Männer in freier Wildbahn

Gerlinde Buddricks Garten am See bietet 64 Mannsbildern Raum

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„Otello“ heißt diese Figur von Bildhauer Klaus Effern (rechts) aus Bremen. Gastgeberin Gerlinde Buddrick (links) moderierte den Rundgang zur Vernissage.

Zwölf künstlerische Positionen zum Thema „Mannsbilder“ erwartet die Besucher in der gerade eröffneten achten Sommerausstellung im Skulpturengarten von Gerlinde Buddrick in Hüde. Jedes Jahr stellt sie ihr Stück Land mit Blick auf den Deich – etwa ein Hektar – verschiedenen Künstlern als Forum zur Verfügung.

Hüde - Buddricks Skulpturengarten steht für ihr Kunstkonzept, das auf der Natürlichkeit und Reduktion des Ortes basiert und Neuem, den Skulpturen, das Wechselspiel mit der Natur ermöglicht. Die Künstlerin und Dozentin bereitet in ihrem Garten den Boden für neue Sichtweisen. Die Pflanzen bilden die Kulisse für die 64 bildhauerischen Arbeiten der zwölf Künstler Bremen, Berlin oder Düsseldorf. Auch Buddrick selbst stellt aus.

Nach dem ersten herantastenden Rundgang nahmen die Gäste im Garten der darstellenden Kunst Platz. Dann erklang die Posaune von Dr. Klaus Bauer, rief zum Aufbruch zum Rundgang gemeinsam mit den Künstlern. Doch zuvor gab Professor em. Dr. György Szèll einen Schnellexkurs über die Geschichte männlicher Skulpturen der vergangenen Jahrtausende: „Die ersten Skulpturen waren Frauenabbilde. Die ersten männlichen stellen nicht den ganzen Mann, sondern sein edelstes Teil, den Phallus, dar.“ Zur tieferen Lektüre sei die Broschüre zur Ausstellung empfohlen. Zum Rundgang mit Gerlinde Buddrick gab der Kunstkenner mit auf den Weg: „Die hier ausstellenden Künstler präsentieren eine große Vielfalt von Ansätzen der Darstellung in Form und Material, sind also Ausdruck von Diversität unserer Gesellschaft.“

Der Antwort auf die Frage Herbert Grönemeyers „Wann ist ein Mann ein Mann?“ auf den Fersen, trottete der Tross der Wissensbegierigen von Kunstwerk zu Kunstwerk. Wie viel ein Mann mit Mensch zu tun hat, dafür stand die erste, offensichtlich geschundene schwarze Holzskulptur von Klaus Effern. „Otello“ heißt die Figur, die eher wie „Nosferatu meets Frankenstein“ anmutet, mit Holzdübeln übersät, klobigen Füssen, zermarterten Beinen und grimmigem Blick ins Umfeld. „Was treibt Dich an?“, lautete eine Frage an den Künstler. „Ich arbeite in der JVA in Bremen mit jungen straffällig gewordenen Männern“, deutete Effern die Quelle seiner Inspiration an. Er kreierte diese Schmerzensmänner, wie er sie nennt, übergroß, zerschnitten im Material, gekittet, zerbrochen.

Silke Rehberg aus Münster schaffte diese dreigeteilte Skulptur des Kunsthistorikers Bazon Brock, die im Schilf versteckt liegt, und ließ ihn den Himmel über Hüde bestaunen. 

Unten ein Block, oben gedrungene androgyne Figurengruppe: Das ist die Bildsprache von Hans-J. Müller. „Ich beginne bei meiner Arbeit immer mit der Nase, dann ist garantiert, dass sie nicht zu kurz wird im Schaffensprozess“, erläuterte er. Je nach Thema, dem er sich stellt, hält er sich kunsthistorisch an die Form der Herme, die Denkmalform aus der Antike.

Der nächste Künstler Robert Stieve erklärte den Zuhörern seine Skulptur „Zwei“: „Ich halte es wie Umberto Eco. Die gesamte Ethik gründet sich auf den Respekt vor dem Körper“, erklärte Stieve. Seine Skulpturen entstehen nach dem Prinzip des „Non-finito“, Körper grob, Gesichter fein herausgearbeitet aus dem Stein. Seine Werkzeugspuren sollen bewusst den Arbeitsprozess als ein Wechselspiel von Zerstören und Gestalten zeigen.

Unbedingt besucht werden sollte der im Schilf versteckte Professor für Ästhetik, Künstler und Kunsthistoriker Bazon Brock in Ton, engobiert und in Öl, liegend in den Himmel über Hüde schauend. Entstanden ist dieses Mannsbild unter den Händen von Silke Rehberg. Sie präsentiert neben Bazon eindrucksvoll weitere Vertreter der Kunstszene, aufgespießte Mannsbilder in gewagten Körper- und Kostümstudien.

Alle Künstler der Ausstellung, die der Definition „Mannsbild“ auf der Spur sind, eint: Ein Mannsbild ist ein Mann, von dem man sich eine bestimmte Vorstellung macht.

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