Wie haben die Menschen in der Steinzeit gelebt?/ Archäologischer Sonntag im Dümmer-Museum

Geröstete Nüsse zum Nachtisch

+
Guido Groneik (l.), hier mit dem Nachbau eines „Schöninger“ Speeres, und Klaus Haller mit einem jungsteinzeitlichen Langbogen gestalteten den „archäologischen Sonntag zur Steinzeit“ am Dümmer-Museum in Lembruch.

Lembruch - „Mich interessiert, wie die Menschen dort früher gelebt haben“, stellte Sarah aus Lohne ihre Beweggründe dar, warum sie zum „archäologischen Sonntag zur Steinzeit“ zum Dümmer-Museum nach Lembruch gekommen war. „Ich wollte wissen, wie die früher Feuer entzündet haben“, schloss sich ihr Bruder Nils an, der sich besonders auf die Tiere im Museum freute. Franziska aus Herford fand dagegen das Bogenschießen besonders spannend und Joanna – ebenfalls aus Herford –- betonte: „Mich interessiert alles.“

Alles – das war ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, das zum wiederholten Male der Osnabrücker Archäo-Techniker Klaus Haller, der im vergangenen Jahr seinen Magister in Ur- und Frühgeschichte ablegte, sowie der Jagdwissenschaftler und staatlich geprüfte Naturschützer Guido Groneik aus Ostercappeln gestalteten.

Nils Frage wurde sehr schnell beantwortet, denn gerade fragte der Achäo-Techniker Haller sein Publikum: „Was meint ihr denn, wie schnell das brennt?“ Ein Junge meinte spontan: „Fünfzig Sekunden.“ Etwas länger dauerte es dann doch, bis das Lagerfeuer brannte, das der Osnabrücker mit Feuersteinen und Stroh entfacht hatte. Als Novum bot Haller den Besuchern an, selbst Feuer zu schlagen.

Zudem hatte Klaus Haller eine kleine Ausstellung mit Repliken quer durch die europäische Steinzeit mitgebracht. Dazu zählten sowohl Funde aus Norddeutschland, aber auch der Ukraine, Italien, Dänemark. „Aus der Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit“, veranschaulichte der Experte, der sogar den Nachbau eines „Schöninger“ Speeres – die älteste Jagdwaffe der Welt, die mehr als 300000 Jahre alt ist – besitzt. Von denen hat man nur sechs Speere gefunden.

Zum weiteren Aktivprogramm zählten beispielsweise das Bogenschießen oder Pfeile selbst herstellen. Außerdem bot der Achäo-Techniker Führungen im Museum an. Dabei stellte er die beiden steinzeitlichen Fundplätze vor, wo etliche Steinzeitgeräte gefunden wurden. „Die Klammer zwischen diesen beiden verschiedenen Siedlungen ist der Einbaum. Weil die Leute unter anderem wegen dem Fischreichtum zum Dümmer gekommen sind. Dazu brauchte man ein Boot, um zu angeln oder Netze ausbringen zu können. Und das ist das Stück, was in wenigen Tagen auf Wanderschaft geht“, schilderte Sabine Hacke, Leiterin des Dümmer-Museums, und etwas Wehmut schwang schon in ihrer Stimme mit.

Denn Abschiedsstimmung herrschte an diesem Tag im Museum, da der Einbaum (eine Leihgabe), der 1962 durch Professor Dr. Jürgen Deichmüller im Ochsenmoor ausgegraben wurde, wohl Mitte August in das Landesmuseum Hannover gebracht wird.

Doch nicht nur der Einbaum, der nachweislich das älteste in Norddeutschland erhaltene steinzeitliche Boot aus der Zeit um 3500 vor Christus ist, geht nach Hannover, sondern auch verschiedene Holzteile wie ein Holzschöpfer, ein Holzknauf eine Holzschale sowie ein Ruder. Funde, die alle im Huntedorf entdeckt wurden. Das Landesmuseum sei derzeit dabei, einen speziellen Raum mit bedeutenden Holzfunden aus Niedersachsen zu gestalten, erklärte Hacke. Freude herrschte allerdings bei ihr, „dass der ‚archäologische Sonntag zur Steinzeit' wieder super gut angenommen wurde. Manche sind sogar ganz gezielt heute gekommen.“

Am späten Nachmittag konnten die kleinen und großen Besucher dann an einem steinzeitlichen Mahl teilnehmen. Dafür hatte Klaus Haller Fisch und Hirschfleisch wie in der Steinzeit üblich, nämlich über dem Feuer, zubereitet. Und als Nachtisch gab´s geröstete Nüsse.

cb

Mehr zum Thema:

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

Meistgelesene Artikel

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Kommentare