Fotografie mit „Malerei“ vereint

Fotokünstler Nieré zieht sich zurück aufs Land

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Sven-Sönke Nieré interessierte sich schnell für sein neues Zuhause: Er collagierte die Highlights der sieben Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ sehr treffend. Für jede Gemeinde gibt es die eigene „Visitenkarte“, hier Lemförde als Amtssitz. 

„Für uns ist die Zeit im deutschen Big Apple vorbei“, verrät der Künstler in seinem neuen Domizil. Mit uns meint er sich und seine Frau Petra, die in Dielingen sofort einen Job in einer Senioreneinrichtung fand.

Seit 2004 kam das Paar fast regelmäßig von Berlin nach Lemförde. Die Besuche ließen die Liebe zur Landschaft am Dümmer, dessen Aura und die Ruhe stetig wachsen. „Big Berlin ist schlecht schlafen, eine latente Basis an Hintergrundgeräuschen im Ohr wie Helikopterbrummen, Schienen- und Autoverkehrslärm, das Klacken der Blindenampel.“

Die Umbauphase des roten Backsteinhauses verbucht der Fotokünstler, der sich als gelangweilt vom Wetteifern in der Fotografie distanziert, als großen Abenteuerspielplatz. Doch 2017 war es dann soweit: „Wir wollten einfach nicht mehr warten mit dem Umzug“, sagt Nieré. Es sei noch nicht alles perfekt, aber die meisten Kartons seien schon eingeräumt. Das Gebäude baute Nieré, der 1960 in Hamburg geboren wurde und 1969 mit der Familie nach Berlin zog, barrierefrei um, erhielt die alten Baumaterialien. Die nächste Baustelle sei das Dachgeschoss als Fotowerkstatt mit Studio.

Ausstellung im Medizinischen Versorgungszentrum

In Brockum kennen ihn die Menschen „übern Zaun“ und von seinem Stand auf dem Brockumer Markt. Das war neu vor zwei Jahren: Jemand, der auf Leinwand fotografisch verfeinert und künstlerisch modifiziert, Landschaften um den Dümmer, die Moore, die Tiere, ruhige Orte, aber auch die Konterfeie und Silhouetten der sieben Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ collagiert. Darauf war natürlich auch die Marktleitung des Brockumer Marktes aufmerksam geworden. „Spontan wurde sogar ein Gewebebanner gedruckt von Brockum zu Werbezwecken“, erläutert Nieré.

Mit seinen Werken „Dümmerimpressionen“ stellt der Fotokünstler im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Diepholz bis März aus, Teil zwei folgt reibungslos. Wer also Lust auf Natur im Krankenhaus hat oder Sehnsucht nach Haus, besucht als Patient oder mit Besuch die Flure im MVZ.

„Gips, nein, das wird zu glatt“

Der Liebe zur Natur, vielleicht sogar der Sehnsucht der damit gepaarten Ruhe, ging allerdings die Faszination für die Anmut menschlicher Körper voraus, die nie erlosch, betont Nieré. Schon als Kind habe er kleine Skulpturen geformt, damals als Beschäftigung. „Mit Vierzehn besuchte ich die ersten Kurse für Fotografie, später erlernte ich Aktfotografie“. In den 1990er Jahren betrieb Nieré ein Atelier für Körperabformung. „Gips, nein, das wird zu glatt“ ist die Antwort auf die Frage, mit welchem Material er arbeitet. Es sei Alginat, das bilde naturalistischer ab, sei persönlicher, zeige jede Hautunebenheit, Falte und Narbe. Eben die Person. Bei Alginat handelt es sich um einen aus Algen gewonnenen Stoff, der auch als Geliermittel verwendet wird.

In seiner neuen Schaffensphase für 2018/19 schwebt Nieré eine Serie Bilder vor, die sich an den alten Meistern wie Botticelli, Rembrandt, Vermeer und auch Klimt orientiert. Letzter als Entwurf ist bereits fertig: Dazu lichtete er ein Liebespaar ab und beamte es quasi in das Motiv „Der Kuss“ von Gustav Klimt. Das Original von Klimt, der als Begründer und Hauptvertreter des Jugendstils der Wiener Künstlerbewegung der Sezession gilt, entstand in seiner goldenen Periode, in der er Elemente der byzantinischen Mosaikkunst aus Ravenna aufgriff. 

Nicht dem Hype der Hightech-Fotografie folgen

Nieré arbeitet so: „Ich sehe etwas und habe schnell eine Vorstellung davon, wie es werden soll.“ Sein Anspruch: „Malerei“ mit Fotografie verbinden, aber nicht dem Hype der Hightech-Fotografie folgen.

Das Paar lebt sehr gerne in Brockum, allen Unkenrufen zum Trotz, die warnten: „Oh, Brockum, da musst Du erstmal reinkommen.“ Damit haben der Künstler und seine Frau kein Problem. Gewöhnungsbedürftig war da eher das Angebot an differenzierten Lebensmitteln: „Wir kochen beide sehr gerne asiatisch. Und glauben Sie, da ist Berlin Spitzenreiter.“

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