Renate Neef stellt „Liebesgrüße aus Deutschland“ von Wladimir Kaminer vor

Eigentümliches und viel Wunderbares

Renate Neef stellte im LiteraTourTreff von Wladimir Kaminer das Buch „Liebesgrüße aus Deutschland“ vor. - Foto: Bechtel

Lemförde - „Liebesgrüße aus Moskau“ – der Titel ist als unvergessener James Bond Film nach der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ian Fleming in die Geschichte eingegangen. „Liebesgrüße aus Deutschland“ hat der aus Moskau stammende Wladimir Kaminer geschrieben, der laut Deutschlandradio Kultur „längst eine Standardgröße der deutschen Selbstreflexion ist“. Das humorvolle Buch stellte die Lembrucherin Renate Neef jetzt im LiteraTourTreff in der Caféteria im Wohnpark II in Lemförde vor.

„Wir mussten heute sogar noch anbauen“, freute sich Anja Woetzel, Betreuerin im Wohnpark, zur Begrüßung über die große Runde aus Bewohnern und auswärtigen Gästen. Mit den Worten: „Das Thema Flüchtlinge ist in den letzten Wochen etwas in den Hintergrund gerückt. Die Gemüter haben sich beruhigt und man schaut gelassener auf das Thema. Es gibt etliche Deutsche, die sich mit dem Slogan ,Andere Länder, andere Sitten‘ schlecht anfreunden können. Ähnlich geht es auch Menschen, die nach Deutschland einwandern und sich über die Gepflogenheiten unserer Menschen hier amüsieren“, startete Renate Neef in die Lesung.

Besonders treffend habe Wladimir Kaminer mit seinen Büchern wie „Russendisko“, „Ich bin kein Berliner“, „Mein deutsches Dschungelbuch“ oder „Mein Leben im Schrebergarten“ den Menschen hier einen Spiegel vorgehalten.

Kaminer, der 1967 in Moskau geboren wurde, sei Toningenieur für Theater und Rundfunk und habe später Dramaturgie am Theaterinstitut in Moskau studiert, stellte die Referentin den Autor näher vor. Der kam 1990 nach Berlin, lernte Deutsch und schrieb anfangs Texte und Artikel für verschiedene Zeitungen. Neef: „Er entwickelte sich zum Vielschreiber und glänzte mit Themenvielfalt.“

Mit seinem trockenen Humor beschreibe er viele Alltagssituationen und Eigenarten der Deutschen. „Einiges natürlich völlig überzogen, eben mit seinem unverwechselbaren russischen Humor“, so die Lembrucherin. Zudem sei Kaminer ein guter Beobachter und hinterfrage die kleinen Dinge des Lebens mit Witz und gesundem Menschenverstand.

Aus seinem Buch „Liebesgrüße aus Deutschland, das 2011 im Manhattan Verlag erschien, hatte sie ein paar Geschichten für ihre Zuhörerschaft ausgewählt. Zum Beispiel „Schneechaos“, eine Bezeichnung, die es im Russischen nicht gibt, aber in Deutschland, wenn nur wenige Flocken fallen.

Bei der „Leberwurst“, die Kaminer als Überraschung in einem Mannheimer Hotel bekam, die er aber nicht mit in den Flieger nehmen durfte, da ‚Flüssigkeiten‘ verboten seien, wurde bereits herzhaft gelacht. Spätestens bei den „Einverständniserklärungen“, die man in Deutschland überall braucht, selbst für Kindergeburtstage, kamen die Lachmuskeln richtig in Bewegung.

Die Begegnung des Russen mit „Prinz Charles“ während eines Essens im Schloss des Bundespräsidenten hinterließ auch in Lemförde einen nachhaltigen Eindruck.

Wladimir Kaminer meint jedenfalls, Deutschland, seine Wahlheimat hätte allerlei Eigentümliches und viel Wunderbares zu bieten. „Nach dieser Lektüre erkennen wir selbst, was für ein lustiges Volk wir im Grunde sind“, meinte Renate Neef abschließend. - cb

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