ein Boot zugelegt haben, weil Segeln ein Hobby ist, das auch bei Kontaktbeschränkungen problemlos möglich ist. „Und es wollen alle früher als sonst raus“, hat er festgestellt. Das liege vermutlich am langen Lockdown, in dem kaum Freizeitaktivitäten möglich sind.

Auch Hermann Dannhus hat sich vorgenommen, in diesem Sommer, wenn es in der Werft etwas ruhiger ist, ein bisschen mehr Zeit auf dem See zu verbringen. Denn er ist nicht nur Bootsbauer, sondern auch leidenschaftlicher Segler, war unter anderem neunmal Deutscher Meister und einmal Europameister.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Meistgelesene Artikel

Archäologen rekonstruieren Unglück im Moor – dank Sandale und Achse

Archäologen rekonstruieren Unglück im Moor – dank Sandale und Achse

Archäologen rekonstruieren Unglück im Moor – dank Sandale und Achse
Vandalismus auf Sulinger Boule-Platz im „Park der Generationen“

Vandalismus auf Sulinger Boule-Platz im „Park der Generationen“

Vandalismus auf Sulinger Boule-Platz im „Park der Generationen“

Kommentare