Feuchtwanger-Schüler begeistern mit meisterlichem Spiel in Lemförde

Klavierklänge im Rittersaal

Lemförde - Von Christa Bechtel. „Normalerweise ist hier jemand, der jetzt in London ist und leider aus gesundheitlichen Gründen nicht herkommen kann. Aber ich weiß, was jetzt aufgenommen wird, spätestens in zwei Tagen bei ihm sein wird“, erklärte am Mittwochabend im fast ausverkauften Lemförder Rittersaal KulturBunt-Vorsitzender Ernst Völkening, der das Publikum aufforderte, Genesungswünsche für Prof. Peter Feuchtwanger in Form eines kräftigen Applaus‘ zu spenden.

„Denn das Gefühl ist ein unwahrscheinlich guter Heiler“, betonte Völkening. Daher war auch der traditionelle Feuchtwanger-Klavierabend Ende August mit „Ein musikalischer Gruß nach London“ übertitelt. Und: „Heute haben wir das ungeheure Glück, dass wieder diese Feuchtwanger Jüngerinnen und Jünger uns zeigen, was sie können und wie viel Spaß sie daran haben“, stellte der KulturBunt-Vorsitzende heraus, der versprach: „Es wird überraschend gut werden.“ Charmant und kompetent führte dann die Bramscherin Oksana Köhn durch das weitere Programm.

Das wurde sogleich mit einer Weltpremiere von Petra Neuhaus-Hanisch mit „Raga Bhatiali“ eröffnete. Das Lied der Bootsführer auf den großen Flüssen Indiens aus der Feder von Peter Feuchtwanger. Da die Noten der Komposition nicht zur Verfügung standen, hatte Petra Neuhaus-Hanisch das Stück unter anderem durch das Abhören einer alten BBC-Aufnahme der Originalversion rekonstruiert und notierte die Hauptstimme für Klavier. Mit echohaften Effekten improvisierte sie im Verlauf des Stückes gekonnt eine zweite Stimme hinzu.

„Ich empfinde es als großes Glück, Peter Feuchtwanger als Mentor zu haben“, akzentuiert Susanne von Laun, die eine der raren Spezialistinnen für historische Tasteninstrumente ist. Mit perlendem Anschlag und wunderbarer Feinfühligkeit ließ sie von Michael Haydn das Klavierstück Es-Dur, MH 468 und später im zweiten Teil von Franz Xaver Mozart „Rondeau F-Dur op. 4 sowie aus den „Liedern ohne Worte“ von Mendelssohn-Bartholdy op. 102 Nr. 4 und op. 30 Nr. 6 erklingen.

Der Diepholzer Gregor Prozesky ist nicht nur Rechtsanwalt, sondern studierte auch Klavier an der Hochschule für Musik Bremen. Mitgebracht hatte er die „Sechs Klavierstücke“ op. 19 von Arnold Schönberg – minimalistisch, doch sehr expressiv. Bravourös eröffnete Prozesky später den zweiten Teil mit Feuchtwangers „Tariqua II, wo sich der Komponist in der Charakteristik der gewählten Themen auf arabische Musiktraditionen ausrichtete.

Typisch für Chopin ist seine romantisch-poetische Musik wie das „Nocturne g-moll, op. 15 Nr. 3, das Stanislaw Widulin sensibel vortrug. Virtuos spielte Widulin, der Feuchtwanger einen großen Einfluss auf seinen pianistischen Stil zuschreibt, Chopins „Scherzo Nr. 3 cis-moll, op 39“. Wegen der Fülle der im choralartigen Mittelteil erklingenden gebrochenen Akkorde hat es auch den Beinamen „Das Scherzo mit dem Engelchor“. Exzellent brachte Klaus Cutik vor der Pause zwei pianistische Kostbarkeiten zu Gehör: „Etude Des-Dur op. 15 Nr. 8“ von Serge Bortkiewicz und „Frühlingsrauschen“ von Christian Sinding.

„Am prägendsten für mein Klavierspiel wurde die Begegnung mit Prof. Feuchtwanger“, unterstreicht ebenfalls Daniel Kasparian, der auch Assistent des Londoner Klavierpädagogen ist. Meisterhaft spielte er zwei Werke von Bach, die von Wilhelm Kempff bearbeitet wurden, sowie spritzig „Pipperment Get“ von Déodat de Séverac, ein Stück mit Witz und Pfiff, was man dem Interpreten auch ansah.

Auch Achim Clemens erhielt seine prägende pianistische Ausbildung bei Feuchtwanger, mit dem er seit jungen Jahren arbeitet. Als sein Assistent ist er zudem Herausgeber der Klavierwerke Feuchtwangers. Da bebte der Rittersaal, als Clemens brillant und präzise den „Feuertanz“ aus dem Ballett „Der Liebeszauber“ von Manuel de Falla interpretierte. Fulminant beschlossen Achim Clemens und Oksana Köhn den Konzertabend mit der „Ungarischen Rhapsodie Nr. 2“ von Liszt – vierhändig in einem grandiosen Hand-in-Hand-Spiel.

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