Geistreiche literarische Verkostung

Wittler und Koch servieren „Kater Poesie“

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Der Rahdener Detthard Wittler bietet im Lemförder Rittersaal eine geistreiche literarische Verkostung.

Lemförde - Von Christa Bechtel. Äußerst „angeheitert“ verließen die Besucher nach gut zweieinhalb Stunden den Lemförder Rittersaal im Amtshof. Literarisch und musikalisch hatte ihnen dort – passend zum Aschermittwoch – der Verein „KulturBunt“ „Kater Poesie“ serviert. Das alles andere als nüchterne Programm kredenzten Detthard Wittler (Rezitation/Gesang) und Helmut Koch (Gitarre/Gesang) aus Rahden.

„Wir genießen heute eine geistreiche literarische Verkostung“, hatte Hermann Vocks vom „KulturBunt“ bei seiner Begrüßung vielversprechend verkündet. Detthard Wittler habe dazu literarische Perlen herausgesucht. „Wenn sich mein Affe und mein Kater ,guten Morgen‘ sagen – der eine grinst, der andere faucht und spuckt – dann habe ich ein solch Gefühl im Magen, als hätt’ ich eines Landbriefträgers Fuß verschluckt.“ Mit diesem Vierzeiler von Fred Endrikat (1890-1942) eröffnete Detthard Wittler das Programm und hatte sofort die Lacher auf seiner Seite.

Zeitreise auf der Spur des Alkohols

Das Thema Alkohol, dessen Gebrauch, aber auch Missbrauch, in Lyrik, Prosa und Musik einschließlich Katzenjammer, zog sich durch den kurzweiligen Abend. „Das, was Sie heute Abend erleben, wird es so nie wieder geben. Denn Sie, unser Publikum, Sie werden sich in dieser Zusammensetzung und Sitzordnung niemals wieder so zusammenfinden“, meinte Wittler launig, und Helmut Koch, seit mehr als 50 Jahren im Geschäft, stimmte Reinhard Meys „Freunde, lasst uns trinken“ an.

Die Zeitreise durch die verschiedenen Epochen begann Wittler im alten Orient. „Der Wiege aller eurasischen Kulturen. Und prosten uns durch bis zur Gegenwart“, erklärte der frühere Lehrer. Aber: „Ich muss euch warnen: Betrunkene Menschen singen gerne.“ Was er hie und da auch mal tat. Als sicher gelte, dass die ersten alkoholischen Getränke der Menschheit Bier und Wein gewesen seien. „Wein war in Vorderasien und Ägypten schon seit 3500 vor Christus bekannt, insbesondere bei den Sumerern und Babyloniern“, berichtete der Rahdener, der kurze Zeit später ergänzte: „Um 1800 vor Christus wird bereits der Beruf der Schankwirtin erwähnt. Na dann… Prost!“ Dieser Satz zog sich wie ein roter Faden durch das Programm. Doch erst einmal gab Wittler noch einige Beispiele aus dem Alten Testament, wo nicht nur Wein, sondern auch Bier erwähnt werde. Aber auch die alten Griechen kannten sich mit dem Alkohol bestens aus. Helmut Koch, der Wittler ein kongenialer Begleiter war, sang die passenden Lieder dazu. Da wurde im Rittersaal schon mal kräftig geschunkelt.

Gitarrist Helmut Koch ist Detthard Wittler ein kongenialer Begleiter.

Noch später zitierte Detthard Wittler Dichter wie Gottfried Keller, Robert Gernhardt und sogar Martin Luther, der sich immer wieder mit dem Thema Alkohol beschäftigt hatte. Doch auch Klassiker wie Goethe, der ein kräftiger Zecher gewesen sein soll, Schiller, der ebenfalls gerne trank, Lessing, E.T.A. Hoffmann, für den der Wein ein Heilmittel war, und Joseph von Eichendorff blieben nicht unerwähnt. Passend zu dieser bierseligen Stimmung ließ Koch ein Paul-Kuhn-Medley mit Bierliedern erklingen – und das Publikum sang mit glänzenden Augen mit. Perfekt mimte Wittler aber auch einen alkoholisierten Autofahrer. Und als er das Märchen „Hopfel & Gerste“ der Gebrüder Gin zum Besten gab, rannen die Lachtränen nur so. Die übertrugen sich auch zu Fritz Grasshoffs „Halunkenpostille“.

Drei Zugaben zu später Stunde

Im zweiten Teil spürte das Duo der Frage nach, ob der schönste Platz tatsächlich an der Theke sei. Dazu entführten Wittler und Koch das Auditorium in das Berlin der 1920er/30er-Jahre zu Heinrich Zille, zu Otto Reuthers „Überzieher“ oder zu Erich Kästners „Hamlets Geist“. Auf Aphorismen folgte noch so manches Glas Bier. Schließlich: „Was uns vereint in diesem Laden, das ist der Leberschaden.“ Oder: „Der Kopf tut weh, die Füße stinken, höchste Zeit, ein Bier zu trinken.“ Das Finale widmeten beide Erich Kästners „Lautsonate“ mit Unterstützung des Publikums, das so hellauf begeistert war, dass noch zu später Stunde drei Zugaben folgten.

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