Dümmerforum auf dem Schäferhof in Stemshorn stößt erneut auf reges Interesse

„Die Sofortmaßnahmen am See greifen“

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Dümmer-Koordinator Helmut Weiß eröffnete das Forum.

Stemshorn - Das Interesse an den regelmäßigen Dümmerforen zur Rettung des zweitgrößten Binnensees Niedersachsens ist ungebrochen. Am Donnerstag trafen sich Vertreter des Landkreises, von Naturschutz, aus Landwirtschaft, behördliche Vertreter und zahlreiche Gäste am Schäferhof in Stemshorn, um sich von Dümmer-Koordinator Helmut Weiß und den Referenten auf den neuesten Sachstand bringen zu lassen.

„Es besteht gar kein Zweifel, dass wir an der Rettung des Sees weiterarbeiten werden und müssen“, schickte Weiß den aktuellen Berichterstattungen von Bernd Lehmann, Hans-Heinrich Schuster und Jörg Prante vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) voraus. Denn wie sich aus der Bilanz des Biologen Schuster ergab, sei das Sanierungsziel des Dümmers ohne Schilfpolder zur Reinigung der Phosphorfracht aus der Hunte und dem Einzugsgebiet des Dümmers nicht erreichbar.

Zur Historie der Problemerkennung: Bereits 1983 erstellte Professor Dr. Wilhelm Ripl von der TU Berlin sein „Limnologisches Gutachten Dümmersanierung“, das von der Landesregierung bis heute unumstritten ist. Darin kommt er zum Schluss: „Zur Verringerung der Nährstofffrachten in der Hunte ist ein Maßnahmenpaket notwendig, bestehend aus zwei Teilen: 1.: Oberhalb des Dümmer soll ein Poldersystem von geeigneter Größe angelegt werden, um die Abflüsse einzustauen und durch Sedimentation von Trübstoffen und Nährstoffen in partikulärer Form zu befreien. 2.: Das meistbelastende Teileinzugsgebiet, das des Bornbachs, ist über den Randkanal umzuleiten. Unter Punkt 7.2: „Zusätzliche Maßnahmen sind erforderlich, teils um bis zum Ausbau eines Schilfpoldersystems eine weitere Verschlammung zu vermeiden“.

Prof. Ripl legte mit der Aufzählung klare Prioritäten fest. Die Praxis und Umsetzung erfolgte jedoch in anderer Reihenfolge: Kontinuierliche Entschlammungsmaßnahmen, Bornbachumleitung und geplanter Schilfpolderbau. Wie wichtig die schnelle Umsetzung des Schilfpolders ist, zeigte die Entwicklung im Dümmer 2015: Zwar war die touristische Nutzbarkeit des Sees in diesem Jahr weniger beeinträchtigt als 2014, da die Blaualgen des Sees nicht aufschwammen, der Flachsee sich aber nach wie vor durch anhaltend hohe Nährstoffzufuhr und Hochwasserereignisse in einem labilen ökologischen Zustand befände, so Schuster.

Lehmann erläuterte: „Die Sofortmaßnahmen am See wie Tauchwände, Strömungsbildner und Wasserstrahldüse greifen“. Es gäbe Planungen zur Umleitung des Venner Moorkanals in den Bornbach, die bereits betriebene Phosphat-Fällanlage könne am Reiniger Graben alternativ eingesetzt werden. Die Entschlammung der Hunte bei Wittlage sei erfolgt, um eine Reduzierung des Sedimenteintrages (Phosphat) in den Dümmer zu erreichen.

„Wir sind in regem Kontakt mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes zur Kappung von Hochwasserspitzen durch Abschläge in den Mittellandkanal im Hochwasserfall.“

Resonanz der

Landwirte ist positiv

Die Erweiterung der Schlammdeponie Rüschendorf sei in Planung, um eine geplante Schlammentnahme von 80000 Kubikmetern im See zu ermöglichen. Christian Schröder zeigte sich in der Resonanz der landwirtschaftlichen Beratung zu gewässerschonender Düngung, Rand- und Blühstreifen positiv. „Die Kooperationsbereitschaft der Landwirte ist hoch, wir haben einen 65 prozentigen Rücklauf der freiwilligen Betriebserhebungsbögen und die Landwirte wollen mitgestalten.“

600 Betriebe würden beraten und auf die Frage, ob bereits weniger Nährstoffe unterwegs seien, ging er davon aus. Allerdings sollten die finanziellen Anreize zur Anlage von Gewässerrandstreifen nachgebessert werden bei dem aktuellen Flächendruck mit Höchstpreisniveau. „Greifen die Maßnahmen der Reduktion des Eintrages, kann die Größe des Schilfpolders so gering wie nötig ausfallen“, damit stieg Jörg Prante in den Sachstand zur Umsetzung ein. Die Bemessung sei derzeit an die erste Ausbaustufe mit 118 Hektar mit Ziel 30 Prozent weniger Phosphateintrag. Von den 118 Hektar befänden sich bereits 80 in öffentlicher Hand.

Die Trägerschaft des Schilfpolders obläge dem NLWKN, Genehmigungsbehörde sei voraussichtlich der Landkreis Osnabrück und die Baukosten seien ohne Landerwerb geschätzt bei 18,8 Millionen Euro. Die Ausschreibung musste europaweit erfolgen und derzeit fänden Vertragsverhandlungen mit Ingenieurbüros zur Vergabe der Planung statt. Wie lange die Entwurfs- und Genehmigungsplanung dauere, sei nicht zu schätzen, die eigentliche Bauphase eines Polders könne aber auf ein bis zwei Jahre tituliert werden.

Dr. Marcel Holy entspannte die Vortragslage durch Bilder des Wildkamera-Monitorings im Natura-2000-Gebiet Dümmer, gab Informationen zum Prädatoren (Raubtier)- Management beim erfolgreichen Wiesenvogelschutz in der Dümmerniederung.

Detlef Tänzer und Helen Schepers informierten über die neue Herausforderung des Landkreises zur EU-konformen Sicherung der Natura-2000-Gebiete aufgrund eines im Februar eingegangenen Vertragsverletzungsverfahren. Danach hat der Landkreis nun fünf Jahre Zeit, Grenzpräzisierungen vorzunehmen. Ziel sei es dabei einen günstigen Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und FFH-Arten zu sichern. „Wir haben dazu vier neue Stellen generiert“, so Tänzer. Möglich sind durch die im Rahmen der Verpflichtung der hoheitlichen Sicherung der Gebiete die Ausweisung neuer Schutzgebiete und die Überarbeitung bestehender Schutzgebietsverordnungen.

Der Landkreis Diepholz zählt derzeit 23 Natura-2000-Gebiete. Weitere Infos zu den Verfahren werden im Internet erteilt.

sbb

www.natura2000.diepholz.de

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