Gefahr durch Fuchs und Graugans

NUVD schützt bedrohte Vogelarten am Dümmer über gezieltes Wildtiermanagement

Ortstermin am Dümmer (v.l.): Marcel Scharrelmann, Dirk Toepffer, Marcel Holy, Mechthild Kortenbruck, Christian Hembes, Martin Möhlenpage und Joachim Hafer.
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Ortstermin am Dümmer (v.l.): Marcel Scharrelmann, Dirk Toepffer, Marcel Holy, Mechthild Kortenbruck, Christian Hembes, Martin Möhlenpage und Joachim Hafer.

Weil Wildtiere wie Füchse, Wildschweine und Graugänse die hochgefährdeten Wiesenvögel am Dümmer bedrohen, setzt die NUVD auf gezieltes Wildtiermanagement.

Hüde – Der Dümmer mit seinen Feuchtwiesen ist eines der europaweit bedeutendsten Schutzgebiete für hochgefährdete Wiesenvögel. Doch Wildtiere wie Füchse, Marder, Nutrias, Wildschweine und sogar Graugänse sind – jeder auf seine Weise – eine Bedrohung für den geschützten Lebensraum und die darin lebenden und brütenden Vogelarten.

„Es hat sich in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass man ohne gezieltes Wildtiermanagement nicht weit kommt“, erklärt Diplom-Umweltwissenschaftler Dr. Marcel Holy von der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD), warum seit einiger Zeit bestimmte Wildtierarten im Umfeld des Naturschutzgebiets koordiniert bejagt werden.

Füchse, Marder und Iltisse werden laut dem NUVD-Mitarbeiter schon seit 2010 bejagt, weil sie Eier und Küken der gefährdeten Vogelarten wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Brachvogel fressen. Auch Wildschweine haben sich in der Vergangenheit gerne im Röhricht aufgehalten. Infolge der Bejagung gibt es laut Holy inzwischen aber fast keine Wildschweine mehr im Schutzgebiet.

Steigende Graugänse-Population am Dümmer ist Problem

Die Bejagung führt allerdings zu einem neuen Problem. Denn davon profitieren auch die Graugänse und deren Nachwuchs. Sie seien in den 1960er-Jahren am Dümmer angesiedelt worden, der Bestand habe kontinuierlich zugenommen, berichtet Marcel Holy. Durch die Bejagung der Prädatoren sei er noch stärker gewachsen.

Das Problem: Die Graugänse fressen das junge Röhricht, was zur Folge hat, dass sich dessen Bestand verringert und wichtiger Lebensraum verloren geht. Ziel der Naturschützer ist es aber, den Röhrichtbestand am Dümmer auszuweiten. Die Rohrdommel beispielsweise laufe im flachen Wasser durch das Schilf, fange dort Fische und brüte dort auch, so Holy.

Nutrias erschweren Unterhaltung des Gewässersystems am Dümmer

Die Nutrias haben sich mit ihrer wachsenden Population am Dümmer ebenfalls zu einem Problem entwickelt. Zum einen fressen sie Pflanzen an Kleingewässern ab, die beispielsweise Lebensraum für gefährdete Amphibien- und Libellenarten sind, und können auch massive Schäden am Röhricht innerhalb des Sees verursachen. Zum anderen erschweren sie durch die Bauten, die sie in Wälle und Uferböschungen graben, die Unterhaltung des Gewässersystems. „Das Niedermoorgrünland im Schutzgebiet lebt von der Wiedervernässung“, erklärt Marcel Holy. Durchgraben die Nutrias die Wälle, könne der Wasserstand der durch sie unterteilten Flächen nicht mehr gezielt verändert werden.

Die Uferschnepfe ist eine von vielen bedrohten Vogelarten, die im Vogelschutzgebiet am Dümmer ein sicheres Habitat finden.

Um Vergleichswerte über den Erfolg des Wildtiermanagements zu erhalten, wurde ein Teil des Schutzgebiets nicht bejagt. „Wir konnten sehen, dass die Bejagung den entscheidenden Einfluss hatte“, sagt Holy. Wo gejagt wurde, seien die Bestände der gefährdeten Arten nachhaltig gewachsen, im Vergleichsgebiet seien sie dank der in beiden Gebietsteilen durchgeführten Lebensraumoptimierung aber immerhin konstant geblieben, was angesichts der deutschlandweit festzustellenden Bestandseinbrüche auch schon ein Erfolg sei.

Die Erkenntnisse bezüglich des Wildtiermanagements, die die NUVD am Dümmer gewonnen hat, will sie laut Holy künftig auch anderen Naturschutzgebieten zur Verfügung stellen.

Dirk Toepffer informiert sich über den Dümmer

Über das Thema Jagd am Dümmer hatte sich auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Toepffer, informiert. Er war auf Einladung des hiesigen CDU-Landtagsabgeordneten Marcel Scharrelmann an den zweitgrößten Binnensee Niedersachsens gekommen. Der Stadtmensch Toepffer hat beim Treffen mit Marcel Holy und Revierjagdmeister Christian Hembes nach eigener Aussage viel über Natur gelernt. Das Wildtiermanagement-Projekt der NUVD bezeichnete er als „absolut förderungswürdig“. Wichtig sei aber auch, in der Bevölkerung die Akzeptanz der Jagd zu stärken. Sowohl Jäger als auch Jagdgegner müssten einseitige Denkweisen aufgeben. Zweite Station Toepffers war der Marissa-Ferienpark – nach seiner Einschätzung ein Leuchtturm-Projekt für die ganze Region. Viele Jahre habe man im Tourismus eine Region beworben und nicht einzelne Projekte, so Toepffer. Dieser Weg sei überholt. Mit einem Anker-Projekt wie dem Ferienpark könne man eine ganze Region entwickeln. „Das ist ein Beispiel für ganz Niedersachsen, wie man es machen könnte.“

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