Tod braucht Raum

Grabsteine auf Burlages Kirchplatz erzählen von Individualität, Persönlichkeit und Schicksal

Diese Gruppe von Grabsteinen besteht aus in Obernkirchen gebrochenem Sandstein aus dem 18. Jahrhundert. Die Erinnerungssteine sind typisch für norddeutsche stehende Stelen, versehen mit Eckdaten der Toten, dort mit derben Engelsköpfen und Rundbogen als oberem Abschluss.
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Diese Gruppe von Grabsteinen besteht aus in Obernkirchen gebrochenem Sandstein aus dem 18. Jahrhundert. Die Erinnerungssteine sind typisch für norddeutsche stehende Stelen, versehen mit Eckdaten der Toten, dort mit derben Engelsköpfen und Rundbogen als oberem Abschluss.

Ein Spaziergang über den Friedhof in Burlage.

Burlage – Auf dem Friedhof in Burlage hält ein bronzener Kleiber auf einem Findling Wache. Schlicht, unaufdringlich, ohne viel Prosa gewährt der kleine Vogel tiefe Einblicke in das Leben der weltbekannten Tierbronze-Bildhauerin Edith von Sanden-Guja aus Ostpreußen. Ihre Bronzen finden sich im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg, im Speicher neben dem Heimatmuseum des Angerburger Patenkreises Rotenburg / Wümme und im Dümmer-Museum in Lembruch.

Die Künstlerin starb 1979. Sie und ihr Ehemann Walter fanden im Exil ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof des ehemaligen Benediktinerinnen-Klosters St. Marien in Burlage. Der Findling mit Bronzefigur gehört der modernen Interpretation des Gedenkens an Verstorbene an.

Ein bronzener Kleiber hält auf einem Findling Wache, der als Grabstein der Tierbronze-Bildhauerin Edith von Sanden-Guja aus Ostpreußen und ihrem Mann Walter dient.

Das Grabdenkmal steht im Gegensatz zu der Grabplatte der Agnes Hedemann (verstorben 1591), die an der Westwand der heutigen Burlager Kirche steht und den Tod der Enkelin des Konrad von Diepholz und Domherrn zu Köln erzählt. Agnes war verheiratet mit dem Pächter des Klostergutes Burlage, Albert von Kanne. Ihre Brüder dienten dem Grafen zu Diepholz auf der Burg in Lemförde als Amtsschreiber, Rentmeister und Leibdiener.

Zwischen diesen Grabgedenk-Skulpturen liegen mehrere Jahrhunderte. Wie in einer Bibliothek lässt sich auf Friedhöfen viel Spannendes lernen. Beim weiteren Spaziergang über das ruhige Gelände stößt man an der Südseite der Kirche auf eine Gruppe von Grabsteinen aus in Obernkirchen gebrochenem Sandstein aus dem 18. Jahrhundert. Die Erinnerungssteine sind typisch für norddeutsche stehende Stelen, versehen mit Eckdaten der Toten, dort mit derben Engelsköpfen und Rundbogen als oberem Abschluss. Bei einigen Steinen fehlt das Sterbedatum. Eine Erklärung dafür ist, dass es gebräuchlich war, wie Särge auch den Grabstein zu Lebzeiten anfertigen zu lassen. Die Gruppe der Sandsteine ist namentlich alten Geschlechtern des Kirchspiels Burlage zuzuordnen.

Hat man diese Steine erst einmal entdeckt, ist man längst in die Biografien der Verstorbenen unterschiedlicher Epochen eingetaucht, hat über die Schönheit der Grabsteine vergangener Zeiten innerlich gelächelt, manchmal aber auch über den Kitsch am Grab die Nase gerümpft.

Ein Stein fällt allerdings beim Betreten auf der Westseite am Haupteingang in der Hecke auf: „Darauf ist eine Biene und ein Kokon zu erkennen“, erklärt Silvia Langhorst, Küsterin, Friedhofsgärtnerin und Kirchenführerin in Ausbildung. „Das ist wirklich interessant, denn die Biene ist auch auf Napoleons Wappen und auf seinem Krönungsmantel zu finden. Dort steht das Tier für Unsterblichkeit, Macht und Wiedergeburt. Im christlichen Glauben steht das Symbol für Tod und Auferstehung und das neue Leben.“ Auf dem Stein in Burlage steht ganz unten geschrieben: „… ein Schlachtopfer Napoleons …“ Darüber vereint sich, beschrieben im Tod, die gesamte Familie von Pastor Georg Friederich Oldendorp.

Den Grabstein auf der Westseite am Haupteingang schmückt eine Biene, die auch zum Wappen Napoleons gehörte. Ganz unten steht „ein Schlachtopfer Napoleons“.

Wie Architektur, Mode und Design unterliegen Grabsteine der Mode der jeweiligen Zeit. Manchmal verschwinden sie ganz, wie das Beispiel der Grabsteine der beigesetzten Nonnen des Klosters auf dem nördlich der Kirche gelegenen „Jungfernfriedhof“ zeigt. Dort fand man die Begräbnisplätze aus sechs Gräberreihen. Die letzte Klosterfrau wurde dort 1672 beerdigt. „Die alten, nach der Säkularisierung des Klosters 1662 verfallenen Leichensteine der Jungfern wurden 1730 von Pastor Friderici meistbietend nach Eickhöpen und Hüde verkauft“, schreibt Archivar Ludger von Husen in der Marler Chronik.

Die Klosterkirche in Burlage samt Umfeld ist schon jetzt im Projekt „Historisches Kirchengemeindelexikon der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover“, das 2025 abgeschlossen werden soll, enthalten. In der Beschreibung findet sich unter dem Stichwort „Friedhof“ der Eintrag: „Bedeutender Bestand an historischen Grabdenkmälern“.

Weitere Informationen: www.kirchengemeindelexikon.de

Von Simone Brauns-bömermann

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