Anforderungen stetig gestiegen

DRK-Kita „Schatzinsel“ in Lemförde besteht seit 50 Jahren

Sarah Mack, Leiterin der DRK-Kita in Lemförde, und Tanja Schünemann-Iloge vom DRK-Kreisverband reflektieren anlässlich des 50. Geburtstags der „Schatzinsel“ die gestiegenen Anforderungen an Kitas. Das neue Schild hat die Samtgemeinde spendiert.
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Sarah Mack, Leiterin der DRK-Kita in Lemförde, und Tanja Schünemann-Iloge vom DRK-Kreisverband reflektieren anlässlich des 50. Geburtstags der „Schatzinsel“ die gestiegenen Anforderungen an Kitas. Das neue Schild hat die Samtgemeinde spendiert.

Die DRK-Kita „Schatzinsel“ in Lemförde wurde im November vor 50 Jahren eröffnet. Seither hat sich vieles verändert, doch der Personal-Schlüssel ist gleich geblieben.

Lemförde – Eigentlich müsste die DRK-Kita „Schatzinsel“ in diesem Jahr eine große Party feiern. Denn im November wird sie 50 Jahre alt und ist damit eine der ersten Kindertagesstätten, die im Landkreis Diepholz eröffnet wurden. Aus der Party wird aus bekannten Gründen natürlich nichts. Trotzdem ist das Jubiläum ein guter Anlass, zurückzuschauen auf die Anfänge und darauf, wie sich die Anforderungen an Kindertagesstätten verändert haben. Denn getan hat sich viel – vor allem in den vergangenen 20 Jahren.

Die „Schatzinsel“ ging im November 1971 mit drei Gruppen mit je 20 Kindern an den Start, erste Leiterin war eine Diakonissin. Viele Informationen aus den ersten Jahren seien leider verloren gegangen, bedauert Tanja Schünemann-Iloge, Fachbereichsleiterin Kindertagesstätten beim DRK im Landkreis Diepholz. Aktuell werden drei Regelgruppen (25 Kinder) im Hauptgebäude und eine Integrationsgruppe im Nebengebäude betreut.

Zur ursprünglichen einfachen Kinderbetreuung sind im Laufe der Zeit viele Aufgaben hinzugekommen: Vorschularbeit, Sprachförderung, Integration. „Aber der Fachkräfte-Schlüssel ist nicht mitgewachsen“, beklagt Tanja Schünemann-Iloge. Wie in den 70er-Jahren kämen auch heute noch zwei Fachkräfte auf 25 Kinder. Die Vorbereitungszeit der Fachkräfte sei seit den 70er-Jahren ebenfalls nicht angehoben worden.

Ein großer Wendepunkt hin zu anspruchsvollerer pädagogischer Arbeit war vor rund 20 Jahren die Pisa-Studie, in der deutsche Schüler im europäischen Vergleich überschaubar abschnitten. In der Folge bekamen die Kitas konkrete Vorgaben, wie sie die Kinder auf die Schulzeit vorzubereiten haben. Und es begann die Entwicklungsdokumentation. Sie dient dazu, Defizite zu erkennen und frühzeitig gegenzusteuern, um den Kindern einen guten Schulstart zu ermöglichen.

Kita-Leiterin Sarah Mack ist in diesem Zusammenhang allerdings wichtig, dass der Fokus nicht allein auf der Behebung von Schwächen liegen darf. „Es muss nicht jeder alles gut können“, betont sie. Wichtig sei, auch die Stärken der Kinder zu fördern, sie erleben zu lassen, dass sie aus eigener Kraft etwas entwickeln können. Die soziale Komponente ist Mack ebenfalls wichtig. „Kinder müssen sich in einer Gruppe erfahren.“ Sie müssten Kommunikation und soziales Miteinander lernen und die Stärken und Schwächen anderer zu akzeptieren.

Ganz andere Maßstäbe als in den 70ern werden heute auch an die Betreuungszeiten gelegt. Betreuung von 8 bis 12 Uhr, das war einmal – auch wenn der gesetzliche Anspruch nach wie vor auf vier Stunden begrenzt ist. Seit 2006 gibt es in der „Schatzinsel“ eine Ganztagsbetreuung – seit einigen Monaten unter erschwerten Bedingungen. Schuld ist laut Schünemann-Iloge und Mack das im Sommer verabschiedete neue Kita-Gesetz. Das soll Verbesserungen für die Kinder bringen, bewirkt gerade in kleinen Kitas aber bisweilen das Gegenteil. Denn zuvor durfte eine Erzieherin in den Randzeiten früh morgens und am späten Nachmittag alleine bis zu zehn Kinder betreuen. Inzwischen müssen es zwei Personen sein. Das hat laut Schünemann-Iloge zur Folge, dass die Betreuungszeit gekürzt werden muss, wenn nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung stehen.

Aber selbst wenn das Land den Personal-Schlüssel morgen anpassen würde, wäre das Problem nicht gelöst. Denn auch bei Erziehern herrscht Fachkräftemangel. Schünemann-Iloge nennt mehrere Gründe: Während der vierjährigen Ausbildung gebe es kein Gehalt, danach sei das Gehalt gemessen an den hohen Anforderungen zu gering und wegen des knappen Personal-Schlüssels sei der Stress sehr hoch. „Viele Erzieherinnen brennen schnell aus“, so die Fachbereichsleiterin. „Wir rauschen in die gleiche Krise, die es schon im Pflegebereich gibt“, ist sie überzeugt und beklagt die aus ihrer Sicht zu geringe Wertschätzung in der Politik für den Erzieherberuf.

Fachkräftemangel ist auch der Grund, warum die zweite Integrationsgruppe der „Schatzinsel“ seit dem Sommer geschlossen ist. Es fehlt eine heilpädagogische Fachkraft. Sarah Mack bedauert das sehr, „denn der Bedarf ist hoch“.

Die große Halle dient seit der Sanierung als Multifunktionsraum. Im hinteren Bereich ist ein Atelier eingerichtet.

Flexibilität ist in der „Schatzinsel“ aber nicht nur in der Betreuung gefragt, denn auch der verfügbare Raum ist mit den gestiegenen Anforderungen kaum mitgewachsen. Bei Neubauten seien heute Bewegungs- und Differenzierungsräume sowie ein separater Pausenraum für die Mitarbeiter Standard, zählt Schünemann-Iloge auf. Als die DRK-Kita vor 50 Jahren startete, war all das noch kein Thema. „Für die moderne Pädagogik sind es zu wenig Räume“, sagt Sarah Mack. „Man muss sehr kreativ sein mit dem, was man hat.“ So wurde die Eingangshalle im Rahmen der Sanierung so umgestaltet und mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet, dass dort auch Aktivitäten in kleinen Gruppen möglich sind. Im hinteren Bereich der Halle wurde ein kleines Kunst-Atelier abgetrennt.

Trotz der Einschränkungen mögen beide das Gebäude – erst recht nach der Sanierung durch die Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ im vergangenen Jahr, durch die alles viel heller wurde. „Es ist ein Gebäude mit Geschichte und Charme“, so Schünemann-Iloge. „Die Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde läuft sehr gut“, betont sie. Und mit Hauptamtsleiterin Kerstin Schult habe man eine kompetente Ansprechpartnerin. Voll des Lobes ist Sarah Mack auch für ihre Mitarbeiter. Sie seien sehr motiviert und hätten viele Ideen.

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