Jacqueline Wehrmann lädt zur Vernissage ins Dümmer-Museum nach Lembruch / Ausstellung läuft noch bis zum 25. Juni

Gläserne Kunstwerke mit Strahlkraft

Glaskünstlerin Jacqueline Wehrmann aus Arrenkamp stellt bewusst ihre Werke in den Vordergrund. Sie lässt viele Farben und Formen entstehen. Das Arbeiten mit Glas bezeichnet Wehrmann als Sucht nach Strahl- und Leuchtkraft. J Foto: Brauns-Bömermann

LEMBRUCH - Von Simone Brauns-Bömermann. „Sucht oder, wie auf Neudeutsch googelt, man Glaskunst, wird man zwangsläufig schnell zu Jacqueline Wehrmann geleitet. Glaskünstlerin aus Arrenkamp“, beginnt Sabine Hacke zur Vernissage von „Springtime“ am Sonntagvormittag die Eröffnung der neuen Ausstellung der Künstlerin. Wehrmanns Werke hängen im weißen Anbau des Museums in Lembruch wie in einem Museum einer Metropole. In der großen Durchgangsvitrine die kleinen Objekte, im Obergeschoss in Tischvitrinen die gläsernen Schmuckstücke der Künstlerin.

Wer die Eröffnung nicht besuchen konnte, sollte bis zum 25. Juni die Ausstellung unbedingt anschauen, denn mit der Glaskunst werden nicht nur gesellschaftspolitische, sondern auch soziologische Exkurse der Künstlerin ausgestellt. Glas sei ein Synonym für Fortschritt, Erfindung und Geschichtsphasen, die gut ins Museum passen, erklärt Hacke weiter.

Die Geschichte des Glases geht 8 000 Jahre bis zum Obsidian, der Glaslava, zurück. Somit ist das natürlich vorkommende Glas eines der ältesten Werkstoffe des Menschen. Von Menschenhand gefertigtes Glas geht zurück bis ins Jahr um 4 500 vor Christi. Ab dem 19. Jahrhundert startet die maschinelle Produktion, seit etwa 1960 gibt es das sogenannte „Floatglas“. „Und ich habe viele Glasreste, die ich sehr gerne weiterverarbeite“, sagt die Künstlerin später im persönlichen Gespräch mit den Vernissage-Gästen. Denn für sie ist Glas ewig jung, sie bezeichnet sich als von Glas Besessene, die nachts aufsteht und eine Idee umsetzt.

„Alles begann vor rund 23 Jahren als ich ein Objekt von Kristian Klepsch in der Hand hielt“, sagt Wehrmann und drückt es ihrem nächsten Nachbarn im Original in die Hand. „Da fing alles an“, ergänzt sie ihren Lebenslauf mit der Glaskunst. „Nach dem Glas-Kursus in Wertheim bei Petershagen an der Weser habe ich mir auf dem Rückweg einen Ofen gekauft.“ Ab dem Zeitpunkt begann die „Sucht“ der Künstlerin nach der Strahl- und Leuchtkraft. Und diese Kraft der Farben und Motive machen die Faszination der Ausstellung aus. Als wandele sie auf den Spuren der Glaskünstler in Murano, Italien, aber alles exklusiv in Lembruch.

Die Ausstellung ist zweigeteilt. Unten die Objekte, oben der Schmuck. Die gehängten Glasbilder haben Namen wie „Po“, „Busen“, „die Genießende“, „der Kuss“ oder „die Liegende“. Die Objekte schließen sich ihrer Leidenschaft für Menschen und Frauen an: Po, grüne Tänzerin, Body. Was dort hängt und steht, ist figürlich mit Glas gemalt als Konterfei, Profil oder Torso. „Ich kann aber nicht malen, jedenfalls nicht mit dem Stift“, sagt Wehrmann. Mit Glas malt sie aber wunderbar. In der Ecke stehen Objekte zum Thema „Upcycling“. Es sind Gläser aus grünem und braunem Altglas, neu arrangiert. Umgedreht entsteht aus einer abgeschnittenen Weinflasche ein Weinkelch. Die Flaschenhälse dienen der Künstlerin als Stiel für Wein- oder Sektschalen. In der Vitrine wird es politisch, wenn Wehrmann aus Glas in den von ihr erlernten Techniken Glasblasen, -pressen, -gießen, -schleifen, -ritzen, -malen oder dem „Glas Fusing“, dem Zusammenschmelzen verschiedener Glasstücke, Boote und Kanus in Anlehnung an die Boatpeople-Thematik fertigt. In den gläsernen Booten finden sich Draht, Gesichter, eine hohle Hand.

Gleich nebendran lachen Gesichter und Köpfe dem Betrachter entgegen. Um die Herstellung mit Form und Gegenform, Ein- und Auspressen von Füllmaterial zu verstehen, ist ein Seminar fällig. Zur „Glassucht“ kam die „Glasperlensucht“: Die Verarbeitung der Miniperlen aus Japan zum Beispiel per Gabelhäkelei zu zauberhaften Schmuckstücken, wie aus der Zeit gefallen schön, und die Sucht, selbst Perlen herzustellen. Ihre Schmuckstücke sind matt, weich wie Samt geschliffen, aus Hohlperlen, wirken mystisch und wie aus der Zeit des Minnesanges. Wehrmann ist ständig auf der Suche nach neuen Verarbeitungsmethoden: „Wie lässt man Glas rosten?“, ist ein neues Kapitel.

Ihr literarisches Vorbild ist übrigens der Dramatiker und Schriftsteller Gerhart Hauptmann. Er beschrieb 1964 wunderschön lyrisch in „Glas, Glas“ die Magie des Werkstoffes, der „Licht und kein Licht“ ist.

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