Gewichtheben der etwas anderen Art

Ab ins Winterlager: Naturschutzring Dümmer holt 80 Bojen aus dem See

Voller Körpereinsatz von Nico Hartmann (vorn) und Patryk Sakowski und die Sicherheit beim Manövrieren von Frank Körner am Außenborder sind beim Bojen-Einholen gefragt.
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Voller Körpereinsatz von Nico Hartmann (vorn) und Patryk Sakowski und die Sicherheit beim Manövrieren von Frank Körner am Außenborder sind beim Bojen-Einholen gefragt.

Hüde/Dümmerlohausen – Die Arbeit geschieht eher unspektakulär, zweimal im Jahr – und sie genießt doch hohen Stellenwert: Das Bergen der weißen, kugelrunden Bojen mit der Aufschrift „Naturschutzgebiet“ an drei Seiten des Dümmers und ihr Legen im Gegenzug Ende März, wenn der Winter vorbei ist.

80 dieser Bojen einzeln an der Kette mit Betongewicht vom Grund herauszuholen, das ist eine körperlich herausfordernde Arbeit. Den Auftrag dazu erteilt der Landkreis Diepholz, sagt der Biologe und Projektleiter Frank Körner vom Naturschutzring Dümmer (Nari). „Wir planen die Bergung immer im Zeitraum mit dem Befahrensverbot auf dem See Anfang November“, erklärt er weiter.

Da ist die Gruppe um ihn mit Nico Hartmann aus Osnabrück, der sein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Nari absolviert, und Patryk Sakowski (Auszubildender beim Lohnunternehmen Henke in Ströhen) schon an den Bojen angekommen, die das südliche Dümmer-Ufer mit Schilfzone schützen. „Gestartet sind wir heute Morgen um acht Uhr am Olgahafen in Dümmerlohausen.“ An der grünen Anglerhose mit integrierten Stiefeln „stand dieses Mal der Name von Nico“, scherzt Körner. Das bedeutet, dass Nico an diesem Morgen immer wieder in den See muss, um die Bojen mit einer Kette in Lasso-Wurf-Manier einzufangen.

Der See ist spiegelglatt, es ist kalt, aber windstill, später kommt die Sonne heraus. Die Strecke, die die Dreiergruppe der Bojen-Einholer hinter sich lässt, führt vom Ostufer in Dümmerlohausen, entlang des Südufers und in einen Teil der Hohen Sieben am Nord-Westufer.

Jede Boje ist an einer Kette befestigt, die mit einem gegossenen Betonfundament verbunden ist. Kette und Boje sind nicht die Gewichte, die ins Kreuz gehen, es sind die Fundamente.

Wozu die ganze Tortur? „Wir wissen ja nie, ob der Dümmer tatsächlich zufriert. Aber wenn wir die Bojen nicht herausholen, laufen wir Gefahr, dass Eisgang sie verschiebt, die Ketten zerreißen und wir die Einzelteile im Naturschutzgebiet im Schilf wieder suchen müssen“, erklärt Körner, der den Job schon an die 25 Jahre macht. Auch abgerissene Betonblöcke könnten sonst auf dem Grund liegen bleiben.

Das Plattbodenboot mit seitlichen Pontons hat sich das Team von Willi Schomaker am Olgahafen ausgeliehen. Der Dümmerlohausener nutzt das Stahlboot, um Stege zu reparieren und hat es gerade neu schweißen lassen. Es bietet genügend Platz, um rund 25 Bojen zu transportieren. Die Charge, die die Drei am Kran an der Hafenstraße kurz vor Mittag abliefern, holt Ulrike Marxmeier vom Nari mit Trecker und Anhänger ab. „Die Betonklötze schleppe ich aber nicht mehr allein wie früher“, sagt die langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Die zwei Etappen am See sind bis Mittag geschafft, es müssen noch die Bojen in der Hohen Sieben raus. Wie Naturschutz und Landkreis Hand in Hand arbeiten, zeigt der Lagerplatz der Bojen: „Die sind derzeit bei mir auf dem Hof an der Haßlinger Straße im Winterquartier“, erklärt Körner.

Manpower erhalten die Naturschützer mit Patryk und der frischt sein Wissen zur praktischen Umsetzung von Landschaftspflege auf. Später muss er den Tag in seinem Berichtsheft dokumentieren: „Keiner ging über Bord“, wird vermutlich einer der Kommentare sein. Trotz nasser Kälte und Knochenjob haben die drei Kapitäne viel Spaß.

Früher hatte Naturschutzwart Walter Kammerahl diese Aufgabe inne, zu einer Zeit, zu der, wie sich die heute über 80-Jährigen erinnern, der See jedes Jahr zugefroren war.

Der alte Holzkahn liegt aktuell als Werbeträger mit Aufschrift „Naturschutzstation“ am Eingang der Steganlage der Segelschule Schlick in Lembruch.

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