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Zukunft der Grundschule Brockum: Noch viele offene Fragen

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Von: Melanie Russ

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Im Vorfeld der Sitzung des Schulausschusses besuchten die Mitglieder die Brockumer Außenstelle und besichtigten unter anderem die Klassenräume.
Im Vorfeld der Sitzung des Schulausschusses besuchten die Mitglieder die Brockumer Außenstelle und besichtigten unter anderem die Klassenräume. © Russ

Der Kommunale Schulausschuss der Samtgemeinde hat sich zum zweiten Mal mit der Zukunft der Grundschul-Außenstelle Brockum befasst. Entscheidung? Noch offen.

Brockum – Die Schülerzahlen steigen, in der Grundschule Lemförde wird es schneller als erwartet eng und zugleich steht die Schließung der Außenstelle Brockum mit je einer ersten, zweiten und dritten Klasse zur Diskussion. Klingt paradox. Warum diese Diskussion trotzdem Sinn ergibt, erklärte Samtgemeindebürgermeister Lars Mentrup am Dienstag eingangs der Sitzung des Schulausschusses den rund 30 Zuhörern im Landgasthaus Koch.

Da eine Erweiterung in Lemförde in jedem Fall erforderlich ist, stellt sich die Frage, ob man gleich so groß baut, dass auch für die Klassen der verwaltungstechnisch zur Grundschule Lemförde gehörenden Außenstelle Brockum Platz ist. „Für diesen Gedanken müssen wir Cordula Lindemann dankbar sein. Sie hat der Verwaltung den Ball zugespielt“, sagte Mentrup. In der Januar-Sitzung habe sie anschaulich argumentiert, dass es aus pädagogischer Sicht sinnvoll sei, alle Grundschüler zusammen in Lemförde zu unterrichten.

Die Grundschulleiterin hatte sich mit ihrer klaren Positionierung für eine Schließung der Außenstelle und eines Ausbaus des Lemförder Standorts als Cluster-Schule – die Jahrgänge eins/zwei und drei/vier haben jeweils einen eigenen Bereich – vor allem in Brockum nicht nur Freunde gemacht. Am Dienstag betonte sie darum noch einmal, dass ihre Position nicht allein ihre persönliche Einschätzung widerspiegelt. „Ich vertrete die Meinung des Kollegiums. Wir haben darüber abgestimmt, und es war einstimmig“, stellte sie klar. Die Lehrerinnen, die die Sitzung im Zuhörerraum verfolgten, bestätigten das durch spontanes Tischklopfen.

Bei der Frage erhalten oder schließen geht es natürlich auch um viele emotionale Aspekte, aber aus Mentrups Sicht sind es drei Punkte, die für die Entscheidung des Samtgemeinderates im September wesentlich sind: die pädagogische Sicht, die Bedeutung der Außenstelle als Standortfaktor für Brockum und der finanzielle Aspekt.

Zum Finanziellen gehört zum einen die Behebung baulicher Missstände in Brockum. Eine Vertreterin der Landesschulbehörde hatte eine ganze Liste an Defiziten unter anderem beim Brandschutz und der Barrierefreiheit aufgeführt. Der Landkreis Diepholz teilt deren Auffassung aber offenbar nicht. Bei einem Ortstermin habe die Behörde keine relevanten Sicherheitsrisiken festgestellt, berichtete Mentrup. Hinsichtlich des Arbeitsschutzes ist im Juli ein weiterer Termin geplant. Danach sollte klar sein, wo nachgebessert werden muss. In jedem Fall ist eine neue Heizungsanlage fällig.

Der Weg zu den Toiletten ist nicht überdacht. Ob das geändert werden muss, ist noch offen.
Der Weg zu den Toiletten ist nicht überdacht. Ob das geändert werden muss, muss noch abschließend geklärt werden. © Russ

Bezüglich der finanziellen Auswirkungen beauftragte der Ausschuss die Verwaltung mit einer detaillierten Ermittlung der Kosten bei einem kleinen Anbau mit Erhalt der Außenstelle und bei einem großen Anbau. In einer ersten groben Berechnung hat die Verwaltung Mehrkosten für die große Variante von rund 500.000 Euro ermittelt. Nach Einschätzung von Cordula Lindemann ist das viel zu knapp bemessen. Die neuen Klassenräume seien mit 52 Quadratmetern zu klein geplant. Die vorhandenen seien 60 bis 70 Quadratmeter groß. Außerdem benötige man für jeden Klassenraum einen Differenzierungsraum für individuelles Arbeiten. Die Verwaltung hat beim Anbau nur einen für drei Klassenräume vorgesehen. Nach Lindemanns Rechnung ist eher von einer Million Euro auszugehen.

Ermittelt werden sollen auch die laufenden (Energie-) Kosten des Brockumer Gebäudes und die Kosten für erforderliche Sanierungsmaßnahmen, um sie den Neubaukosten gegenüberzustellen. Außerdem wurde der Vorschlag ins Spiel gebracht, eine im Gebäude befindliche Wohnung für den Schulbetrieb umzunutzen. Die ist allerdings derzeit vermietet.

Brockums Bürgermeister Marco Lampe sprach in der zum Teil emotionalen, aber stets in ruhigem Ton geführten Diskussion zwei Aspekte an. Vor dem Hintergrund, dass der Standort Lemförde auch mit Ausbau auf komplette Vierzügigkeit in den kommenden Jahren ausgelastet sein wird, stellte er infrage, ob es sinnvoll ist, den Standort Brockum zu schließen. Denn eine Grundschule darf höchstens vierzügig sein. Bräuchte man mehr Klassen, was nach Einschätzung Lampes angesichts der langfristig geplanten Baugebiete mit mehr als 400 Einheiten zwischen Lemförde und Stemshorn der Fall sein könnte, müsste eine neue Grundschule gebaut werden. Alternativ könnte ein Ausbau des Brockumer Standorts eine Option sein, der dann wieder eine eigenständige Grundschule mit eigener Leitung wäre.

Cordula Lindemann ist dagegen skeptisch, dass durch neue Baugebiete jedes Jahr 20 Kinder dazukommen. Und um Spitzen auszugleichen, sei eine Fünfzügigkeit durchaus möglich.

Außerdem wollte Lampe wissen, ob es Daten dazu gibt, ob Brockumer Grundschüler denn bei der Weitergabe an weiterführende Schulen einen Nachteil haben. Laut Lindemann gibt es solche Statistiken nicht. Sie wiederholte aber mehrere Punkte, bei denen die Brockumer Grundschüler einen Nachteil gegenüber den Lemfördern hätten. So hätten sie weniger Förderunterricht, könnten nicht an der Streicherklasse und dem neuen Projekt „Musik macht Schule“ für die ersten Klassen teilnehmen.

Die Brockumer Ratsfrau Mechthild Kortenbruck nutzte die Einwohnerfragestunde für Kritik in Richtung der Schulleiterin. „Ich schätze Sie sehr, aber ich finde es ein bisschen auffallend, dass von Ihrer Seite nur negative Aspekte genannt werden. Mir fehlen absolut die positiven Signale“, so Kortenbruck. „Ich würde mir ein bisschen mehr Neutralität wünschen.“ Es sei in Brockum nicht alles so schlecht, wie es gemacht werde. „Welche Gründe sprechen denn für ein Erhalt?“, fragte Lindemann zurück. „Ich habe noch kein Kind gesehen, was in Brockum Schaden genommen hat“, lautete Kortenbrucks Antwort. Und wenn sie keinen Musikunterricht in der Schule bekämen, dann bekämen sie ihn vielleicht auch privat.

Eine Brockumerin fragte, ob die für den Erhalt der Außenstelle gesammelten Unterschriften – laut Marco Lampe sind es mehr als 800 aus dem gesamten Samtgemeindegebiet – bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Bislang war das noch nicht der Fall, wohl auch, weil die Unterschriftenliste noch gar nicht weitergegeben wurde. Lars Mentrup: „Uns als Verwaltung liegt die Liste nicht vor.“

Die Verwaltung wird nun die kommenden Monate nutzen, um ihre Hausaufgaben abzuarbeiten und eine vermutlich recht umfangreiche Vorlage für die nächste Sitzung des Schulausschusses nach den Sommerferien vorzubreiten.

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