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GPS-Diebstähle: „Das waren Profis!“

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Von: Melanie Russ

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GPS-Lenksysteme helfen Landwirten zum Beispiel bei der sparsamen und umweltschonenden Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Dünger sowie bei der präzisen Einsaat. Im südlichen Landkreis Diepholz wurden in den vergangenen Wochen gleich mehrere dieser Geräte gestohlen.
GPS-Lenksysteme helfen Landwirten zum Beispiel bei der sparsamen und umweltschonenden Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Dünger sowie bei der präzisen Einsaat. Im südlichen Landkreis Diepholz wurden in den vergangenen Wochen gleich mehrere dieser Geräte gestohlen. © dpa

In der Region gibt es derzeit auffällig viele Diebstähle von GPS-Geräten aus Landmaschinen. Allein ein Brockumer Landwirt beklagt einen Schaden von 25000 Euro.

Brockum/Wetschen – Nachts um ein Uhr hat er mit ihnen noch Mais gelegt, am nächsten Morgen waren die GPS-Lenksysteme von Ludwig Mohrmanns Traktoren verschwunden. Gestohlen, offenbar von Profis. „Das müssen Leute gewesen sein, die sich gut auskennen“, ist der Brockumer Landwirt überzeugt. Sein Schicksal teilt er aktuell mit mehreren Landwirten in der Region.

Der Polizei sind sechs Fälle aus Brockum, Wetschen und Varrel im Süden des Landkreises Diepholz bekannt, in denen in den vergangenen drei Wochen zum Teil gleich mehrere GPS-Geräte inklusive Zubehör entwendet wurden, wie Pressesprecher Thomas Gissing auf Nachfrage berichtete. Geschätzter Gesamtschaden: 100 000 Euro. Im Nordkreis wurden bislang keine Fälle gemeldet.

Gelegenheitsdiebe waren vermutlich nicht am Werk, denn die GPS-Empfänger können zwar relativ einfach von den Traktoren abgeschraubt werden, die Landmaschinen befanden sich laut Polizei zum Teil aber in verschlossenen Hallen, zu denen sich die Täter zumeist gewaltsam Zutritt verschaffen mussten. Auch früher seien schon mal GPS-Geräte gestohlen worden, warum sich die Diebstähle aber aktuell häufen, kann Gissing nicht sagen. Auffällig ist, dass es seit Kurzem in ganz Niedersachsen und einigen anderen Bundesländern vermehrt derartige Fälle gibt.

Ludwig Mohrmann wurden nach eigener Aussage drei Empfänger und zwei Bildschirme aus seinen Traktoren gestohlen. Den Schaden schätzt er auf mindestens 25 000 Euro. Genau kann er es noch nicht sagen, denn: „Wir waren einer der ersten Betriebe, die mit GPS gearbeitet haben“, so Mohrmann. Seit der Anschaffung der ersten Geräte hat sich die Technik so sehr weiterentwickelt, dass der Landwirt davon ausgeht, dass es mit neuen Empfängern allein nicht getan ist. Vermutlich müssten auch die Kabelstränge erneuert werden. Die Neuanschaffung wird darum voraussichtlich teurer. Zwar hofft Mohrmann, dass seine Versicherung einen Großteil der Kosten übernimmt. „Aber man legt ja immer was bei.“

Der finanzielle Schaden ist das eine. Der Verlust der GPS-Geräte beeinträchtigt aber auch die alltägliche Feldarbeit. „Das hat große Auswirkungen beim Spritzen und beim Düngen“, nennt Mohrmann ein Beispiel. Denn: „Je genauer man arbeitet, desto kostengünstiger und umweltschonender ist es, weil es keine Überlappungen gibt.“ Einige Geräte funktionierten zudem gar nicht ohne GPS-Unterstützung.

Tipps gegen GPS-Geräte-Klau: Gut wegschließen und Registrierdaten aufbewahren

Die Polizei ermittelt nicht nur, sie gibt auch Hinweise, wie sich Landwirte vor derartigen Diebstählen schützen können. Ortungssysteme seien ebenso ein wirksames Mittel zur Wiederauffindung gestohlener Geräte wie eine individuelle Kennzeichnung (Gravuren) einzelner Geräte. „Beides kann Täter abschrecken und eine Zuordnung zum Eigentümer im Falle eines Verlustes ermöglichen“, so die Polizei. Je nach Art und Ausführung habe eine Einfriedung (Zaun) eine nicht zu unterschätzende Barrierewirkung. Ebenso könne eine gute Videoüberwachung eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Täter erzielen oder den Diebstahl für eine spätere Auswertung dokumentieren. Darüber hinaus rät die Polizei zu einbruchshemmenden Türen und Fenstern oder der Montage von Nachrüstsicherungen bei Fenstern.
„Hochwertige Traktoren beziehungsweise Technik sollte nicht auf offenem und abgeschiedenem Gelände abgestellt werden, von wo sie abgeschleppt oder auf Lkw verladen werden könnten“, so die Polizei. Darüber hinaus sei es sinnvoll, Seriennummern oder andere Registrierdaten von Assistenzsystemen aufzubewahren. Das erleichtere es, entwendete Geräte wieder aufzufinden. Die Polizei bittet darum, verdächtige Personen oder Fahrzeuge umgehend zu melden, und weist in diesem Zusammenhang auch auf ihre kostenlose Präventionsberatung hin, bei der alle Interessierten Tipps zum Einbruchsschutz erhalten.

Kontakt und Informationen: E-Mail: praevention@pi-dh.polizei. niedersachsen.de; Tel. 05441/971-107/-108/-109

www.polizei-beratung.de; www.k-einbruch.de

Der Maisanbauer kommt momentan nach eigener Aussage dank eines ausgeliehenen Geräts ganz gut zurecht, weil die Feldarbeiten, die GPS erfordern, gerade weitestgehend abgeschlossen sind. Ein paar Wochen früher wäre der Diebstahl noch schmerzlicher gewesen. Denn an Ersatz ist laut Mohrmann nicht ohne Weiteres zu kommen – zum einen, weil die Nachfrage aufgrund der Diebstahlserie gerade groß ist, zum anderen, weil wegen des Ukraine-Kriegs vieles nicht lieferbar sei. „Wir werden zwei Monate auf die Teile warten müssen.“

Daran, dass die Diebe gefasst werden, glaubt Ludwig Mohrmann nicht so recht. „Die Polizei ist sehr bemüht“, betont er. Aber die Täter hätten keine verwertbaren Spuren hinterlassen. „Das waren Profis.“

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