Schulausschuss

Erweiterung der Grundschule Lemförde: Bleibt die Außenstelle Brockum erhalten?

Ob die Grundschule in Brockum weitergeführt oder geschlossen wird, ist Teil der Beratungen in den kommenden Monaten. Der Arbeitskreis der Grundschule Lemförde spricht sich für eine Schließung aus.
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Ob die Grundschule in Brockum weitergeführt oder geschlossen wird, ist Teil der Beratungen in den kommenden Monaten. Der Arbeitskreis der Grundschule Lemförde spricht sich für eine Schließung aus.

Grundschulleiterin Cordula Lindemann hat ein Konzept für die Erweiterung des Lemförder Standortes vorgestellt und dabei auch die Schließung des Brockumer Standort ins Gespräch gebracht.

Lemförde/Brockum – Gute zwei Jahre ist es her, dass der Schulausschuss der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ zusammenkam. Wichtige Themen gab es nicht und Berichte verteilte man in Corona-Zeiten lieber schriftlich. Die erste Sitzung in der neuen Wahlperiode, die startete am Dienstagabend aber gleich mit einem Paukenschlag. Grundschulleiterin Cordula Lindemann stellte ein Konzept für die Erweiterung des Lemförder Standortes vor und brachte in dem Zusammenhang auch eine Schließung der Brockumer Außenstelle ins Gespräch. Vorweg: Entschieden ist noch gar nichts. Lindemanns Bericht war lediglich der Auftakt zu einem langen und vermutlich intensiven Diskussionsprozess, an dessen Ende der Samtgemeinderat bestimmen wird, wo die Reise hingeht.

Ausgangspunkt des jetzt gestarteten Prozesses war der Wunsch der Grundschulleiterin, angesichts des schon länger absehbaren Anstiegs der Schülerzahlen endlich konkret in die Planung einer Schulerweiterung einzusteigen. Im Gespräch ist sie schon seit einigen Jahren, doch in Angriff genommen wurde sie bislang nicht.

Nach Rücksprache mit der Landesschulbehörde machte sich Cordula Lindemann im November gemeinsam mit Mitarbeitern und Elternvertretern ans Werk. Das Ergebnis dieser Besprechungen und die wesentlichen Punkte des Berichts der Fachkraft für Arbeitssicherheit der Landesschulbehörde, die sich beide Standorte angeschaut hatte, stellte sie am Dienstag in einem rund einstündigen Vortrag vor.

Brockum schließen oder erhalten?

Am Anfang hatte die grundsätzliche Überlegung gestanden, ob die Außenstelle Brockum mit je einer ersten, zweiten und dritten Klasse erhalten bleiben soll oder nicht. Für den Erhalt spricht aus Sicht des Arbeitskreises, dass es ein kleiner überschaubarer Standort ist, an dem sich manche Kinder besser entfalten können als an einer großen Schule. Das Argument der kurzen Wege für die Kinder aus der südlichen Samtgemeinde führt der Arbeitskreis ebenfalls an, weist aber auch darauf hin, dass auch dort ein Großteil der Schüler „Buskinder“ sind.

Die Liste der Argumente, die gegen eine Weiternutzung sprechen, ist deutlich länger. So zählt die Fachkraft für Arbeitssicherheit eine Reihe von Mängeln auf, von denen einige problemlos behebbar sind, einige aber nicht. Ein Raum hallt stark und benötigt einen Schallschutz, der Putzmittelraum ist nicht belüftbar, die Gardinen in den Klassen sind nicht feuerhemmend, es fehlt ein Erste-Hilfe-Raum, die außen liegende Fluchttreppe ist nicht überdacht (Unfallgefahr im Winter). Außerdem dürfen die Toiletten nicht außerhalb des Schulgebäudes untergebracht sein, in der Klasse 3c gibt es keinen zweiten Fluchtweg, und beide Fluchtwege aus dem Lehrerzimmer verlaufen nicht gerade, was aber bei einem der Fall sein müsste. Außerdem sind die drei genutzten Klassenräume mit 44 bis 49 Quadratmetern sehr klein. Zum Vergleich: In Lemförde sind sie laut Lindemann 60 bis 70 Quadratmeter groß. Ein weiteres Problem: Bis 2025 müssen alle Schulen barrierefrei sein. Das Brockumer Gebäude ist es nicht.

Neben baulichen Mängeln sieht die Schulleiterin auch zusätzliche Belastungen für Schüler und Lehrer durch die zwei Standorte. So müssen die Kinder für den Sportunterricht mit dem Bus nach Lemförde und anschließend zurückfahren. Musikunterricht sei wegen des geringen Platzes in Brockum nur eingeschränkt möglich, zum Werkunterricht müssten die Drittklässler ebenfalls nach Lemförde gebracht werden. Einige Förder- und die Ganztagsangebote gibt es nur in Lemförde. Die Lehrer müssen zum Teil an beiden Standorten unterrichten und darum ständig pendeln. Manchmal seien sie in Brockum nur zweit – zu wenig, wenn es einen Notfall gebe.

Das Fazit des Arbeitskreises: Sanierungskosten und Belastung von Lehrern und Schülern könnten einen Weiterbetrieb der Außenstelle zwar zulassen, aber andere Punkte wie die zu kleinen Räume und fehlenden Fluchtwege machen einen Weiterbetrieb eigentlich unmöglich. Der Arbeitskreis spricht sich darum für die Schließung Brockums aus. Die Brisanz ihrer Ausführungen ist der Schulleiterin durchaus bewusst: „Es wird bestimmt ein Aufschrei durch Brockum gehen. Und das kann ich auch verstehen.“

Ganztag und Inklusion brauchen mehr Platz

Für den Lemförder Standort hat der Arbeitskreis ein (Raum-)Konzept für die Beschulung aller Kinder erarbeitet, das auch eine Optimierung des Ganztags beinhaltet. Denn „Ganztag bedeutet nicht, den 45-Minuten-Rhythmus bis 15.30 Uhr auszudehnen und dazwischen eine 30-minütige Mittagspause in der Mensa zu machen“, so Lindemann. Der Bau einer Mensa reiche nicht aus.

Kinder, die sich länger in der Schule aufhalten, bräuchten Zeiten der Anspannung und Entspannung, argumentierte die Schulleiterin. Darum seien Räume etwa für Selbst-Lernzeiten oder Ruhezeiten erforderlich. Auch die Lehrer bräuchten einen Raum abseits des Lehrerzimmers, in dem sie abschalten und Ruhe finden könnten, sagte Lindemann im Hinblick auf den hohen Lärmpegel in einer Grundschule. Darüber hinaus seien Differenzierungsräume für Gruppenarbeit und individuelle Förderung erforderlich.

Und auch für die Inklusion werden zusätzliche Räume benötigt. Derzeit werden in Lemförde elf Schüler inklusiv beschult, vier von ihnen haben eine eigene Schulassistenz, die sich speziell um dieses eine Kind kümmert. Das Problem: Sie sitzen in den normalen Klassen, brauchen aber in gewissen Situationen zum Lernen einen ruhigen Raum ohne Ablenkung. Schüler und Schulassistenz müssten aktuell zum Teil in eine Ecke der Pausenhalle ausweichen, weil es keinen freien Raum gebe, schilderte Lindemann. Das sei nicht tragbar. Aus Sicht des Arbeitskreises besteht also jede Menge zusätzlicher Raumbedarf – und das auch, wenn der Brockumer Standort erhalten bleiben sollte.

Die Schulleiterin brachte für die Erweiterung der Grundschule den Begriff Cluster-Schule ins Spiel. Cluster seien „kleine Schulen“ in der „großen Schule“. Jeder Jahrgang mit drei bis vier Klassen wäre dann ein eigener Cluster mit entsprechenden Klassenräumen, je zwei Gruppenräumen und Lerninseln sowie zwei bis vier Differenzierungsräumen. Hinzu kämen Besprechungs- und Lagerräume, ein Musik- und ein Kunstraum für die Jahrgänge eins und zwei sowie eine Mensa/Aula, die als Multifunktionsraum auch für außerschulische Veranstaltungen genutzt werden könnte.

Die beiden unteren Jahrgänge könnten in einem Neubau auf der angrenzenden Wiese untergebracht werden, die Jahrgänge drei und vier im alten Gebäude.

Verwaltung und Ausschuss überrascht

Soweit die Vorstellungen des Arbeitskreises, die die Ausschussmitglieder und die Verwaltungsvertreter zunächst etwas sprachlos aufnahmen. Auch Samtgemeindebürgermeister Lars Mentrup war nach eigener Aussage überrascht, dass es vonseiten der Grundschule den Gedanken gibt, den Brockumer Standort zu schließen. Eine größere Diskussion gab es an diesem Abend nicht, denn die umfangreichen Informationen müssen alle Beteiligten erstmal sacken lassen.

Allerdings stellte Mentrup wie zuvor schon der Brockumer Ratsherr und Bürgermeister Marco Lampe klar, dass die Samtgemeinde viele weitere Pflichtaufgaben erfüllen muss, unter anderem die Umsetzung des Brandschutzbedarfsplans. Allein aus finanziellen Gründen müssen darum aus ihrer Sicht Abstriche gemacht werden. Mentrup überschlug die Kosten für das Konzept des Arbeitskreises grob mit zwei bis drei Millionen Euro. Darüber hinaus ist zu klären, inwieweit für das Brockumer Gebäude Bestandsschutz gilt, gewisse Defizite, die in neuen Gebäuden nicht zulässig wären, dort also tragbar sind.

Am Ende werde es eine Kompromisslösung geben müssen, sagte Mentrup. So wie es beispielsweise auch beim Neubau des Rathauses gewesen sei. Auch dort habe man zunächst geschaut, was man idealerweise benötige, und dann, was machbar sei. Und so werde es auch bei der Grundschule sein. „Am Ende wird auch immer die Frage stehen, was wir uns leisten können.“

Von Melanie Russ

Die Grundschule in Lemförde soll erweitert werden. In den ursprünglichen Planungen ist ein Anbau im linken Bereich angedacht. Der Arbeitskreis könnte sich auch einen Neubau im hinteren Bereich vorstellen.

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