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Grundschule Brockum: Schulausschuss diskutiert über Zukunft

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Von: Melanie Russ

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Den Grundschulstandort Brockum erhalten oder schließen? Diese Frage bewegt momentan die Gemüter in der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ und am kommenden Dienstag auch den Schulausschuss.
Den Grundschulstandort Brockum erhalten oder schließen? Diese Frage bewegt momentan die Gemüter in der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ und am kommenden Dienstag auch den Schulausschuss. © Brauns-Bömermann

Es geht um eine kleine Schule, vielleicht auch um ein bisschen Romantik. Auf jeden Fall geht es in der Diskussion um den Erhalt der Grundschule in Brockum um Pädagogik und um Geld. Der Schulausschuss berät in Kürze über Schließung oder Weiterführung der Dorfschule.

Lemförde/Brockum – Die Grundschule der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ muss wachsen. Momentan noch teilweise dreizügig, führt nach Einschätzung der Verwaltung an einem Ausbau auf Vierzügigkeit in allen vier Jahrgängen kein Weg vorbei. Offen ist aber die höchst brisante Frage, ob im Rahmen des Ausbaus die Außenstelle Brockum mit je einer ersten, zweiten und dritten Klasse geschlossen und künftig alle Grundschüler in Lemförde unterrichtet werden sollen.

Grundschulleiterin Cordula Lindemann hatte in der Januarsitzung des Schulausschusses mit ihrer klaren Positionierung für eine Schließung für einen Paukenschlag gesorgt. Die Ausschussmitglieder waren von dieser Deutlichkeit überrascht, einige Brockumer machten umgehend mobil, starteten unter anderem Unterschriftenaktionen für den Erhalt ihrer Grundschule.

Im Hintergrund wurde in den vergangenen Monaten viel diskutiert und gerechnet, am Dienstag, 14. Juni, befasst sich nun der Schulausschuss zum zweiten Mal öffentlich mit dem emotional aufgeladenen Thema. Das letzte Wort wird dann aber noch nicht gesprochen. Es geht um den Austausch der Argumente, das Beleuchten aller pädagogischen und finanziellen Vor- und Nachteile eines Erhalts der Außenstelle. Die abschließende Entscheidung soll der Samtgemeinderat erst im September fällen.

Während sich die Schulleiterin und einige Brockumer Bürger schon klar positioniert haben, gibt die Samtgemeindeverwaltung noch keine offizielle Empfehlung dazu ab, in welche Richtung die Reise gehen soll. Eine Tendenz pro Erhalt der Außenstelle ist aber erkennbar.

Cordula Lindemann hatte im Januar während ihrer Präsentation im Namen eines Arbeitskreises, in dem auch Mitarbeiter und Elternvertreter involviert waren, mehrere Argumente für eine Schließung des Brockumer Standorts angeführt, sie hatte aber auch – weniger – Argumente vorgebracht, die für einen Erhalt sprechen würden.

Argumente für eine Schließung

Zum einen nannte sie diverse bauliche Mängel, die eine Vertreterin der Landesschulbehörde bei einem Ortstermin festgestellt hatte. Es ging um mangelnden Feuer- und Schallschutz, aber auch die Toiletten außerhalb des Schulgebäudes und die fehlende Barrierefreiheit fielen negativ auf. Zudem seien die Klassenräume mit 44 bis 49 Quadratmetern sehr klein. In Lemförde sind sie laut Lindemann 60 bis 70 Quadratmeter groß. Aktuell wird laut Verwaltung geprüft, welche dieser Mängel behoben werden müssen, da die Außenstelle eigentlich Bestandsschutz genießt, also nicht in allen Punkten heutigen Standards entsprechen muss.

Neben baulichen Mängeln sieht die Schulleiterin zusätzliche Belastungen für Schüler und Lehrer durch die zwei Standorte. So müssen die Kinder für den Sportunterricht mit dem Bus nach Lemförde und anschließend zurückfahren. Musikunterricht sei in Brockum nur eingeschränkt möglich, zum Werkunterricht müssten die Drittklässler ebenfalls nach Lemförde kommen. Einige Förder- und die Ganztagsangebote gebe es nur in Lemförde. Die Lehrer müssten zum Teil an beiden Standorten unterrichten und darum ständig pendeln. Manchmal seien sie in Brockum nur zweit – zu wenig, wenn es einen Notfall gebe, argumentierte Lindemann.

Argumente für einen Erhalt

Zur „ausgleichenden Darstellung“ geht die Verwaltung in ihrer Vorlage ausführlicher auf die Argumente für einen Erhalt des Brockumer Standorts ein. Dafür spreche vor allem das Schulklima an einer kleinen Dorfschule. „Die Kinder lernen in einem geschützten Umfeld und erfahren eine individuellere Behandlung“, argumentiert die Verwaltung.

Als Vorteil nennt sie außerdem, dass der Schulweg für die meisten Kinder kürzer sei. Allerdings reichen die Brockumer Kinder nicht aus, um die Klassen komplett zu füllen, wie die Verwaltung einräumt. Für auswärtige Kinder wäre auch der Brockumer Standort nicht „um die Ecke“. Cordula Lindemann hatte in der vergangenen Sitzung berichtet, dass aus den drei Klassen insgesamt nur 22 Schüler zu Fuß kommen.

Ein weiteres Pro-Argument: In der Gemeinde Brockum hänge an der Schule eine große Portion Identifikation mit dem Ort und auch die Erhaltung von Tradition und Brauchtumspflege. Sowohl die Kinder des dortigen Kindergartens als auch die der Grundschule nähmen am örtlichen Vereinsleben und sonstigen gesellschaftlichen Aktionen wie Senioren-Weihnachtsfeiern teil.

Zudem sei das Vorhandensein eines Kindergartens und zumindest einer Grundschule für Brockum ein Standortfaktor bei der Wahl des Wohnortes. „Es ist also zu begrüßen, dass sich nicht alles auf den Flecken Lemförde konzentriert. Gerade dieser Aspekt wurde auch bei der Wahl des Neubaus der Kita in Hüde berücksichtigt“, argumentiert die Verwaltung.

Es geht auch ums Geld

Neben pädagogischen Fragen, die für die Verwaltung nach eigener Aussage im Vordergrund stehen, geht es aber natürlich auch ums Geld – und auch das ist angesichts der schwierigen finanziellen Situation der Samtgemeinde keine ganz unwichtige Frage.

Laut Verwaltung müssten bei Erhalt der Außenstelle Brockum am Lemförder Standort drei Klassenräume plus Differenzierungsraum ausgebaut werden, ohne die Außenstelle wären sechs Klassenräume und zwei Differenzierungsräume notwendig. Die Mehrkosten für die zweite Variante beziffert die Verwaltung nach einer ersten groben Berechnung auf knapp 500 000 Euro. Zwar müsste bei Erhalt des Brockumer Standorts auch dort investiert werden, die Kosten lägen aber „auf keinen Fall im sechsstelligen Bereich“, wie Hauptamtsleiterin Kerstin Schult auf Nachfrage erklärte.

Sitzung Schulausschuss

Der kommunale Schulausschuss kommt am Dienstag, 14. Juni, in die „Höhle des Löwen“. Er tagt ab 18 Uhr im Landgasthaus Koch in Brockum.

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