Feuerwehrbedarfsplan vorgestellt

Gutachter: Feuerwehr der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde ist leistungsfähig

Grafik zur Abdeckung der Samtgemeinde Lemförde bei sieben (links) und bei vier Feuerwehr-Standorten gegeben.
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Eine ausreichende Abdeckung der Samtgemeinde Lemförde ist laut Gutachten sowohl bei sieben (links) als auch bei vier Standorten gegeben.

Der Feuerwehrbedarfsplan für die Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ liegt endlich vor. Fazit des Gutachters: Es gibt kleine Defizite, aber insgesamt ist die Feuerwehr gut aufgestellt. Einige Ortsfeuerwehren würden künftig gerne zusammengehen, andere bleiben lieber eigenständig.

Lemförde – Es war eine schwere Geburt, doch jetzt ist er endlich fertig, der Feuerwehrbedarfsplan für die Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“. Schon Anfang 2019 hatte es die ersten Gespräche mit den Ortsfeuerwehren gegeben, doch dann ging es nicht so recht voran. Zuletzt auch, weil Corona persönliche Treffen verhindert, aber wohl auch, weil es in den Ortsfeuerwehren Diskussionsbedarf zu möglichen Zusammenlegungen gab. Entschieden ist diesbezüglich mit der einstimmigen Absegnung des Bedarfsplans durch den Samtgemeinderat am Dienstagabend noch nichts.

Laut Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Scheibe wurde der Entwurf im Samtgemeindeausschuss und bei mehreren Treffen mit der Feuerwehr ausführlich besprochen. Was genau besprochen und diskutiert wurde, etwa im Hinblick auf mögliche Fusionen, ist nicht überliefert. Denn in der öffentlichen Sitzung äußerten sich die Fraktionen nicht.

Zusammenlegungen

Gutachter Manfred Fennen stellt in dem Papier lediglich dar, dass die Schutzziele auch mit den vier Feuerwehrstandorten Lembruch, Hüde/Marl, Lemförde und Brockum erreicht werden könnten. Stemshorn könnte sich demnach Lemförde oder Marl/Hüde anschließen, Marl und Hüde könnten zusammen gehen und Quernheim könnte sich Brockum oder Lemförde anschließen. Ortsfeuerwehren könnten sich dabei auch einen Standort teilen, aber eigenständig bleiben.

Laut Verwaltung haben die Ortsfeuerwehren Marl/Hüde und Quernheim/Lemförde zwischenzeitlich Unterlagen zu Fusionsabsichten eingereicht, die der Gutachter nun bewerten soll. Die Ortsfeuerwehr Stemshorn möchte dagegen eigenständig bleiben. Nach Einschätzung von Samtgemeindebrandmeister Hermann Dannhus steht diese Entscheidung vorerst. In Stemshorn gebe es viele junge Mitglieder, die Kameradschaft sei gut, das wolle man nicht aufgeben. Die Chemie mit der Lemförder Wehr passe nicht so ganz.

In der Ratssitzung am Dienstagabend erläuterte der Gutachter die gesetzlichen Rahmenbedingungen, auf deren Grundlage er den Bedarfsplan erstellt hatte, nannte einige Eckpunkte zum aktuellen Zustand der Ortsfeuerwehren und zu empfohlenen Veränderungen, ging aber nicht auf die Details ein. Die sind in dem 140 Seiten starken Papier nachzulesen, das die Samtgemeinde auf ihrer Homepage im Ratsinformationssystem zur Verfügung stellt.

Ausrückzeiten

Zwar hat Manfred Fennen bei seiner Analyse ein paar Defizite bei Ausstattung, Feuerwehrhäusern und Personal ausgemacht, insgesamt stellt er der Feuerwehr aber ein positives Zeugnis aus: „Sie ist leistungsfähig.“

Konkrete gesetzliche Vorgaben, wann eine Feuerwehr den örtlichen Gegebenheiten entsprechend leistungsfähig ist, gibt es laut Fennen in Niedersachsen nicht. Eine wesentliche Kennzahl für die Leitungsfähigkeit einer Feuerwehr ist die Ausrückzeit, also die Zeit von der Alarmierung bis zur Ankunft am Einsatzort. Als Berechnungsgrundlage dient ein angenommener „kritischer Wohnungsbrand“. 400 bis 600 Menschen sterben laut Fennen jedes Jahr bei solchen Bränden. Gemäß der sogenannten Orbit Studie kann es ein Mensch 13 Minuten in einem brennenden Wohnhaus aushalten, spätestens nach 17 Minuten ist eine Reanimation in der Regel nicht mehr erfolgreich.

Aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Rettung von Menschen geht Fennen in seinem Gutachten davon aus, dass die Ortsfeuerwehren in den ersten zehn Minuten nach Alarmierung mit sechs Feuerwehrleuten vor Ort sind und nach weiteren fünf Minuten mit zwölf Feuerwehrleuten. Da in der Samtgemeinde bei entsprechender Gefahrenlage generell mehrere Ortsfeuerwehren ausrücken, geht Fennen davon aus, dass die Feuerwehren die genannten Hilfsfristen in mehr als 80 Prozent der Notfälle einhalten und damit die rechtlichen Vorgaben erfüllen. Eine hundertprozentige Erfüllung sei nie möglich.

Personal

In der Samtgemeinde sind laut Gutachten aktuell 229 Menschen in der Feuerwehr aktiv. Das sei ein sehr guter Personalstand, so Fennen. „Marl und Quernheim sind aber ziemlich dicht an der Grenze zur Mindestanforderung.“ In der Tagesbereitschaft benötigt die Feuerwehr demnach für die Besetzung ihrer Fahrzeuge insgesamt 75 Feuerwehrmitglieder. Laut den Personaldarstellungen der Ortsbrandmeister sind 103 Mitglieder vor Ort. Auch Atemschutzgeräteträger sind genügend vorhanden – fast dreimal so viele wie erforderlich. Allerdings ist Marl diesbezüglich unterversorgt.

Feuerwehrhäuser

Das Feuerwehrhaus Brockum wurde 2011 gebaut und entspricht den aktuellen Anforderungen. Hier sind keine Maßnahmen erforderlich. Am Feuerwehrhaus Lembruch steht aktuell der weitere Umbau an. In allen weiteren Häusern ist es insgesamt recht beengt, es fehlt zum Teil eine Schwarz-Weiß-Trennung, die Parkplatzsituation ist zum Teil ungünstig.

Für das Feuerwehrhaus Lemförde soll 2023 die Planung beginnen. Bis dahin muss geklärt sein, ob dort eine weitere Ortsfeuerwehr einzieht.

Für die Feuerwehrhäuser Hüde Marl empfiehlt der Gutachter, jeweils einen Anbau oder – bei Zusammenlegung – einen Neubau zu prüfen. In Lemförde muss geprüft werden, ob an dem Standort saniert und erweitert wird oder ob ein Neubau eine wirtschaftlichere Lösung darstellt. Bei einem Neubau müsste geprüft werden, ob dort eine weitere Ortsfeuerwehr (Quernheim) angedockt werden soll. Auch in Quernheim sind eine Sanierung, eventuell ein Neubau oder der Umzug nach Lemförde fällig. Am Feuerwehrhaus Stemshorn ist nach Ansicht des Gutachters ebenfalls ein Anbau erforderlich, um die Raumprobleme dauerhaft zu lösen.

Fahrzeuge/Gefahren

Einige der Fahrzeuge haben laut Gutachten bereits ein so hohes Alter erreicht, dass die Einsatzfähigkeit aus technischer Sicht nicht mehr gegeben ist. Aus gutachterlicher Sicht seien über 20 Jahre alte Fahrzeuge nicht mehr Stand der Technik. Hier sei eine Neubeschaffung erforderlich.

Bei den geplanten Anschaffungen für die einzelnen Standorte spielen die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten eine wesentliche Rolle. So sind im Bereich Brockum wegen der großen Wald- und Moorgebiete Vegetationsbrände eine besondere Gefahr. In Hüde gibt es viele Reetdachhäuser, Ferienhäuser und Campingplätze, in Lembruch eine sehr hohe Dichte an Ferienwohnungen und Campingplätzen, mehrere Hotels und den Marissa Ferienpark, außerdem sind in beiden Gemeinden der Dümmer und die B51 weitere Gefahrenbereiche.

Im Löschbezirk Lemförde sind die Risiken in alter und teilweise sehr enger Bebauung zu sehen. Hinzu kommen Einkaufszentren, Gewerbe, Schulen und Kitas sowie der Brandschutz für die BASF ergänzend zu deren Werksfeuerwehr. Im Quernheimer Einsatzgebiet liegt ebenfalls ein Teil des BASF-Werks. In Marl befinden sich einige Sonderbauten. Besonders zu nennen ist hier Poly Plast mit hohen Brandlasten.

In Stemshorn sind neben der sehr ländlichen Bebauung ebenfalls einige Sonderbeuten vorhanden, zum Beispiel die Genossenschaft mit Getreide und Spritzmitteln und andere Gewerbebetriebe.

Ein Knackpunkt ist die Löschwasserversorgung im Außenbereich der Samtgemeinde. Im Gutachten sind insgesamt 31 landwirtschaftliche Anwesen, Ställe und Wohnhäuser aufgeführt, bei denen im Brandfall die örtliche Löschwasserversorgung nicht ausreicht. Um das auszugleichen, soll im Lembruch als Stützpunktfeuerwehr ein Gerätewagen Logistik (GW-L2) mit 2000 Meter Schläuchen angesiedelt werden.

Baumaßnahmen und neue Fahrzeuge

2021/2022: Fertigstellung Feuerwehrhaus Lembruch

2022: Planung, Erweiterung/Sanierung und Baumaßnahme Feuerwehrhaus Stemshorn

2023: Planungen Erweiterung/Sanierung Feuerwehrhaus Lemförde, Auslieferung MLF Stemshorn

2024: Baumaßnahme Feuerwehrhaus Lemförde, Auslieferung TLF 2000 Brockum

2026: Auslieferung GW-L 2 mit MZB Lembruch

2027: Auslieferung TLF 4000 FF Lemförde

Über die Umsetzung der im Feuerwehrbedarfsplan vorgesehenen Maßnahmen muss der Samtgemeinderat jeweils gesondert abstimmen.

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