Gemeinsame Infoveranstaltung

„Es gibt genügend Hilfsangebote, ich muss nur wissen, wo“

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Informationen aus erster Hand im Rittersaal in Lemförde: Christoph Koldewey (v.l.), Christian Bunzel, Utz Kantor und Mathias Pornhagen. 

Lemförde - In der Von-Sanden-Oberschule in Lemförde werden laut Schulleiter Marc Greve derzeit 45 Schüler mit Migrationshintergrund unterrichtet. Einige von diesen verlassen im Sommer die Einrichtung, um in einen Beruf zu wechseln und eine Ausbildung aufzunehmen. Um für die Herausforderungen gewappnet zu sein, die auf Unternehmen zukommen, wenn sie Flüchtlinge als Auszubildende in den Betrieb bringen, hatte die Oberschule in Kooperation mit der Werbegemeinschaft „LemFörderer“ sowie der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ am Montag zu einer Informationsveranstaltung in den Rittersaal eingeladen.

„Flüchtlinge als Auszubildende – Welche Möglichkeiten gibt es?“ lautete das Thema. „Und wir haben uns dazu eine illustre Runde eingeladen, die uns aus vielen Blickwinkeln zu diesem Thema berichten wird“, freute sich Greve in seiner Begrüßung auf den Abend.

„Ich finde es toll, dass Oberschule und ,LemFörderer' gemeinsame Sache machen, das sucht ihresgleichen“, meinte die stellvertretende Samtgemeindebürgermeisterin Stephanie Budke-Stambusch in ihrem Grußwort. Sie verwies auf die seit Jahren bestehende gute Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und der Oberschule. „Die Resonanz ist positiv, es sind schon etliche Jugendliche dadurch in Ausbildung gekommen. Es ist eine Win-win-Situation“, so Budke-Stambusch. Sie begrüßte die Veranstaltung in Lemförde, die wohl „generell eine Premiere ist“.

„Arbeit, Ausbildung, Praktikum – Ausländerrechtliche Möglichkeiten“ hatte Christoph Koldewey von der Ausländerbehörde seinen Beitrag überschrieben. Beginnend mit den unterschiedlichen Begrifflichkeiten ging er auf laufende Asylverfahren ein. Dies besage, dass in den ersten drei Monaten keine Beschäftigung aufgenommen werden dürfe. Es gebe allerdings eine Gesetzeslücke: Wenn jemand aus den sogenannten herkunftssicheren Ländern keinen Asylantrag gestellt habe, dürfe er arbeiten. Einstiegsqualifizierung, Aufenthaltsduldung, Aufenthaltsgenehmigung waren weitere Stichworte, auf die Koldewey einging.

Auf Fördermöglichkeiten bei der Integration von Flüchtlingen und Migranten in Ausbildung und Arbeit durch die Agentur für Arbeit ging deren Vertreter Utz Kantor ein. „Es gibt jede Menge Fördermöglichkeiten der Bundesagentur, aber nicht jeder Jugendliche kommt in deren Genuss“, sagte Kantor.

Ziel der Handwerkskammer Hannover sei es, geflüchtete Menschen in Arbeit zu bringen, führte deren Vertreter Christian Bunzel aus. Beim Einstieg in die Ausbildung seien aber Deutschkenntnis auf B 1-Niveau äußerst wichtig. Die Einstiegsqualifizierung gehe einher mit Sprachförderung und sei eine gute Möglichkeit in die Ausbildung.

„Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse“ war Thema von Constantin von Kuczkowski von der Industrie- und Handelskammer (IHK). „Jeder der kommt, kann seinen Abschluss anerkennen lassen“, machte er deutlich. Syrer lägen inzwischen an erster Stelle bei der Anerkennungsberatung. Ein Verfahren solle normalerweise in drei Monaten abgearbeitet sein. „Aber das ist sportlich“, antwortete von Kuczkowski auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum.

Das Pro-Aktiv-Center (Pace) des Landkreises Diepholz begleitet Jugendliche vom 14 bis 27 Lebensjahr beim Eintritt in den Beruf. Welche Hilfe es darüber hinaus kostenlos, freiwillig und vertraulich anbietet als „Anker und Lotse für die Zukunft“, erläuterte Mathias Pornhagen.

Für die erkrankte Sprachkoordinatorin des Landkreises, Neele Waterstrat, sprang kurzfristig Bianca Wagner-Lückemeyer vom Verein „Orientierung Leben Entwicklung“ (O.L.E.) ein. Sie betreut seit dem 1. Februar ausländische Jugendliche in Ausbildung, führt Gespräche mit diesen, wenn es Probleme gibt und sucht gemeinsam mit Betrieben nach Unterstützungsmöglichkeiten.

„Wir haben gesehen, es gibt genügend Hilfsangebote, ich muss nur wissen, wo ich sie finde“, so das Resümee von Schulleiter Greve.

In ihren Beiträgen zuvor hatten alle Behördenvertreter an die Anwesenden appelliert, in Zweifelsfällen immer erst den Kontakt zu ihnen aufzunehmen, „bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“.

Nach den Beiträgen standen sie zu persönlichen Gesprächen bereit, um weitere Tipps zu geben. 

hwb

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