7. DRK-Frühstückstreffen in Lembruch

Wehrbein: „Seien Sie kein Hase“

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Monika Meier-Rüffer und Referent Dirk Wehrbein.

Lembruch - Von Christa Bechtel. „Dirk Wehrbein steht in den Startlöchern und will jetzt über sogenannte IGel-Leistungen einen Überblick geben. Mir ist in Lemförde in der Hausarztpraxis aufgefallen, dass ich dort nicht darauf angesprochen werde. Aber beim Frauenarzt geht es schon los: Möchten Sie einen Ultraschall vom Becken oder der Brust? Dürfen wir auch noch einen Stuhltest machen? Dann steht man da – und das geht natürlich auch richtig ins Geld“, sagte Monika Meier-Rüffer, Vorsitzende des DRK Ortsvereins „Altes Amt Lemförde“.

Im Rahmen des 7. Frühstückstreffens zur Gesundheitsaufklärung begrüßte sie an diesem Morgen im „Seeschlösschen“ in Lembruch als Referenten den Lemförder Facharzt für Allgemeinmedizin Dirk Wehrbein. Sein Thema: „IGel-Leistungen – sinnvoll oder doch nur geringer nutzen?“

„Über Igel soll ich reden – ich hätte so gerne über den Wolf gesprochen“, scherzte Wehrbein eingangs, der mit dieser Äußerung sogleich für eine lockere Stimmung sorgte. Seinem Referat gab er daher den neuen Untertitel: „Von Hasen, Igeln, Wölfen und Menschen.“ „Ich möchte Ihnen etwas über Märchen, Mythen und mehr erzählen“, bemerkte der Allgemeinmediziner, der in Lemförde mit Dr. Axel Hespe eine Gemeinschaftspraxis hat, die wiederum Akademische Lehrpraxis der Medizinischen Hochschule Hannover ist.

IGel – das seien „Individuelle Gesundheitsleistungen“, verdeutlichte Wehrbein die Abkürzung. Zu ihnen gehören zum Beispiel Schnelltests wie Stuhlproben, Sono-/Mammographie, Stoßwellentherapien, Osteoporose-Messungen oder Osteopathie. Denen gegenüber stellte der Facharzt die GKV-Leistungen. „Eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Also alles, was medizinisch notwendig ist, wird geleistet“, betonte Wehrbein, der herausstellte, dass beispielsweise die AOK bis zu 250 Euro pro Jahr etwa für Akupunktur bezahle.

Wer braucht den Igel? Wer ist der Hase? Mit diesen humorvollen Fragen warf der Referent einen Blick zurück in die Geschichte – und begann beim Urknall. Früher habe es geheißen: „Die Natur heilt die Krankheit, der Arzt dient nur der Unterhaltung.“ Mittlerweile hätten die Menschen das Gefühl, dass es gegen alles eine Operation beziehungsweise ein Medikament gebe. Wehrbein: „Wir sind individualisiert, wollen keine ‚null-acht-fünfzehn‘-Behandlung. Der Hase, der hinter dem Igel hinterherläuft – das sind wir alle.“

Wert würden sie auf folgende Feststellung legen: „Krankheiten eines Menschen sind nur selten eindimensional. Wir haben also viel mehr anzuschauen“, akzentuierte der Arzt der weiter hervorhob: „Wir Lehrärzte sagen: Das bio-psycho-soziale System des Patienten ist zu berücksichtigen. Man könnte auch sagen: Körper, Geist und Familie ist zu berücksichtigen.“ Das sei ein ganzheitlicher Ansatz in der Medizin. Das Arbeitsziel der Allgemeinmedizin sei eine qualitativ hochstehende Versorgung, die den Schutz des Patienten, aber auch der Gesellschaft vor Über-, Unter- oder Fehlversorgung schützen soll. „Es darf nicht der Eindruck entstehen: Körper, Geist und Portemonnaie werden behandelt“, unterstrich der Vortragende. Oder zudem nicht das Gefühl entstehen: „Dass Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbekämpfung nur durch finanzielle Zusatzleistungen des Patienten erreicht werden kann.“ Dirk Wehrbeins abschließender Rat: „Lassen Sie sich nicht beeindrucken, seien Sie kein Hase, sondern fragen Sie nach. Hinterfragen Sie, was man Ihnen da anbietet, lassen Sie sich Zeit, lassen Sie sich beraten. Klären Sie die Kosten vorher ab, was es kostet, prüfen Sie, wenn Ihnen etwas angeboten wird.“ Sein Tipp: Im Internet unter www.gesundheitsinformation.de finde man alles zu den IGel-Leistungen und es gebe sogar einen Link zur Bundesärztekammer. „Und bitte glauben Sie kein Heilversprechen! Ein Igel ist ein Igel!“

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