Familienzentrum informiert zur Flüchtlingssituation in Lemförde

„Haben bislang nur positive Erfahrungen gemacht“

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Das Team des Lemförder Familienzentrums, das zu der Informationsveranstaltung eingeladen hatte: Iris Nagel (v.l.), Nadine Völkening, Ivonne Hafer und Annika Gaurig.

Lemförde - Wie vielfältig und engagiert in der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ Flüchtlingshilfe und –arbeit geleistet wird, wurde am Montagabend im Lemförder Rittersaal deutlich. Dorthin hatte nach Oktober 2015 zum zweiten Mal das Lemförder Familienzentrum zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.

Dieses hat inzwischen ein Netzwerk und verschiedene Arbeitskreise aufgebaut, die allen zur Verfügung stehen. So berichteten einige Ehrenamtliche von der augenblicklichen Situation und ihrer Arbeit. Am Podium hatten die Geschäftsführerin des Familienzentrums Ivonne Hafer, die neue erste Vorsitzende Annika Gaurig, ihre Stellvertreterin Nadine Völkening sowie Beisitzerin Iris Nagel Platz genommen.

„Wir müssen den Flüchtlingen, die Krieg und Verfolgung entkommen wollen, helfen“, betonte Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Scheibe. Nach dem „Königssteiner Schlüssel“ müsse Niedersachsen 9,4 Prozent der Asylsuchenden aufnehmen. „Bis zum 31. Juli müssen wir 172 Personen bei uns unterbringen; heute leben bereits 159 Flüchtlinge bei uns“, verdeutlichte der Rathauschef. Für alle habe man bereits Wohnungen gefunden, freute er sich. Allerdings seien die sogenannten unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber, „die von ,OLE‘ (Kinderheim Lemförde) betreut werden“, hier nicht eingerechnet. Mit der Bereitstellung von Wohnraum habe man jedoch die geflüchteten Menschen noch nicht in die Gesellschaft integriert.

Scheibe: „Mit großem Engagement wird all diesen Menschen bei uns in Lemförde geholfen.“ Hier zählte er beispielsweise die Integrationslotsen, Lehrer für Sprachkurse, sonstige Helfer, die Schatzkiste oder die Lebensmittelausgabe auf. „Alle wollen den Menschen, die von Elend, Hunger und Krieg gezeichnet sind, helfen, ihnen den Start bei uns zu erleichtern. Ich bin stolz auf unsere Samtgemeinde“, akzentuierte Scheibe, der allen seinen Dank aussprach.

„Mit Unterstützung der Samtgemeinde konnten wir einige Projekte ins Leben rufen“, erklärte anschließend Ivonne Hafer. Hier zählte sie zum Beispiel Deutschkurse, die im Ehrenamt laufen, auf, eine Alphabetisierungsgruppe durch einen ehrenamtlichen Deutschlehrer, Deutschunterricht mit Baby, den wöchentlichen Jugendtreff oder jeden Donnerstagabend um 18.30 Uhr den Männertreff. Viele Paten, „die alles tun, was nötig ist“, würden auch direkt in die Familien gehen, stellte Hafer heraus. „Wir haben 32 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge; zehn im Landkreis Vechta im Dümmerheim und 22 direkt in Lemförde“, veranschaulichte „OLE“-Leiter Dirk Feldkötter, der teilweise die unterschiedlichsten Schicksale vorstellte. Er unterstrich: „Wir haben bislang nur positive Erfahrungen gemacht.“

Feldkötters Kollegin, Sozialpädagogin Christiane Hinnenkamp, stellte das neue Projekt „Wochenendfamilie“ vor. Hier werden Familien oder Einzelpersonen gesucht, „die Interesse, Spaß daran haben, die Jugendlichen zu unterstützen, damit sie ein deutsches Familienleben kennenlernen“, erläuterte Hinnenkamp. Elisabeth Wucherpfenning ist vor einem Jahr zur Flüchtlingshilfe gekommen, betreut in Brockum eine Familie und ist inzwischen „Mittlerin“ in den drei evangelischen Dümmer-Kirchengemeinden. „Es werden weiterhin Menschen gebraucht, die sich einsetzen“, warb Wucherpfennig um ehrenamtliche Mitarbeiter.

Jutta Münster stellte das „Café International“ im Lemförder Schäperhaus vor, das alle 14 Tage samstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet hat. „Jeder kann kommen; wir setzen darauf, dass es ein Ort der Begegnung zwischen deutschen und ausländischen Mitbürgern ist.“

„Wir haben zurzeit 285 Kunden – 82 deutsche und 203 ausländische“, so Erika Klös, die die kirchliche Lebensmittelausgabe der drei evangelischen Kirchengemeinden vorstellte. Allein im März habe man 56 Neuzugänge gehabt. „Und es ist kein Ende abzusehen.“ Auch dort würden dringend noch Helfer benötigt.

„Wir sind so eine Art Kleiderkammer“, ging Hannelore Wiesmann auf die „Schatzkiste“ des Kinderschutzbundes ein. Momentan würden Fußballschuhe, Inliner, aber auch Sportsachen fehlen, explizierte die Leiterin. Neben Lebensmittelausgabe und „Schatzkiste“ befindet sich inzwischen auch die Sachspendenannahme, die Iris Nagel näher vorstellte. Über ihre Tätigkeit berichtete abschließend Natalie Biche vom Patenkreis, die zahlreiche Beratungen immer mittwochs von 9 bis 12 Uhr übernimmt.

Zum Abschluss brannten den Zuhörern Fragen unter den Nägeln wie: Wenn man Fahrräder spenden möchte, wo kann man die abgeben? Warum gibt es einen Männertreff – und was ist mit den Frauen? Sind die Flüchtlinge krankenversichert? Oder: Wann und was dürfen Flüchtlinge arbeiten?

cb

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