Safwan Taamari ist Anfang 2014 mit seinem Sohn aus Syrien geflohen

Safwan Taamaris größter Wunsch ist ein Pass

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Wartet seit anderthalb Jahren auf die Anerkennung als politisch verfolgter Flüchtling und seinen Pass: Der aus Syrien stammende 48-jährige Safwan Taamari, der mit mehr als 20 weiteren Flüchtlingen in einer Unterkunft am Mastenweg in Marl wohnt, mit der zertifizierten Integrationshelferin Hannelore Köhler, die ihn in allen Belangen unterstützt.

Lemförde - Von Gerhard Scheland. Safwan Taamari ist 48 Jahre alt, stammt aus Syrien und lebt seit knapp zwei Jahren in der Samtgemeinde „Altes Amt“ Lemförde. „In meiner Heimat haben früher Muslime und Christen gemeinsam Weihnachten gefeiert“, berichtet er, „aber seitdem in Syrien der Terror herrscht, ist alles anders geworden.“

Weil er schon seit über anderthalb Jahren auf die Anerkennung als politisch verfolgter Flüchtling wartet, ist der größte Weihnachtswunsch des 48-Jährigen, „dass ich endlich einen Pass bekomme.“ Weil er aber auch an andere denkt, nennt er als zweiten Wunsch, „dass alle Menschen glücklich werden.“

Safwan Taamari ist Anfang 2014 zusammen mit seinem 17-jährigen Sohn Yousef aus Aleppo in Syrien geflohen. Über die Türkei und Bulgarien kamen beide nach Deutschland. Die 41-jährige Ehefrau Ghada blieb ebenso wie die beiden Mädchen Rayan (15) und Ragad (8) sowie die Söhne Ahmad (10) und Agied noch mehr als anderthalb Jahre in ihrer krisengeschüttelten Heimat, sind inzwischen aber ebenfalls aus Syrien geflohen, gemeinsam mit dem 15-jährigen Neffen Safi.

Die Familie hat es vor gut drei Monaten über die Türkei, Griechenland, Serbien, Ungarn und Österreich geschafft, über die deutsch-österreichische Grenze nach Bayern zu kommen. Sie sind in einer Flüchtlingsunterkunft in Riesa in Sachsen untergekommen. Nach der Registrierung haben die Mutter und ihre vier Kinder alle behördlichen Hindernisse überwunden. Nur für den Neffen fehlt noch die Anerkennung.

Einige hundert Kilometer trennen Safwan Taamari von seiner Frau und seinen Sohn Yousef von den jüngeren Geschwistern. Beide wohnen mit fast 20 weiteren Flüchtlingen in einer Unterkunft im Mastenweg in Marl. Betreut werden alle von der zertifizierten Integrationshelferin Hannelore Köhler. Seit der Ankunft der überwiegend aus Syrien stammenden Flüchtlinge hilft die 70-Jährige den Männern unterschiedlicher Altersgruppen, sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Sie hat die Flüchtlinge unter anderem bei der Anmeldung unterstützt, hat ihnen geholfen, die Post zu ordnen und zu übersetzen, hat ihnen klar gemacht, wo sie sich bewegen dürfen und wo nicht, hat sie bei Behördengängen begleitet und von Beginn an darauf gedrängt, „dass die Flüchtlinge Deutsch lernen.“ Das hat so gut gefruchtet, dass ihr schon mehrere Männer beim Übersetzen helfen können. Beim regelmäßigen Deutschunterricht wird Hannelore Köhler inzwischen von zwei Pensionären unterstützt. „Das erleichtert meine Arbeit ungemein“, zeigt sich die 70-Jährige zufrieden.

Safwan Taamari ist einer der Männer, die schon so gut Deutsch sprechen, dass sie der Integrationshelferin beim Übersetzen helfen können. Nicht zuletzt wegen seines Fleißes fühlt sich Hannelore Köhler ihrem Schützling verbunden. Sie wünscht sich nichts sehnlicher als eine Familienzusammenführung und sucht aus dem Grunde im Bereich der Samtgemeinde ein Haus oder eine Wohnung für acht Personen. Wer eine Unterkunft zur Verfügung stellen möchte, sollte sich unter Telefon 05443/20941 im Ordnungs- und Sozialamt der Samtgemeinde oder bei Hannelore Köhler unter Telefon 0159-05302360 melden.

Weil sich die Wünsche der Integrationshelferin und der Familie Taamari bis zum Jahreswechsel kaum realisieren lassen, planen der Ehemann und sein Sohn für Weihnachten, den in Riesa wohnenden Teil der Familie zu besuchen. „Nach der langen Trennung wollen wir uns unbedingt wiedersehen, zumal ich am ersten Weihnachtstag Geburtstag habe und meine Frau gestern 42 Jahre alt geworden ist.“

In die Heimat zurückkehren möchte Safwan Taamari nicht. „Auch wenn es in Syrien wieder ruhiger werden sollte, werden ich und meine Familie dort nie sicher sein“, betont er und nennt ein anderes Ziel: „Wenn das Asylverfahren abgeschlossen ist und ich im Besitz eines Passes bin, werde ich mich um einen Platz als Koch bemühen und mir damit einen Traum erfüllen.“

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