Dümmer-Museum zeigt Gerlinde Cronjaegers „Tauwerk“

Webkunst aus Strandgut

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Gerlinde Cronjeager stellt ihre Werke im Dümmer-Museum aus.

Lembruch - Für Gerlinde Cronjaeger aus Brockum, studierte Pädagogin der Kunsterziehung, waren die alljährlichen Sommerurlaube auf Sylt mit den Zwillingskindern und Ehemann Hugo Hartwig immer ein Stück wie Ferien auf „Saltkrokan“. Nur am Strand liegen und braten oder eine Sandburg um den Strandkorb bauen – das war ihr zu wenig. Außerdem nörgelten die Kinder als sie noch klein waren.

Jetzt, nach langer Zeit der Herstellung, hat sie endlich die Chance bekommen, das, was dort am Strand jedes Jahr entstand, als Gesamtausstellung im Dümmer-Museum zu präsentieren. „Tauwerk“ heißt die Sonderausstellung, die kürzlich mit einer Vernissage eröffnet wurde und noch bis Sonntag, 13. September, zu besichtigen ist.

„Das, was wir hier sehen, passt hervorragend zum Dümmer. Das Material, was die Künstlerin sammelte, sortierte, zerrupfte und dann verwebte zu wundervollen Landschaften am Wasser, hätte man hier am Strand finden können“, so Museumsleiterin Sabine Hacke zur Einführung. Im neuen Anbau des Museums und in der großen Vitrine sind mehr als 25 Werke der Kunstpädagogin zu sehen, die heute eigentlich als Recycling-Kunst bezeichnet werden. Denn: Das Material gab ihr das Meer zurück, Tampen, Taue, Leinen, Festmachzeug der großen und kleinen Schiffe, Reste von Netzen.

In allen Farbschattierungen und zu 95 Prozent aus synthetischen Materialien. All das fand Cronjaeger an unterschiedlichen Strandabschnitten auf Sylt. Sammelte es auf, auch das Treibholz und machte aus den Hölzern mit Hilfe ihres Mannes Webrahmen für ihr von ihr definiertes „Garn“. Strandgut-Garn zum Malen von Bildern an der Küste. „Sie hebt den Müll der Schiffe auf. Denkt aber nicht an Umweltkritik, sondern nimmt es so hin, was sie findet“, erläutert Hacke. Instinktiv schenkt die Kunstpädagogin, die sich selbst als Farbmenschen bezeichnet, den Fundsachen ein zweites Leben. Skurriler Weise entstehen mit ihrer Bilder, die die Schönheit der Landschaft am Meer spiegeln.

Wer schon einmal gewebt hat, weiß, dass das Bild ganz langsam entsteht, es schwer ist, ungewolltes wieder zu revidieren. Bei Cronjaeger klappt das auf Anhieb. Ihre Werke haben Namen wie „Meer mit Wolken“, „Farbspiel mit Tauwerk“, „Sonne, Wasser und Wind“, „Abendhimmel am Meer“, „Blick aufs Meer“, „Große Welle“. Sie entstehen plastisch, am besten von einer größeren Entfernung sichtbar, meditativ wie der Blick aufs Meer, den Himmel und den Horizont. „Für mich hatte das Arbeiten am Strand immer etwas Kontemplatives – die Unmittelbarkeit von Landschaft und Impression“, erläutert Cronjaeger.

Hommage an

„Ekel Alfred“

Ihr Sujet ist das, was sie vor Augen hat: Das Meer, der Himmel, manchmal Sonne, mal Mond, der Horizont. Die Taue, ob vom Tanker oder Segler, geben die Farbigkeit der Natur wieder. Synthetisches findet seine Bestimmung in der Abbildung Natürlichem. Das ist eine gekonnte Gratwanderung.

Zugesehen hat meist der Künstlerin beim Arbeiten, nur einen entlegenen Strandkorb entfernt, ein kleiner ruhiger Mann, der nur las. „Eines Tages kam er zu mir mit zwei kleinen Rahmenhölzern und fragte: Können Sie die gebrauchen?“, da erkannte sie ihn. Es war Heinz Schubert, alias „Ekel Alfred“, Protagonist der Tetzlaff-Story von Wolfgang Menge. Er zog aber auch mit Mutter Weigel, den Wagen der „Courage“ im Berliner Ensemble bei Brecht. 1980 wurde er Dozent später Professor an der Hamburger Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Ehepaar Cronjaeger erinnert in Lembruch im Museum an ihn mit Fotos vom Strand und nennt es: „Schuby´s Beitrag“. Er schenkte zwei kleine Kistenrahmen und seine Aufmerksamkeit.

Gerlinde Cronjaeger kommt vom Fach, sie leitete in der Kunsthalle Bielefeld von 1972 bis 1974 die Malschule. „So sehe ich meine Webbilder das erste Mal“, gibt die Künstlerin in Lembruch zu. So malte sie Landschaften aus Fadenzeug, das der Mensch als Mittel zum Zweck nutzte, solange es gut war, es entsorgte und das Meer ihr wieder gab.

sbb

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