Gleichgewicht aus den Fugen

Südamerikanisches Land mit bewegter Geschichte im Fokus des Weltgebetstags

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„Gran tangi gi Mama Aisa“ lautet der Titel des offiziellen Bildes zum Weltgebetstag der surinamischen Künstlerin Sri Irodikromo.  

Burlage - Von Melanie Russ. „Wo liegt das eigentlich?“, sei vermutlich die erste Frage, die den meisten Menschen hierzulande durch den Kopf schieße, wenn von Surinam die Rede sei, vermutet Ingrid Rüter-Pfeil aus Lembruch. Sie leitet derzeit die Werkstatt mit rund 20 Teilnehmerinnen, die für die Kirchengemeinden der Dümmerregion eine Veranstaltung zum Weltgebetstag am Freitag, 2. März, in Burlage vorbereiten.

„Gottes Schöpfung ist sehr gut!“ lautet das Motto, im Mittelpunkt steht eben jenes kleine Land im Norden Südamerikas, das es so gut wie nie in die Schlagzeilen und in die Gedanken der Menschen schafft.

Die Gemeinden der Dümmerregion gestalten diesen Tag traditionell gemeinsam. Drei- bis viermal trifft sich die Werkstatt, um sich mit dem Land und dessen Bevölkerung zu beschäftigen, landestypische Rezepte auszuprobieren sowie Lieder und einen Sketch einzustudieren, die den Besuchern der Veranstaltung am Weltgebetstag ein lebendiges Bild von Surinam vermitteln sollen.

„All das ist schon sehr zeitaufwendig. Es ist toll, dass die Frauen so engagiert dabei sind“, freut sich Rüter-Pfeil. Besonders schön sei, dass sich auch jüngere Frauen beteiligten. Für die Lembrucherin und ihre Mitstreiterinnen ist die Vorbereitung auf den Weltgebetstag in jedem Jahr aufs Neue eine lohnenswerte, wenn auch nicht immer ganz einfache Erfahrung. „Manches hat sich eingeprägt“, sagt sie und erinnert sich gerne an die Partnerländer Ägypten oder Kuba. Gerade Kuba sei sehr fröhlich gewesen. Die Beschäftigung mit den Philippinen und ihrer gespaltenen und vielerorts von Gewalt geprägten Gesellschaft im vergangenen Jahr sei dagegen sehr schwierig gewesen. Dennoch überwiegt das Positive. „Jede von uns hat viel dazugelernt“, so Rüter-Pfeil.

Das diesjährige Partnerland Surinam ist ebenfalls kein ganz einfaches Terrain. Die Schönheit des Regenwalds mit seiner geradezu verschwenderischen Artenvielfalt ist von Umweltverschmutzung bedroht. Die Bevölkerung ist ein ethnischer, religiöser und kultureller Schmelztiegel, der aus einer bewegten Vergangenheit, unter anderem als Kolonie der Niederlande, resultiert. Das harmonische Zusammenleben ist laut Lisa Schürmann vom Deutschen Komitee des Weltgebetstags der Frauen zunehmend gefährdet, da die Wirtschaft des Landes extrem vom Gold- und Ölexport abhängig ist und Ideen für nachhaltige Alternativen fehlen. „Dass das Gleichgewicht in Surinams Gesellschaft aus den Fugen gerät, wird besonders für Frauen und Mädchen zum Problem“, schreibt Schürmann. Die Gewalt gegen Frauen und Kinder nehme zu, vermehrt brächen schwangere Teenager die Schule ab.

Diese Themen sollen sich auch in der Veranstaltung zum Weltgebetstag wiederfinden. Zu Beginn um 17 Uhr wollen die Werktstatt-Mitglieder zunächst in einem Sketch auf unterhaltsame Weise über das Land informieren und die Lebensgeschichten von sieben Frauen unterschiedlicher ethnischer Herkunft aus Surinam vorstellen. Gegen 18 Uhr ist ein Imbiss mit landestypischen Speisen geplant: viel Gemüse, Geflügel und Fisch. Um 19 Uhr beginnt der Gottesdienst.

Mit den Kollekten und Spenden, die an diesem Tag zusammenkommen, werden Projekte in Surinam unterstützt. Unter anderem solle Aufklärungsarbeit bei Teenagern geleistet werden, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, berichtet Ingrid Rüter-Pfeil und hebt hervor, dass die Einnahmen des Weltgebetstags nicht in anonyme Aktivitäten fließen. „Man sieht im nächsten Jahr, welche Projekte umgesetzt wurden.“

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