Dorothee Wibbing und Dieter Tornow informieren Interessierte

Den Dümmer „zu verstehen“ ist wie Monopoly

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Interessierte Teilnehmer der Bootsfahrt staunen über das, was es im See alles zu entdecken gibt und sind wissbegierig, was die Nährstoffe im Dümmer anbetrifft. Dorothee Wibbing und Dieter Tornow.

Lembruch - Wie erklärt man einem interessierten Laien die immer wieder wechselnden Berichte über die Wasserqualität im Dümmer? Vor dieser anspruchsvollen Aufgabe standen am Sonntag Dorothee Wibbing vom Naturschutzring Dümmer und Dieter Tornow, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragte beim Landkreis Diepholz.

Die 20 Teilnehmer an der „Forschungsreise zu den Wasserpflanzen im Dümmer“ brauchten sich nur ein „Zauberwort“ zu merken, um den Dümmer „zu verstehen“: Monopoly! Beim Monopoly im Dümmer versuchen die „Mitspieler“ durch „Wachstum oder Vermehrung“ so viele Nährstoffe wie irgend möglich in ihren Besitz zu nehmen. Das Spiel ist aus, wenn keine Nährstoffe mehr „auf dem freien Markt“ sind. Eigentlich ganz einfach!

Seit die Politik 1987 das Dümmersanierungskonzept beschlossen hat, wurden Schritt für Schritt die unterschiedlichen Nährstoffquellen verschlossen: Die kommunalen Kläranlagen wurden technisch aufgerüstet, der See nahezu jährlich entschlammt und der Bornbach mit den besonders leicht pflanzenverfügbaren Phosphaten um den See herumgeleitet. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Großschilfpolder! Solange der jedoch noch nicht gebaut ist, wird im Dümmer weiter „Monopoly“ gespielt, weil die Nährstoffe meist ganzjährig im Überfluss vorhanden sind.

Beim genaueren Hinschauen gibt es jedoch interessante Schwankungen. Wenn es im Frühjahr lange Zeit trocken ist, dann kommen deutlich weniger Nährstoffe über die Hunte in den See. Dies könnte auch im Frühjahr 2017 der Fall sein, obwohl Ende Februar innerhalb einer regenreichen Woche zwei Tonnen Phosphor-Dünger den See erreichten. Der Zielwert der Dümmersanierung liegt bei 3,8 Tonnen pro Jahr, ein Wert, der 2016 mit 17 Tonnen deutlich überschritten wurde.

Eine ingenieurtechnische Herausforderung

Wenn es viel regnet, erreichen viele Nährstoffe den Dümmer. Aktuell erreichen den Dümmer über die Hunte rund 300 Liter Wasser pro Sekunde. Bei einem normalen Hochwasser bis zu 25.000 Liter pro Sekunde! Die Schwankungsbreite ist eine ingenieurtechnische Herausforderung, die allein mit einem Großschilfpolder zu lösen ist.

Die „Forschungsreise zu den Wasserpflanzen im Dümmer“ führte zu den „Mitspielern“, deren Chancen zu gewinnen aktuell nicht schlecht sind.

Als Dieter Tornow ein paar Wasserpflanzen an Bord holte, gab es spontan viel Fragen: „Warum sind viele Blätter der Wasserpflanzen so braun? Sterben die Wasserpflanzen jetzt schon ab? Normalerweise halten die doch bis Ende Juli durch?“ Nach dem Blick durch das Exkursions-Mikroskop wurde schnell deutlich, dass der gelbbräunliche Belag auf den Blättern überwiegend aus Kiesel-Algen besteht. Die Blätter der Wasserpflanzen dienen diesen Algen, die normalerweise nur auf dem Grund eines Sees wachsen, als Trägermaterial. Mit den zusätzlichen Siedlungsflächen auf den Wasserpflanzen vergrößert sich der See um ein Vielfaches. Rein rechnerisch ist der Dümmer mit Wasserpflanzen vielleicht zehnmal größer als in Wirklichkeit und ganz praktisch werden augenblicklich zehnmal mehr Nährstoffe von diesen Kieselalgen festgehalten.

Schilfpolder-Bau steht an

„Wenn wir Glück haben, dann sind das genau diese Nährstoffmengen, die den touristisch problematischen Blaualgen fehlen werden, sie hätten dann das Monopoly-Spiel in diesem Jahr verloren!“ hofft Dorothee Wibbing vom Naturschutzring Dümmer.

Um die positive Zukunft des Sees allerdings dauerhaft abzusichern, treibt das Land Niedersachsen den Bau eines rund 125 Hektar großen Schilfpolders voran. Aktuell erstellt ein Ingenieurbüro bereits die konkreten Pläne für den Bau. Die Verhandlungen über Tauschflächen mit den betroffenen Grundstückseigentümern stehen kurz bevor. Dennoch wird es voraussichtlich noch bis 2025 dauern, bis der Schilfpolder fertiggestellt werden kann. „Solange wird das ,Monopoly-Spiel’ im Dümmer Jahr für Jahr andere ,Gewinner’ hervorbringen, da stehen wir immer etwas ratlos davor,“ so das abschließende Resümee von Dieter Tornow auf dem Boot.

Im Dümmer-Museum werden die wöchentlich erhobenen Mess-Ergebnisse aus dem Dümmer allgemein verständlich aufbereitet auf einem Touch-Screen präsentiert.

dt

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