Gastronomen kritisieren Regelungen der aktuellen Corona-Verordnung

Zu kurzfristig und zu schwammig

Gaststätten wie das Landhaus Wiedemann in Wagenfeld haben es momentan wieder schwer.
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Gaststätten wie das Landhaus Wiedemann in Wagenfeld haben es momentan wieder schwer.

Stemshorn/Wagenfeld – Christian Hodde, Geschäftsführer von Tiemanns Hotel in Stemshorn, ist richtig sauer. Nicht so sehr wegen der neuerlichen Einschränkungen durch die aktuelle Corona-Verordnung, obwohl die den Gastronomen auch treffen. Was ihn ganz besonders ärgert, sind die Kurzfristigkeit der Entscheidungen der Landesregierung und die „schwammigen Formulierungen“ der Verordnung.

Letztere sorgten am Freitag für große Aufregung bei vielen heimischen Gastronomen. Der Stein des Anstoßes: Bei einem Inzidenzwert ab 50, wie er aktuell im Landkreis Diepholz besteht, sind private Zusammenkünfte und Feiern an öffentlich zugänglichen Orten nur mit maximal zehn Personen aus maximal zwei Haushalten oder Angehörigen erlaubt.

Mehr als zwei Haushalte an einem Tisch?

Gilt die Beschränkung auf zwei Haushalte oder Angehörige aber auch beim Restaurantbesuch? Thorsten Finke, Betreiber des Dümmerhotels Strandlust in Lembruch, ist nach einem Gespräch mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Niedersachsen der Auffassung, dass dem nicht so ist. Laut Dehoga dürften weiterhin bis zu zehn Personen aus mehr als zwei Haushalten an einem Tisch Platz nehmen, erklärt er mit Verweis auf Paragraf 2, Absatz 2 der Verordnung. Denn das sei keine „private Zusammenkunft“, sondern eine Gruppe.

Der Landkreis Diepholz teilt diese Lesart allerdings nicht. Die Pressesprecherin erklärte auf Nachfrage, die Regelung maximal zehn Personen aus maximal zwei Haushalten gelte ab dem Inzidenzwert 50 auch in der Gastronomie.

Wer sich direkt an der Quelle informieren und einen Blick in die Verordnung des Landes werfen möchte, der sei gewarnt. Ihm könnte vor lauter Paragrafen, Absätzen und Querbezügen schwindelig werden. Christian Hodde hat keine Wahl. Als Gastronom muss er sich mit dem Papier beschäftigen. Viele Stunden habe er schon mit dem Studium der Paragrafen verbracht, erzählt er. „Die Verantwortung wird auf die Gastronomie abgewälzt“, beklagt er mit Blick auf die für einen juristischen Laien nur schwer verständlichen Regelungen.

Christian Hodde: Gastronomen brauchen mehr Vorlauf

Das ist aber nur das Eine. Die aktuelle Verordnung sei schon die dritte innerhalb einer Woche, so Hodde. Am Donnerstagnachmittag wurde sie bekannt gegeben, seit Freitag ist sie in Kraft. So geht es aus seiner Sicht nicht. Denn die frische Ware für die Reservierungen der kommenden Tage, die nun storniert wurden, hat er schon im Haus. Die Gastronomen bräuchten wenigstens eine Woche Vorlauf. „Das alles kostet im Moment ganz schön viel Kraft und Nerven.“

Hodde betont, dass er die Notwendigkeit von Einschränkungen bei steigenden Infektionszahlen durchaus sieht. „Und wenn es wieder zu einem Lockdown kommt, dann ist das eben so.“ Aber aus seiner Sicht stimmt die Verhältnismäßigkeit aktuell nicht, wenn ein Großteil der Infektionen im Landkreis zwei Hotspots zuzuordnen ist. Darum lässt Hodde durch seinen Anwalt gerade eine einstweilige Verfügung gegen das Land prüfen.

Albert Wiedemann jun., einer der beiden Vorsitzenden des Dehoga-Kreisverbands Diepholz-Sulingen, und Inhaber eines Gasthauses in Wagenfeld, kann Christian Hodde nur beipflichten. „Die Leute sind verunsichert und kommen nicht.“ Die aktuellen Beschränkungen für die Gastronomie sieht er kritisch. „Damit drängt man die jungen Leute geradezu dazu, zu Hause zu feiern.“ Auch die Begrenzung des Alkoholausschanks helfe nicht gerade. „Niemand kommt hierher, um ein stilles Wasser zu trinken“, weiß Wiedemann. Dabei gehe es ihm nicht darum, dass sich die Gäste betrinken, sondern dass sie auch zu späterer Stunde ein paar Bier trinken dürfen.

Die Begrenzung auf zwei Hauhalte sei für ihn besonders problematisch, erklärt Wiedemann. „Wir sind ein Vereinslokal und leben davon, dass sich Gruppen und Sportvereine bei uns treffen.“

Der Dehoga versuche zwar, auf die verantwortlichen Politiker einzuwirken und auf die Problematiken der Gastronomen hinzuweisen, „aber er kommt nicht ran“.

Albert Wiedemann fürchtet, dass viele seiner Kollegen einen zweiten Lockdown wirtschaftlich nicht überleben werden. Arbeitnehmer gingen zu Not in Kurzarbeit, „aber unsereins muss sehen, wie er die laufenden Kosten trägt“.

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