Gerd Spiekermann begeistert Zuschauer im Lemförder Amtshof

Plattsnacker lässt humorvolle Bilder entstehen

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Nicht nur wort-, sondern auch gestenreich: Gerd Spiekermann.

Lemförde - Von Christa Bechtel. „Das war super!“ oder „War das ein lustiger, amüsanter Abend!“ – nur zwei begeisterte Stimmen von Besuchern, die am Mittwochabend fast alle mit einem Lächeln auf dem Gesicht den Lemförder Amtshof verließen. Auf Einladung von „KulturBunt“ gastierte dort Gerd Spiekermann, den seine Fans liebevoll „Mr. Plattdeutsch“ nennen.

„Die Veranstaltungen mit Gerd Spiekermann sind mir die allerliebsten: Ich weiß, es ist ausverkauft“, sagte „KulturBunt“-Vorsitzender Ernst Völkening lächelnd in seiner Begrüßung. In der Region werde noch ordentlich Platt gesnackt. „Ich freue mich, dass Du ein Publikum hast, das immer noch Platt spricht“, meinte Völkening und Spiekermann antwortete spontan mit einem „Cool“.

Er sei seit etwa einem halben Jahr Rentner, erklärte der bekannte Plattsnacker aus Funk und Fernsehen zum Auftakt, der seitdem Sprüche höre wie: „Na, wie geht es dir? Kommst du nicht vor Langeweile um?“ Was er am Rentnerdasein besonders schätze: „Dass ich jetzt selbst meine Termine mache!“ Das Erste, was er gestrichen habe, seien die Pflichttermine gewesen. Schon zählte er Gold- und Silberhochzeiten oder Firmenjubiläen, Beerdigungen auf und fragte einen Besucher: „Hast du einen Smoking?“, um ein spontanes „Nein“ zu ernten. „Wenn du im Smoking zur Grillparty gehst, bist du overdressed. Aber wenn du in Gummistiefeln zur Beerdigung gehst – bist du underdressed“, so Spiekermann, der zu seinem Abschied das Buch „Die hohe Schule des guten Benehmens“ geschenkt bekommen hat. „Das Buch hat eine Frau geschrieben – „mit nem Doppelnamen und von“.

Lachsalven

im Rittersaal

Als der Entertainer dann die Umgangsformen „aufs Korn“ nahm und passend dazu immer die Kommentare aus der „Hohen Schule“ zitierte, erklangen bereits die ersten Lachsalven im Rittersaal. Das sollte sich im Laufe des Abends noch steigern.

Wenn Gerd Spiekermann nämlich seine Geschichten „vertellt“, erscheinen vor dem inneren Auge Bilder – humorvolle Bilder. Wie, als er von seinem verletzten Auge erzählte und ins Krankenhaus musste. Seitdem hat er auch eine besondere Beziehung zu Zeitungen, freut sich über große Bilder und Überschriften. „Meine Geschichten entstehen aus der Beobachtung im Alltag, aus Details, aus Erinnerungen an banale Vorgänge, hinter denen ich aber mehr vermute“, gibt er auch im Gespräch mit unserer Zeitung schmunzelnd zu.

Zwischendurch las der Autor aus seinem Buch „Tööv mol even“. Hier wirft Spiekermann einen Blick zurück in seine Kindheit, as dat dormols so weer, findet dabei aber auch ohne Umschweife die Verbindung ins Heute, kiekt mol achtersinning, mol nieschierig hinter die Fassaden des Alltags und setzt auf ganz besondere Art und Weise vortreffliche Pointen. In der Pause signierte der Hamburger dann fleißig seine Bücher und CD´s.

Was war das für eine Tied, sien Kinnertied? Im Wechselspiel zwischen Damals und Heute tauchte „Mr. Plattdeutsch“ in die 50/60er Jahre, wo sein Vorbild Uwe Seeler war. Da gab es auch eine Universalmedizin. Schon erklang im Chor „Sanostol“. Als kleines Kind habe er noch Leibchen, sogar mit Strapsen getragen, gab der Övelgönner Seebär schmunzelnd zu. „Kennt ihr das noch?“ Diese Frage wurde zum Programm.

Kult ist seine Geschichte von Oma ehr Schötteldook, die zum Schluss keinesfalls fehlen durfte. Oma, die alles aufbewahrte und auf „Imi“ – ab 1929 eine Marke eines Waschmittel-Konzerns – schwor. Nur, dass das Schötteldook „Omas Unnabüx“ ist. Als Gerd Spiekermann diese mit String- Tanga vorstellte, bogen sich die Besucher vor Lachen. Am Ende spürte er noch seinem Tod nach: „Wenn der liebe Gott einen guten Tag hat, dann melde ich noch an, dass ich nach den Tagesthemen einen guten Film angucken möchte: Casablanca!“ Doch ohne Zugabe entließ das Auditorium ihn nicht. Spiekermann: „Eenen hab ich noch…“.

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